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Digitale Lebensreform?

Wer nach der Überschrift einen Artikel zum „digitalen Minimalismus“ erwartet, den muß ich leider enttäuschen. Das ist nicht die Stoßrichtung. Mir geht es heute darum, nicht minimalistisch im Netz unterwegs zu sein, sondern selbstbestimmt. Selbstbestimmung heißt für mich: ich reguliere, mit wem ich welche Daten teile.

Die Stellen, die an meinen Daten interessiert sind, sammeln mehr oder weniger offensichtlich. Mich nervt es, wenn ich nach Gummistiefeln suche und dann über Wochen hinweg auf allen Partnerseiten Googles – Gummistiefel in der Werbung sehe. Genauso nervt es, wenn ich gerade ein Restaurant verlasse und es in der Jackentasche kurz vibriert: Google möchte wissen, wie ich Restaurant XY denn bewerte, jetzt da ich es gerade verlassen habe…

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Corona: Erste Hilfe ohne Beatmung? Fahrlässig!

Am 1.10. sendete die Doku-Reihe „Planet Wissen“ eine Folge zum Thema Erste Hilfe. Da wurde nun allen Ernstes gesagt, in „Corona-Zeiten“ werde empfohlen, nicht zu beatmen – die Herzdruckmassage sei ausreichend.

Grundsätzlich war die Entwicklung im Bereich der Ersten Hilfe die, daß man die Beatmung gegenüber der Herzdruckmassage weit „zurückgefahren“ hat. Man geht davon aus, daß noch soviel Sauerstoff im Blut ist, daß es vor allem darauf ankomme, diesen mittels Druckmassage durch den Körper zu pumpen. Daher bislang die Regel: 30mal drücken, zweimal beatmen.

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Ohne Bikini geht die Nina nie … in die Niederrhein-Therme

Seit gestern sind Meldungen in den diversen Medien, daß die Niederrhein-Therme in Duisburg das Tragen zu knapper Badebekleidung verboten habe. Das betrifft Bikinis (Brazilian Bikinis) bzw. auch String-Tangas. Burkinis sind explizit erlaubt.

Einer meiner Lieblingsblogger, der Herr Danisch, hat so schnell, wie er immer ist, bereits sehr gut gekontert. Die Sprecherin der Therme habe gesagt, String-Tangas gehörten nicht in einen Wellness- und Gesundheitsbereich. Richtig, meint Danisch, da geht man nackt hin. (Nebenbei kann man im Beitrag erfahren, daß Danisch selbst FKK-Erfahrungen mit Koversada hat. Ich habe die Insel hier und hier kurz beschrieben.)

Zwischenzeitlich soll der Träger der Niederrhein-Therme die entsprechenden Hinweisschilder für die Badegäste wieder entfernt haben, da außerhalb des FKK-Bereichs der Schambereich bedeckt sein müsse, was auch bei knappen Bikinis der Fall ist. Auch hier stellt Danisch in seinem o.g. Artikel fest, daß mit dieser Aussage im Grunde „Oben ohne“ erlaubt ist.

Wir sind in einer grotesken Situation: Aus der Bundesrepublik Deutschland ist die Bunte Republik geworden. Man will alles sein, alle Farben tolerieren, solange kein Braun darunter ist. Nicht nur Refugees sind „welcome“, jede Sonderform wird nicht nur toleriert, sondern von den entsprechenden Institutionen, die daran ein Interesse haben, gefördert. Wir haben nun drei Geschlechter, Facebook kennt nach dieser Liste gleich 60. Wir schreien als Gesellschaft das „Sei anders!“ nur so heraus.
Doch es kann nicht übersehen werden, daß unter den in den letzten Jahrzehnten hinzugekommenen Bürgern solche sind, die konservativen religiösen Vorstellungen anhängen und definitiv nur zwei Geschlechter kennen. Und davon muß eines sich bedecken und jegliche körperliche Reize für Außenstehende ausblenden.

Dieser Konflikt ist lange nicht gelöst. Er kann auch nicht gelöst werden, glaube ich, weil die Differenz zwischen den „Bunten“ und den „Konservativen“ so groß ist. Bei der Jungen Freiheit kann man lesen, daß im Stadtteil Hamborn, in dem im übrigen meine Mutter geboren wurde, der Migrantenanteil bei deutlich über 50% liegt.

Manchmal frage ich mich, wofür die historischen Lebensreformer gekämpft haben… Seinerzeit war es mit Risiken verbunden, sich in der Öffentlichkeit nackt zu zeigen. Daher entstanden die FKK-Gelände im Wald oder an Seen, wo man unter sich sein konnte.
Heute muß man fragen: Gehen wir da wieder hin?

