Missratene Söhne (C. Kosuch)

Im Vandenhoeck&Ruprecht-Verlag ist das Buch „Missratene Söhne. Anarchismus und Sprachkritik im Fin de Siècle“ von Carolin Kosuch erschienen. In der Dissertation der Autorin von 2014 werden drei Männer beschrieben: Fritz Mauthner, Erich Mühsam und Gustav Landauer. Bei Sehepunkte gibt es eine aktuelle Rezension zum Buch.

Die Eremitage von San Guillermo, Fisterra, Galizien

Blick vom Monte do Facho nach Süden Richtung Leuchtturm

Das Kap von Finisterre (oder Fisterra, ich benutze die spanischen neben den galizischen Begriffen) zieht sich von Nord nach Süd in den Atlantik hinein und schließt die im Norden liegende Küste des Todes (Costa da Morte) in Galizien ab. Im Süden des Kaps befindet sich ein Doppelberg: westlich der langgezogene Monte do Facho, östlich der Monte de San Guillermo – beide auf halbem Weg zwischen dem Ort Fisterra und dem Leuchtturm am Südzipfel des Kaps.
Auf dem Facho (wie ich den Berg der Einfachheit fortan nenne) gibt es beeindruckende Felsformationen mit mindestens zwei großen, beweglichen Felsblöcken, die auch als Heilige Steine / Piedras Santas / As Pedras Santas bezeichnet werden.   „Die Eremitage von San Guillermo, Fisterra, Galizien“ weiterlesen

Wallfahrt

Ich würde sagen, daß ich „pilgererfahren“ bin nach gut 1000 Kilometern auf Jakobswegen in Spanien. Aber wie ist das mit dem Wallfahrten?
Wenn ich den Begriff Wallfahrt höre, denke ich an die Schiffahrten als Kind den Rhein herauf bis nach Bornhofen – zum Franziskaner- und Wallfahrtskloster.

Das Gnadenbild in Bornhofen ist eine Pietà aus dem 15. Jahrhundert. Spannend finde ich, daß es sehr dem aus der Klosterruine Hausenborn (bei Isenburg an der Sayn) gleicht – und auch diese Kirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts eingeweiht. Allerdings gab es wohl schon eine Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert an gleicher Stelle in Bornhofen, der man Wunder zuschrieb. Die frühesten Wallfahrten nach Bornhofen sind für 1585 und 1610 bezeugt, danach begann die kirchliche Reglementierung dieser Wallfahrten.

Die Wallfahrten nach Bornhofen starten im Januar und gehen bis in den Oktober. Fast jeden Tag ist eine andere Gemeinde aus dem Mittelrheintal und den anliegenden Mittelgebirgen an der Reihe. Die nördlichsten Wallfahrer kommen m.W. aus Bonn und Grafschaft. Die Besonderheit sind eben diese Schiffswallfahrten, für die im 19. Jahrhundert eigens das Wallfahrtslied „Geleite durch die Wellen“ geschrieben wurde. Die Wallfahrt nach Bornhofen gehört zu den ältesten im Rheinland (Wikipedia).

Meine Erinnerung ist die, daß dieser Wallfahrtstag im Grunde die einzige Unternehmung war, die ich alleine mit meiner Oma väterlicherseits unternahm. Sie wohnte zwar gleich im Haus neben uns, aber mein Verhältnis zur Oma mütterlicherseits war viel enger. Ich kann mich erinnern, daß es vor allem alte Leute waren, die z.T. mit ihren Enkeln diese Wallfahrt machten. Auch ich war nicht alleine, sondern hatte Freunde dabei. Zwar gingen wir auch mit in die Kirche (vor dem Mittagessen), aber die Andacht nach dem Essen „schenkten“ wir uns – wir zogen durch Bornhofen und schauten, „was da so geht“. Und das war nicht viel. 

