7 vs. Wild und Lebensreform

Der YouTuber Fritz Meinecke berichtet auf seinem Kanal über einen breiten Themenbereich wie Bushcraft, Outdoor, Lost Places, Abenteuer  – ja, vielleicht ist „Abenteurer“ die beste Beschreibung für diesen sympathischen „Hans Dampf in allen Gassen“. Meinecke hat im Sommer sein bisher ambitioniertestes Projekt angekündigt, mit dem er den großen Streaming-Portalen den Kampf ansagt: 7 vs. Wild.

Die Idee: 7 Männer, Meinecke selbst und 6 Mitstreiter, die man z.T. aus dem Bushcraft-/Sport-Bereich auf YouTube schon kennt, werden für 7 Tage mit 7 Gegenständen „bewaffnet“ in der schwedischen Wildnis ausgesetzt und müssen dort „Challenges“ erledigen und „einfach“ die 7 Tage durchstehen. Für den Gewinner winken 10.000€ Preisgeld, die er jedoch nicht für sich verwenden darf, sondern an ein gemeinnütziges Projekt seiner Wahl spenden muß. Die Teilnehmer sind zwischen 22 und 37 Jahren alt.

Schon in der Vorberichterstattung, auch auf den Kanälen der Teilnehmer, wurde deutlich, daß die Auswahl der 7 Gegenstände eine Herausforderung darstellt. Letztlich geht es um die essentielle Frage: Was brauche ich, wenn ich überleben muß? Schutz, Feuer, Kochmöglichkeit – das sind die top Gegenstände, also Tarps, Schlafsäcke, Hängematten, Feuerzeuge und Feuerstahl, Töpfe, Becher. Und natürlich ein Werkzeug, wobei die meisten ein Messer wählten, einer ein Beil, auch Sägen, und Meinecke selbst auf ein Kukri setzte.

Die erste Folge wurde am Samstag, 6.11.21, ausgestrahlt. Insgesamt 16 Folgen kommen zur besten Sendezeit um 18 Uhr samstags und mittwochs im November und Dezember. Diese erste Folge hat heute, vier Tage später, gut 1,2 Millionen Aufrufe und über 140.000 „Likes“ – Meinecke hat ins Schwarze getroffen.
Anhand des  Trailers bzw. der Einleitung zu den Folgen kann man schon ein bißchen mutmaßen… Ich würde mal vermuten, der am ersten Tag Verletzte scheidet als Erster aus… Wir werden sehen – und ich bin unglaublich gespannt.

Und die Lebensreform, ist das nicht weit hergeholt? Nö. Ich mag Meinecke und mich freut es unglaublich, daß er so einen Erfolg mit dem Projekt hat – und daß ich kostenfrei zuschauen kann.

Lebensreform heißt nicht zwangsläufig Minimalismus, auch wenn für mich da eine stringente Verknüpfung vorliegt. Deshalb springe ich auf Meineckes Projekt an: Was würde ICH denn mitnehmen? Wie weit käme ICH? Wir leben heute in einer Welt des Überflusses. Ich schaue hier in meinen Nahbereich, 1m: Zwei Handys (privat und dienstlich), ein  Tablet, ein Notebook, ein Kindle Reader. Und jetzt mal Kopf freimachen und überlegen, was davon brauche ich für 7 vs. Wild? Nichts. Indem ich mich auf Meineckes Projekt gedanklich einlasse, reflektiere ich meinen Umgang mit den vielen Dingen, die mich umgeben. Wovon hängt mein Überleben ab? Auch: wovon hängt mein Glück ab? Die Beschränkung auf sieben Gegenstände fordert die Auseinandersetzung mit meinem Ich. Kann ich gut mit Kälte? Oder ist Nahrung kritischer? Meinecke hantiert galant mit seinem Kukri, aber warum nimmt keiner einen Wasserfilter mit? 6 Tage kann ich fasten, aber sauberes Wasser ist 100% wichtig.

Wenn einer der Teilnehmer am Ende dann herausfindet, daß ein gutes Leben mit ganz wenigen Gegenständen möglich ist, dann ist das ein Schritt hin zu seiner persönlichen Lebensreform. Es ist auch eine Form der „Selbstermächtigung des Individuums“ (Zitat aus meiner Infoseite Lebensreform, s. Quelle dort).  Aussortieren macht frei – auf der materiellen Ebene, aber dann auch im Kopf. Das ist der klassische Schritt von der Körperbezogenheit der Lebensreformer hin zu geistigen Veränderungen.
So kommt hinzu, daß sieben Tage in dieser Form eine Lebensphase sein können, in der man wächst. Und dieses Wachstum verankert sich in der eigenen Biographie und kann somit als Fundament für Weiterentwicklung dienen. Wir sprechen da über Selbstbewußtsein, nicht im überheblichen Sinne, sondern in einem „Leben-absichernden“. Mir gefällt hier der Teilnehmer Bommel sehr, nüchtern, konkret, sicher.
Natürlich ist auch die Ernährung ein Punkt, der mich in den kommenden 14 Folgen sehr interessieren wird: Es wird, so glaube ich, vegetarisch + Fisch; Jagd ist den Teilnehmern verboten.

Aber hat diese persönliche „Reform“ der Teilnehmer eine gesellschaftliche Auswirkung? Ja, ich glaube schon, denn der Erfolg (der Serie wie der Protagonisten) wird Menschen auf die wirklich wichtigen Fragen ihrer Existenz lenken. Das könnte – nach 16 Folgen – ein immenser Verdienst Meineckes sein. Wir sprechen gerade über einen sehr unsicheren Winter: Corona-Pandemie, mögliche Stromausfälle, Waren-Knappheit. Mit 7 Dingen 7 Tage überleben: wer das kann, darf beim Stromausfall erst einmal tief durchatmen und lächeln.

So, nun noch für die, die es interessiert, hier meine 7 Dinge, die ich mitgenommen hätte:

  1. Mora Garberg Carbon – mein Messer
  2. Life Straw Wasserfilter
  3. BlueStone Tarp 3x3m
  4. Schlafsack (evtl. meinen alten von Caribou)
  5. Micro Blazer Gas-Sturmfeuerzeug
  6. Stanley Edelstahl-Topf 700ml mit Deckel
  7. Angel-Set

Überlegung zur Nahrung: Im Grunde Beeren und Pilze (nach Vorbereitung zu diesem Thema). Fische würden hier einen massiven Unterschied machen, also doch Angel-Set einpacken? Ja, aber deutlich wird: Fischen und Pilze essen braucht Vorbereitung, sonst steht man da wie ein Teilnehmer in der 2. Folge: „Was ist das für ein Pilz? Keine Ahnung…“ Ich glaube, daß genau dieses Thema – Nahrungsbeschaffung – ganz zentral in den weiteren Folgen der Serie sein wird. Denn für alles andere (Schutz, Feuer, Wasser) ist im Grunde gesorgt.

Ein Gedanke zu „7 vs. Wild und Lebensreform“

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