Männerabende im Josefsjahr

Ich muß da was revidieren. Hier schrieb ich, daß ich weder privat noch beruflich an Videokonferenzen teilnehme. Das stimmt nun dank Pater Paulus nicht mehr. Dieser betreibt die Seite Gottessöhne, über die er auch Einkehrtage für Männer anbietet. Pater Paulus ist im Orden der Franziskaner der Erneuerung. Hier findet sich etwas zur Vita von Pater Paulus, die ihn bis zur Männerarbeit in die Bronx geführt hat.

Der Online-Männerabend wird mit der Software Zoom an jedem Mittwochabend gehostet. Er besteht aus einem ca. zehnminütigen Impuls von Pater Paulus, danach wird gemeinsam der Rosenkranz gebetet.

Neuerscheinung: Natürlich, nackt, gesund (E. Locher)

Der Name Eva Locher ist mir in den letzten Jahren häufiger im Zusammenhang mit der Lebensreform untergekommen, hier eine kurze Info zu ihr auf „Lebensreform Zeitgeschichte“. Sie war auch Kuratorin der letztjährigen Ausstellung „Lebe besser!“, die ich Corona-bedingt leider nicht gesehen habe.
Dafür habe ich gesehen, daß bald ein Buch von Frau Locher erscheint: Natürlich, nackt, gesund – Die Lebensreform in der Schweiz nach 1945. Bei Amazon ist es für den 10. Februar gelistet. Wir können dort lesen, Frau Locher bearbeite ihr Thema aus transnationaler Perspektive; im Fokus stünden die Themen Ernährungsrefom, Naturheilkunde und Freikörperkultur.
Das ist ein vielversprechendes Buch mit ansprechendem Titel-Design, das hoffentlich auch darauf eingeht, wie sich die Lebensreform-Themen von der Jahrhundertwende später im Alternativmilieu der 70er und 80er manifestierten.

Die Moderne als Erlebnis (Buch)

Von Peter-Paul Bänziger ist „Eine Geschichte der Konsum- und Arbeitsgesellschaft 1840-1940“ mit dem Titel „Die Moderne als Erlebnis“ erschienen (Göttingen: Wallstein 2020).

Zwei Autoren haben den Titel für Sehepunkte rezensiert: J. Schmidt (Zitat: „Bänzigers Buch ist sehr gut geschrieben und komponiert. Man taucht in die Lebenswelten der Tagebuchschreiberinnen und -schreiber ein, ist manchmal geradezu enttäuscht, dass dieses Leben nicht weiterverfolgt werden kann.“)

T. Möbius (Zitat: „Alles in allem gelingt es Bänziger, eine sehr lebendige, problemorientierte und letztlich überzeugende „Geschichte der Annäherung“ von Arbeit und Konsum zu schreiben. Darüber hinaus ist die Studie ein wichtiger Beitrag zur Genese von (hauptsächlich bürgerlichen) Subjektkulturen in der klassischen Moderne.„)

Bänziger ist Dozent für Neuere Geschichte an der Uni Basel, Profil. Es handelt sich wohl um seine Habilitationsschrift.

Eine Leseprobe inkl. Inhaltsverzeichnis kann man auf der Verlagsseite herunterladen.

Nichts zu erwarten

Ich befasse mich am Rande auch mit dem Thema Prepping. Man mag es auch unter die Lebensreform einreihen können, denn auch wenn die Vorbereitungen für eine Zeit in der Zukunft sind, verändern sie doch den Blickwinkel auf die Dinge im Hier und Jetzt und gehen Hand in Hand mit Überlegungen zu minimalistischem Leben, zu den wirklich benötigten Dingen. Die Krise, von der ich ausgehe, ist ein Blackout, ein länger andauernder Stromausfall mindestens im nationalen Rahmen. Ich will nicht im Detail darauf eingehen, welche Problemlagen dadurch enstehen könnten, das würde zu weit führen. Doch stellt sich immer die Frage, was macht die Regierung, bleibt sie handlungsfähig? Das ist der erste Punkt. Gleich im Anschluß kommt natürlich die Frage nach den Notvorräten, die die Bundesrepublik für solche Fälle vorhält. Dazu gibt es ein interessantes Video vom YouTuber Outdoor Chiemgau, der, das war ja irgendwie zu erwarten, zum Schluß kommt, daß diese Vorräte ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sind. Wer sich nicht selbst vorbereitet, der wird kaum Perspektiven in einer solchen Krise haben.

Die Aktionen der Bundesregierung im Rahmen einer Grippevirus-Bekämpfung („Corona Lockdown“) zeigen mir nun eindrucksvoll, daß ich von diesen Personen, die meinen, die Geschicke der Deutschen gut zu lenken, im Ernstfall gar nichts zu erwarten habe. Wer mit einer Grippesituation so umgeht, wer nicht mit Fachleuten diskutieren will, die anderer Meinung als die „berufenen“ sind, der wird mit einer wirklichen Bedrohung in keiner Weise adäquat umgehen können. Ich glaube, daß das für viele Prepper, die auf das Jahr 2020 schauen, nun deutlich geworden sein dürfte. Es gibt keinen umsorgenden Nanny State, der nur das Beste für die Bürger will. Es gibt kaum unabhängige Medien, die nicht den Einheitsbrei wiederkäuen. Wer bei einer Grippewelle versagt, dem wird man nicht zutrauen können, 80 Millionen Menschen in einer Notsituation zu versorgen.