Wie unterscheiden sich Wallfahrt und Pilgerfahrt? Im Grunde gar nicht, denn auch die Wallfahrt heißt auf lateinisch peregrinatio religiosa. In Wallfahrt steckt das Wort „wallen“, das für „wandeln“, „wedeln“ im Sinne von (unstet) hin- und herbewegen steht.
Sie besteht aus dem Besuch eines Pilgerortes, den man zu Fuß oder mit einem Transportmittel erreicht.
Dennoch gibt es Unterschiede: die Wallfahrt ist eine speziell katholische Tradition, die hauptsächlich auf die Marienverehrung ausgerichtet ist. Die Wallfahrt wird zudem immer in einer Gruppe unternommen. Oft haben die Teilnehmer eine konkrete Motivation, z.B. Heilung von Krankheiten. Zudem ist die Wallfahrt in der Regel eine kurze Reise; die Pilgerschaft kann Jahre dauern. Manche Personen vertreten im Netz die Meinung, das seien keine wirklichen Unterschiede, Wallfahrt und Pilgerfahrt seien identisch. Das sehe ich anders: für mich ist schon ein deutlicher Unterschied anhand der o.g. Kriterien zu sehen. 

Wieso komme ich nun auf das Thema der Wallfahrt? Weil ich nach meinen Pilger-Abenteuern von einem Bekannten zu einer Marienwallfahrt im nächsten Jahr eingeladen worden bin. Dabei sollen in einem Nachtmarsch insgesamt 45 Kilometer zu Fuß überwunden werden, um pünktlich zum Hochamt an der Wallfahrtskirche ankommen zu können. Ich will hier und heute noch nicht mehr darüber erzählen, außer: einen meiner beiden Rosenkränze habe ich dort erstanden. Es wäre eine schöne Geste, ihn zu Fuß wieder dorthin zu tragen. Ob ich teilnehme an dieser „Extremwanderung“ zu dritt, weiß ich noch nicht genau, aber es ist ein vielversprechendes Angebot. 

Wahlspruch (Gusto Gräser)

Treu mir selbst, dem guten Geiste,
der in meinem Leibe wohnt,
der mit göttlich hoher Freude
jede gute That mir lohnt.

Treu dem Weiser, dem Gewissen,
das mir immer Antwort sagt,
daß sich nicht in Wurmes Weise
meine Seele krümmt und plagt.

Unerbittlich treu dem Führer,
der im Geist mich überschwebt,
der mit seines Geistes Stärke
meine Seele neu belebt.

Wien, 10. Mai 1898
(Quelle: Deutschlandfunk Kultur

3SAT: Leben in der Landkommune

In der Mediathek von 3SAT ist die Doku „Leben in der Landkommune – Städter wagen den Neuanfang“ zu sehen. 

Meine Eindrücke: Die Bewohner der Kommune Lebensbogen berichten unisono, daß sie nun mehr Arbeit haben als im zurückgelassenen Leben. Man funktioniert als Team, aber es besteht (noch) wenig Zusammenhalt unter den Bewohnern. An einer Stelle wird gesagt, daß die meisten abends früh wegen Müdigkeit in ihren Zimmern verschwinden, Gemeinschaftsabende seien selten. 
Zudem gestaltet sich der Zusammenhalt schwierig, was die (vielen) Ü50-Bewohner und die wenigen jungen Leute mit Kindern angeht. Es wird gesagt, daß junge Leute kamen – und wieder gingen. Familien und Kinder beklagen die Abgeschiedenheit und die fehlende „Peer Group“. 
Ein anderer Aspekt ist die ständige „Öffentlichkeit“, das Sich-einlassen-Müssen auf die anderen. Man kann sich zwar zurückziehen, aber die Zimmer sind klein; es gibt weder Fernsehen noch Internet. 
Mir ging eines beim Schauen durch den Kopf: Hätte diese Gruppe eine gemeinsame weltanschauliche (hier: religiöse) Grundlage, würde es besser funktionieren? Das war so ein Eindruck, den ich hatte: die Gruppe erscheint sehr heterogen trotz auf der Webseite nachzulesender Grundlagen. Während ich glaube, daß eine homogene Gruppe mit religiösem Fundament gerade auf Familien attraktiv wirken kann, tut sich diese Gruppe m.E. schwer. 