Ich glaube, es gibt zwei Lösungen, eine kleine und eine große. Die kleine Lösung wäre der vermehrte Zulauf zu FKK-Vereinen mit eigenem Gelände. Damit hat man de facto eine kleine Nebengesellschaft mit eigenen Regeln. Das hatten wir schon einmal, das wäre ein Rückschritt.

Die große Lösung ist die, daß die Interessengruppen, die Burkini-Thermen möchten, sich solche bauen für „ihre Leute“. Es kann mir keiner sagen, daß die ständig medial präsenten Clans nicht genügend Knete für die eine oder andere Therme hätten. Da kann man(n) dann mit Neoprenanzügen schwimmen, die Dame mit Burkini – alles gut.

Was das aber heißt, ist klar: So wächst in Deutschland das nicht zusammen, was von den Vertretern der „bunten Republik“ so herbeigeschrien wird. Damit wird auch klar, daß das keine „zwei Lösungen“ sind, sondern „workarounds“. Eine einvernehmliche Lösung kann es insbesondere mit Vertretern eines konservativen Islams nie geben. Daher war der „Kampf“ der historischen Lebensreformer auch nur in ihre Zeit eingebunden; manchmal meine ich, es sei ein leichterer gewesen, als der, der noch bevorstehen kann.

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Away mit A wie Abraham (Netflix)

Introductions first: „Away“ ist eine Netflix-Eigenproduktion aus dem Jahre 2020. Aktuell ist eine Staffel mit 10 Folgen verfügbar. Darin geht es auf der grundlegenden Ebene um die erste bemannte Mars-Mission, zu der sich Raumfahrtbehörden verschiedener Länder zusammengeschlossen haben. Aber „away“ sind nicht nur die Astronauten, sondern umgekehrt auch die Daheimgebliebenen, die eine große Rolle im Plot spielen.

Die Staffel ist ein Sammelsurium des Zeitgeists, Netflix war da sehr „woke“. Commander Emma ist eine weiße Frau mit eher maskulinen Zügen, 2. Commander ist Ram, ein dunkelhäutiger Inder. Der Biologe Kwesi ist schwarzer Jude, Misha, der Russe, ist „alter weißer Mann“, insbesondere zu Anfang mit Vorurteilen gegen die chinesische Astronautin Lu, die verheiratet ist und einen Sohn hat, jedoch in eine andere Chinesin von Mission Control verliebt ist. Diese fünf Archetypen werden auf der Erde um die Zurückgebliebenen ergänzt: als da wären zwei Rollstuhlfahrer, ein Mädchen mit Down-Syndrom, eine hispanische Ex-Astronautin (Emmas erotischere Gegenspielerin), eine Frau als Leiterin der gesamten Mission – und noch jemand, auf den ich gleich komme…

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Nutri-Score

Quelle: Wikipedia / Public Domain

Heute morgen las ich, daß sich die Ernährungsministerin Klöckner für den Nutri-Score einsetze. Dieser werde nun im November 20 in Deutschland eingeführt, allerdings ist die Nutzung seitens der Hersteller der Produkte freiwillig. Das sei, so Klöckner, auch nicht im nationalen Alleingang zu schaffen, sondern eine Verpflichtung müsse durch die EU beschlossen werden.

Der Nutri-Score gibt die Nährwertqualität eines Produktes mit einer Buchstaben- und Farbkombination an: von A (grün = gut) bis E (rot = schlecht). Das System kommt aus Frankreich, wo es bereits 2017 eingeführt wurde. Mehr Infos dazu in der Wikipedia oder auch beim dreisprachigen (Englisch / Französisch / Spanisch) NutriScore.blog.

Grob gesagt, verschiebt sich die Bewertung Richtung A bei Vorhandensein von Proteinen, Ballaststoffen, Anteilen von Obst, Gemüse und Nüssen am Produkt. In Richtung E geht es bei viel Zucker, gesättigten Fettsäuren, viel Natrium und einem generell hohen Energiegehalt.
Was fehlt und dringend mit dazu sollte: eine Bewertung des Anteils von Farbstoffen und Konservierungsmitteln!

Aus lebensreformerischer Sicht ist die Einführung des Logos zu begrüßen, weil es Käufern nun einfacher ersichtlich ist, wie „wertvoll“ das gerade in den Wagen gelegte Produkt für die eigene Ernährung ist. Wenn dann Überlegungen in Gang kommen wie „zweimal A ist schon drin, jetzt geht auch die Chipstüte mit D“, dann ist der Zweck des Logos erfüllt.