Vielleicht sollte ich doch mal das Thema hier etwas genauer aufnehmen.

Corona-Finale: Impfzwang und Berufsverbot?

Als ich das erste Mal hier im Blog das Coronavirus erwähnt habe, war das in einem Artikel, in dem ich eher mit einem Schmunzeln auf die Frage einging, wie wohl die historischen Lebensreformer mit der Herausforderung „Corona“ umgegangen wären. Alles hat sich geändert, und ich muß gestehen, daß ich eine (privat) düstere Prognose für 2021 habe. Der erste Lockdown war bereits unnötig, da die Pandemie im März schon vorbei war – sagt Prof. Bhakdi, dem man das glauben kann oder eben nicht. Wer beim Zweiten, dem „Lockdown light“ im November, noch dachte, das werde wirklich begrenzt und „Weihnachten ist alles gut“, dem kann ich nur eine schon fahrlässige Gutgläubigkeit attestieren, so auf Fußballerniveau. „Corona-Finale: Impfzwang und Berufsverbot?“ weiterlesen

Die Luft zum Atmen

„Cold war kids were hard to kill under their desks in an air raid drill“ (Billy Joel, Leningrad)

Ich bin ein Kind des Kalten Krieges, geboren im Jahr des „Summer of Love“, der bald vom Deutschen Herbst abgelöst wurde. Meine Eltern sind Kriegskinder, speziell meine Mutter hat die Evakuierung aus dem Ruhrgebiet aus einem völlig zerbombten Haus erlebt. Im Blick auf meine Großeltern half mir das Buch „Kriegsenkel“, sie und mich besser zu verstehen. Mit Blick auf meine Eltern, nun ja, das ist eine ongoing story. Immer wieder versuche ich, gerade die Ängstlichkeit in ihrem Leben zu verstehen. Eine Kindheit im Krieg, ein wackeliger Frieden mit geteiltem Deutschland, der neu aufkommende Kalte Krieg.

Dennoch bin ich als Kind und Jugendlicher in den 70ern und 80ern normal aufgewachsen, ohne Existenzängste, weil die nukleare Bedrohung zunächst zu groß zum Fassen, dann zu schwer zum Tragen war. Sie wurde ausgeblendet. „The Day After“ zeigte mit eindrucksvollen Bildern, daß das Thema doch nicht weg, sondern nur verdrängt war. „Die Luft zum Atmen“ weiterlesen

Die totale Errettung

Als Ergänzung zu meinem gestrigen Beitrag verweise ich auf diesen Text von Martin Heuser auf der Achse des Guten. Zitat:

„Denn die systematische Überforderung in der maßgeblich durch Hybris beeinflussten Setzung der eigens gesteckten und unmittelbar mit aller Staatsmacht verfolgten Staatsziele, von der Bankenrettung über die Flüchtlingsrettung bis hin zur Klima- und Weltrettung, und nunmehr der totalen Errettung vor Infizierung mit einem grippeähnlichen Virus, führt notwendig zur Aufhebung allen bürgerlichen Rechts. Und damit zur totalen Entmündigung des einzelnen Bürgers.“

Ist eine andere Politik wählbar?

Das Wort „Diktatur“ schwirrt derzeit mehr als sonst im Netz herum, insbesondere wird es von Kritikern der Corona-Maßnahmen der Regierung benutzt, um vor dem Hineinschlittern in einen totalitären Staat zu warnen.
Ist der Begriff berechtigt?

Der Philosoph Karl Popper hat zwei Staatsformen unterschieden: eine, die man durch Wahlen ändern kann, ein zweite, bei der das nicht möglich ist. Der Begriff sei egal, also wie man die beiden nennt, aber die Zweite nenne man gewöhnlich Diktatur oder Tyrannei. „Ist eine andere Politik wählbar?“ weiterlesen

November am Rhein (I. Wiesmath-Binge)

Nächte, die voll Nebel sind;
Tage, da der Regen rinnt;
Kinder, die am Fenster sitzen;
Autos, die durch Pfützen spritzen…
Sturm fegt über leere Felder,
Blätter wirbeln durch die Wälder.
Sonne wärmt den Schieferstein,
Doch gelesen ist der Wein,
Und es trocknen schon die Reben.
Überall entflieht das Leben.
Strom und Wolken ziehn vorüber…
Hol über, – Fährmann -,
Hol über!

Ingeborg Wiesmath-Binge
Heimatjahrbuch Neuwied 1972

Digitale Lebensreform?

Wer nach der Überschrift einen Artikel zum „digitalen Minimalismus“ erwartet, den muß ich leider enttäuschen. Das ist nicht die Stoßrichtung. Mir geht es heute darum, nicht minimalistisch im Netz unterwegs zu sein, sondern selbstbestimmt. Selbstbestimmung heißt für mich: ich reguliere, mit wem ich welche Daten teile.

Die Stellen, die an meinen Daten interessiert sind, sammeln mehr oder weniger offensichtlich. Mich nervt es, wenn ich nach Gummistiefeln suche und dann über Wochen hinweg auf allen Partnerseiten Googles – Gummistiefel in der Werbung sehe. Genauso nervt es, wenn ich gerade ein Restaurant verlasse und es in der Jackentasche kurz vibriert: Google möchte wissen, wie ich Restaurant XY denn bewerte, jetzt da ich es gerade verlassen habe… „Digitale Lebensreform?“ weiterlesen