Strände…

Zweimal National Geographic España und einmal El Pais:

Die besten Strände Europas – Los mejores playas de Europa

12 filmreife Strände an den Küsten Spaniens – 12 playas de cine en la costa de España

Zum Abschluß: FKK-Strände in Spanien – Playas nudistas en España

Mein persönlicher Tip als Ergänzung: Der Strand von Oliva an der Costa del Azahar südlich Valencias – viel Platz, weißer Sand, Bars und ab und an vorbeifliegende Flamingos…

Nachtrag: Ten gorgeous undiscovered Spanish seaside towns

Nachtrag: Top Ten Nudist Beaches in Spain

Vermischte Hinweise

Der Deutschlandfunk über die Obstbausiedlung Eden, schon etwas älter, aber gut geschrieben mit Stimmen aktueller Edener.

Die Darmstädter Mathildenhöhe will Weltkulturerbe werden, dazu ein älterer Bericht beim Deutschlandfunk und der Hinweis, daß sie nun auf der Vorschlagsliste für 2019 steht.

Weiter beim Deutschlandfunk, da gibt es offenbar ein Podcast-Transkript von Thilo Schmidt zum Thema Lebensreformer, Prediger und Jesus-Imitatoren: Warten auf den Messias.

Die NZZ verweist auf die Ausstellung: Eine Berliner Ausstellung erzählt die Geschichte, wie die Maler das Wandern entdeckt haben.
Alte Nationalgalerie Berlin, bis 16.9.18

Und eine weitere Ausstellung in Berlin, diesmal im Historischen Museum und bis zum 6.1.2019: Europa und das Meer.
Hier eine Bildergalerie und hier ein Bericht der NZZ. Von den Römern und Griechen bis hin zum Flüchtlingsdrama spannt sich der Bogen. Es geht um die Ausbeutung der Meere, um die Meere als Sehnsuchtsort und die Menschen, die für ihre Träume auch das Leben lassen mußten, Zitat: „Das Meer ist demokratisch, es nimmt jeden.“

Sommer (G. Trakl)

Am Abend schweigt die Klage
Des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
Der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter droht
Über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
Erstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das Laub
Der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
Rauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die Kerze
Im dunklen Zimmer;
Eine silberne Hand
Löschte sie aus.

Windstille, sternlose Nacht.

Nacktwanderweg in Brandenburg geplant

Zwei Nacktwanderwege existieren bereits in Deutschland, schon länger ist ein dritter im Süden von Berlin in Planung.
Jetzt ging es wieder durch die Presse: in Brandenburg, genauer im Bereich der Prignitz, könnte nun ein neuer Weg entstehen, wenn – soweit ich es verstanden habe – die lokale Politik zustimmt.
Infos: rbb / t-online

Nachtrag: Der Stern greift das Thema Nacktwandern auf. Weitere Infos zu Brandenburg bei den Potsdamer Neuesten Nachrichten.

 

Schweigeexerzitien im Kloster (2) (Mystik 4b)

Nach einer angenehmen Zugfahrt kam ich in Stainach-Irdning an, wo gleich mehrere Teilnehmer von Elisabeth und Bruder Rudolf mit Autos abgeholt wurden.

Ich will nicht viel über das Kloster schreiben, das kann man auch selbst z.B. im Flyer nachlesen. Zunächst hieß es: ankommen. Jedem wurde seine „Zelle“ gezeigt, ein kleines, einfaches Zimmer mit Schrank, Bett und kleinem Schreibtisch. Meine Zelle lag innerhalb der früheren Klausur, also des abgeschlossenen, nur für die Mönche zugänglichen Bereichs eines Klosters. Es gab einen kurzen Rundgang, sodann Bezahlung der Kurskosten – im Anschluß folgte schon das Abendessen. Man stellte sich gegenseitig vor, und natürlich kam oft die Frage auf: Warum bist du denn hier? Nun, das habe ich dir, lieber Leser, ja hier schon erklärt.
Nach dem Abendessen gab es die obligatorische Vorstellungsrunde, bei der jeder über sich erzählen konnte. Ich saß in einer Runde von 19 Teilnehmern, die vom Alter so zwischen Mitte 20 und 70/75 lagen. Es gab die Seniorinnen, die zum wiederholten Mal teilnahmen, junge Unternehmer, die sich darüber austauschten, wie sinnvoll „Meditation“ für „Manager“ sei. Jeder entschied, wieviel er über sich und seine Beweggründe erzählen wollte. Und gleich nach dieser Runde begann – das SCHWEIGEN… 😉

„Schweigeexerzitien im Kloster (2) (Mystik 4b)“ weiterlesen