Aus vegetarischer oder veganer Sicht fehlt dem Logo natürlich die Differenzierung bzgl. tierischer und nicht-tierischer Produkte. Hier könnte man sich z.B. vorstellen, das o.a. Logo mit unterschiedlichen Farbhintergründen zu hinterlegen, z.B. einen für vegetarische Produkte, einen anderen für rein vegane – und das Standardsymbol behielte den weißen Hintergrund. Das würde es für Käufer aus diesen Ernährungsbereichen noch einmal einfacher machen.

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Zeeland

Coca-Cola-FlaggeEin bißchen wehte sie wie eine Piratenflagge im Wind: zerzaust, an einem morschen Mast, aber vital rot und laut im Wind knatternd: die Coca-Cola-Flagge. Als Kind der 80er, Nichtraucher, Pepsi-Verachter war es nicht der Marlboro-Mann, den ich mit Freiheit assoziierte, sondern am ehesten Coca Cola. Als ich mit 17 in den USA war, gab es dort so eine Vintage-Edition, also die alte Cola aus den 60ern. Dinge, an die man sich Ü50 noch erinnert.
Ja, ich weiß, alles imperialistischer Scheiß, aber seine Prägung hat man ja trotzdem… 😉
Diese Cola-Flagge ist mir aufgefallen und als Symbol im Gedächtnis geblieben für ein paar schöne Tage in Zeeland, der westlichsten Provinz der Niederlande. Ein paar schöne Tage auf der Flucht vor dem ins Corona-Zwangskorsett gepackten Alltag. In den Niederlanden benötigt man aktuell keine Maske, aber überall wird auf 1,5m „afstand“ hingewiesen. Für mich macht das Sinn.

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Mein Camino Francés 2015

Astorga bis Foncebadón (CF31)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Weg bis Foncebadón

Ich weiß nicht mehr, wieso ich morgens früh im Aufenthaltsraum der Herberge saß, also auf was ich möglicherweise wartete, aber dort klang dann, wie im Rest des Gebäudes, gregorianischer Gesang aus den Lautsprechern, um die Pilger zu wecken. Das war schon sehr „stylish“. Gleich im Anschluß brach ich auf und verließ Astorga, wobei ich an einer modern aussehenden Kirche vorbeikam, an deren Wand ich ein Mosaik mit folgendem Spruch fand:

Peregrino: Que el cansancio del Camino nunca te impida pensar. ¿Es lo importante la meta? ¿No será acaso el encuentro con el monte, el río, con el rumbo que has perdido… con el mismo dios quizás?

(Pilger: Möge die Müdigkeit des Weges dich niemals vom Denken abhalten. Ist das Ziel wichtig? Wird es nicht eher die die Begegnung mit dem Berg sein, dem Fluß, mit der Richtung, die du verloren hast … vielleicht mit demselben Gott?)

Da der Spruch auch auf dem Foto, das ich gemacht hatte, nicht so gut zu lesen war, suchte ich für diesen Bericht noch einmal im Internet danach. Er findet sich auf verschiedenen Seiten, aber oft ein wenig abgewandelt – und das genau da, wo für mich der Schwerpunkt liegt: el mismo dios – derselbe Gott. Ich war ja so viele Jahre von diesem (christlichen) Gott meiner Kindheit entfernt, und hier fand ich ihn doch wieder auf der Pilgerstraße in Richtung Santiago – oder, besser ausgedrückt: ich fand ihn in mir und trug ihn bewußter mit mir auf dem Weg nach Santiago. Ja, ich hatte „Richtung verloren“, aber hier ging es immer auf schöner, gelb markierter Bahn gen Westen, da wird man auf eine Richtung eingestimmt, die man dann mit dem ganzen Körper geht, in die man quasi eintaucht. „Derselbe Gott“ – diese Worte, standen für meine späteren Empfindungen am Cruz de Ferro. (Und ich schreibe dies mit Gänsehaut auf den Armen.)

Hinter AstorgaDoch viel dachte ich jetzt darüber nicht nach, denn es war kalt an diesem Morgen, aber zum Glück hatte ich meine Handschuhe. Wie ich es gerne tat, sprach ich ein Memo während des Gehens auf, in dem ich anmerkte, daß nun endlich die Sonne über der Maragatería aufgegangen war und es nicht mehr so kühl sei. Es ging dann durch sehr offenes Brach- und Heideland, rechts vom Weg sah ich im Sonnenlicht die Häuser des Örtchens Castrillo de los Polvazares liegen. Da wäre ich gerne hingegangen, habe aber wohl irgendwo in Astorga den Abzweig verpaßt. Bei diesem Ort lag das Anwesen von Denises Mörder, was mich an diesem Morgen hier in dem einsamen Landstrich beschäftigte (s. diese Seite).

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Von „Wander-Penissen“ und dem „Chillen am See“

Das „Y-Kollektiv“ ist ein öffentlich-rechtliches Youtube-Angebot mit zum Teil recht spannenden Dokumentationen. Aktuell hat sich die Moderatorin Antonia Lilly Schanze mit dem Thema Nudismus, Naturismus und FKK befaßt, das knapp 18-minütige Video findet sich hier.

Vorgestellt werden: eine Nacktwanderung im Rahmen der Thüringer Nudistentage, eine selbsternannte FKK-Botschafterin, die Mitglied im tradittionsreichen FKK-Verein „Adolf Koch“ in Berlin ist, sowie Nackt-Yoga.

Zunächst muß ich die Moderatorin loben, die angezogen neben im Video verpixelten „Wander-Penissen“ läuft und mit ruhiger Stimme Gespräche führt oder erklärt. Wirklich nett ihr kurzer Abstecher zum Thema Lebensreform um 1900 mit der (sinngemäßen) Feststellung, daß in der Kaiserzeit „nackt am See chillen“ ein „revolutionärer Akt“ gewesen sei. Das kann man wohl so stehenlassen.

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Verlornes Jahr – Coronabetrachtungen

„Verlornes Jahr. Die große Zeit
In kleiner Münze hingestreut.
September unterm Spinnenhaar.
Bereift. Verweint. Verlornes Jahr.“

(Eva Strittmatter)

 

Tatsächlich fühlt sich das „Coronajahr 2020“ für mich wie ein verlorenes Jahr an. Verlust heißt für mich v.a. Verlust von Lebensqualität. Das fängt klein an bei Abstands- und Maskenregeln, geht aber schnell zum „großen Verlust“, nämlich dem des Reisens. Ich brauche das Reisen als Ausgleich zu meiner Arbeit – und Reisen ist nur bedingt „Ostsee“ oder „Lüneburger Heide“ oder „Zeeland“, es sind doch die wärmeren, südlicheren Gefilde, die mir die Erholung bringen (und wenn ich an meine Caminos denke oder Fuerteventura – soviel mehr als nur „Erholung“: Weite, Freiheit, Tiefe, religiöses Erleben…).

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Saalfeldener Klause

Die Saalfeldener Klause, eine Einsiedelei auf 1000m Höhe, hat wieder einen Einsiedler… Ich hatte vor einigen Jahren die Wahl des damaligen Einsiedlers, eines belgischen Mönches mitverfolgt und später auch eine gute Doku dazu im Fernsehen gesehen. Doch der Belgier hat nach drei „Sommern“ – im Winter ist die Klause wegen Lawinengefahr nicht bewohnt – erklärt, nicht zurückkehren zu wollen, weil er nun Priester werden möchte. Also wurde jemand anderes gesucht – und gefunden.

Was das mit Lebensreform zu tun hat? Für den neuen Einsiedler schon recht viel, meine ich. Der 63-Jährige ist zunächst einmal evangelisch, arbeitet nun aber in der Klause für die katholische Kirche. Wichtiger möglicherweise: er kommt nicht direkt aus dem „Kirchenbetrieb“, sondern ist berenteter Kaufmann. Allerdings hat er Erfahrung mit dem Halten von Gottesdiensten als evangelischer Lektor. Matthias Gschwandtner, so heißt der Neue, möchte die Ruhe nutzen: „Ich wollte schon länger eine Art klösterliches Leben führen, mit fixer Struktur, und Zeit dafür haben, das eine oder andere persönliche Thema zu bedenken und zu bearbeiten“. (a.a.O.)

Und das ist doch tatsächlich eine Reform des eigenen Lebens, wenn man beschließt, „klösterlich“, ich würde sagen: mönchisch zu leben. Ich kenne das nur von zweimal zehn Tagen Schweigeexerzitien im Kapuzinerkloster, aber auch dort konnte ich erfahren, wie attraktiv ein solches Leben sein kann. Auch mich zieht es zu weiteren Erfahrungen dieser Art.
Daher: Pace e bene, lieber Matthias!