Meßfeier im Stream – wenn etwas fehlt

Als ich 2015 auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs war, gehörte ich nicht mehr zur katholischen Kirche, weil ich Jahre zuvor ausgetreten war. Für mich bedeutete das, es war mir nicht erlaubt, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen bzw. an der Kommunion mit Empfang der Hostie. Das war meine Überzeugung, die sich mit Aussagen der katholischen Kirche in Deutschland deckt. Eine Freundin, mit der ich das öfter besprach, sah das ganz anders: sie meinte, ich sei doch getauft und wenn ich mich als Christ empfand (auf meinem Weg zurück seit 2013), dann könne ich auch zur Kommunion gehen.

Ich tat es nicht, auch nicht als ich nach ca. 800 km in Santiago de Compostela angekommen war. Das hat mich bewegt, ja, es ist mir auch schwergefallen, gerade hier am Ende einer großen Reise nicht daran teilnehmen zu können. Es fühlte sich nicht richtig an – und das Gefühl wertete auch das Ankommen nach so vielen Wochen ein wenig ab. „Meßfeier im Stream – wenn etwas fehlt“ weiterlesen

RIP Willigis Jäger

Ich habe Willigis Jäger nie persönlich kennengelernt. Gestern ertappte ich mich bei dem Gedanken, wie schön es gewesen wäre, ihn tatsächlich gekannt zu haben. Vor Jahren habe ich intensiver auf den Benediktushof geschaut, das Programm studiert und überlegt, dort mal einen Kurs zu belegen. Dazu ist es nie gekommen.

Am Anfang meiner neuen Beschäftigung mit dem Christentum stand vor allem Jäger. Im dritten Teil meiner Texte zum Stichwort Mystik ging es v.a. um ihn. Doch 2018 folgte ein Beitrag, in dem ich klar sagte: heute bin ich weiter weg von Jäger als noch vor Jahren. Für mich hat Willigis Jäger aber doch eine große Aufgabe erfüllt: seine Texte, Ausdruck einer Verbindung katholischen Glaubens und Zen-Haltung, haben als Magnet gewirkt, als für mich die Zeit gekommen war, mich neu auszurichten. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein. „RIP Willigis Jäger“ weiterlesen

Maria Magdalena (Film 2018)

Wer war Maria Magdalena? Würde ich mich auf das beziehen, was mir in meiner katholischen Erziehung so vermittelt wurde, dann wäre sie auch heute noch für mich die typische Sünderin, die Prostituierte. Diese Sichtweise hat eine lange Tradition, sie geht auf das Ende des 6. Jahrhunderts und Papst Gregor den Großen zurück. Nie ist mir damals aufgefallen, daß Maria Magdalena (fortan MM) der erste Mensch war, der lt. dreien der vier kanonischen Evangelien den auferstandenen Jesus gesehen hat. Sie ist, wie der Untertitel des Buches von C. Bourgeault lautet, „the woman at the heart of Christianity“.
Die Kirche tat sich schwer mit dieser Frau (bzw. tut dies mit Frauen allgemein); immerhin wurde MM 2016 als „Apostelin der Apostel“, einer Bezeichnung, die Hippolytus schon im 4. Jahrhundert geprägt hatte, bekräftigt und liturgisch den Aposteln gleichgestellt, wie es bei der Wikipedia heißt. Die Mühlen mahlen langsam. „Maria Magdalena (Film 2018)“ weiterlesen

Zeit für Schweigen

Kapuzinerkloster IrdningBereits in der Karwoche 2018 war ich im Kapuzinerkloster in Irdning (bei Stainach, Ennstal, Steiermark) für zehntägige Schweigeexerzitien und Anleitung in der Kontemplation nach Franz Jalics. Ich hatte hier und hier darüber berichtet. Schon für 2019 war eine Wiederholung geplant, als meine Mutter plötzlich an Krebs erkrankte und dann auch innerhalb kürzester Zeit verstarb. Ich mußte die Exerzitien absagen.

Aber nun geht es wieder los und ein wenig jovial (oder mit Galgenhumor?) kann ich fragen: Wo geht man am besten hin, wenn eine Virus-Epidemie droht? Ins Kloster! 🙂

Diesmal ist es eine „normale“ Zeit innerhalb der Fastenzeit, also ohne Palmsonntag und die Liturgie der Karwoche. Möglicherweise wird es dadurch noch ruhiger und intensiver – ich bin gespannt.

Vom Wetter her soll es eher klar, aber frostig werden, bis -7°C in der Nacht. Ich freue mich auf die kleinen Spaziergänge vom Kloster in den Wald, auf den Ausblick zum verschneiten Grimming, dem Stainacher Hausberg. Ich werde hier dann Ende März berichten, wie es diesmal gewesen ist.

El Burgo Ranero bis Puente Villarente (CF27)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Gerädert bin ich mit den ersten Pilgern aufgestanden, habe direkt alle meine Sachen nach draußen auf die Veranda geschafft und dort gepackt. Alles habe ich ausgeschüttelt, überprüft, aber das hilft letztlich nicht. Sinnigerweise gab es in dieser – und nur in dieser – Herberge ein Schild ausschließlich auf spanisch, auf dem die Bitte geäußert wurde, daß man sich vertrauensvoll an den Hospitalero wenden solle, wenn man Hautrötungen oder Stiche sieht… „El Burgo Ranero bis Puente Villarente (CF27)“ weiterlesen

Sahagún bis El Burgo Ranero (CF26)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Zwar war ich erst nach 5 Uhr auf den Beinen, aber dafür sah ich auch gegen 7 Uhr noch den „Blutmond“, den die Presse bereits seit Tagen angekündigt hatte. Er stand schon tief im Westen und geleitete mich aus Sahagún heraus.
Ich hatte schlecht geschlafen, sogar ein wenig gefröstelt in dieser recht kühlen Nacht, die in den letzten Tagen des Septembers nun den Herbst ankündigte. Im Ort sah ich nur eine Bar, die jetzt schon aufhatte. Da es dort gerade sehr voll war, ging ich einfach weiter.  „Sahagún bis El Burgo Ranero (CF26)“ weiterlesen

Calzadilla de la Cueza bis Sahagún (CF25)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Auf meinen ersten Schritten raus aus dem Ort, unter einem vollen Mond, der viel Licht gab, sprach ich ein genervtes Memo auf – endlich war dieser Samstagnacht-Alptraum vorbei. Der Mond stand noch nicht so tief, hatte aber schon eine sehr rötliche Färbung; am morgigen Montag sollte der „Blutmond“ zu sehen sein, ein großer, orangefarbener Mond so ca. um 5 Uhr. Ungefähr 10 Katzen saßen in einem Müllcontainer und schauten mich neugierig an, als ich vorbeiging.
Wie genervt und unausgeschlafen ich war, kann ich noch aus dem Audio-Memo heraushören. Ich vertauschte ständig die Namen von Orten, versprach mich immer wieder und schloß mit einem gepflegten „Ach, leck mich!“ Calzadilla, diese letzte Nacht, war der Beginn meines „Camino-Blues“, eines Stimmungstiefs, das jeden mal treffen kann. „Calzadilla de la Cueza bis Sahagún (CF25)“ weiterlesen

Ausstellung: Lebe besser!

Sie ist nun gestartet, die Ausstellung „Lebe besser! Auf der Suche nach dem idealen Leben“ im Bernischen Historischen Museum. Gezeigt wird sie vom 13. Februar bis zum 5. Juli 2020. Die Publikation zur Ausstellung kann man sich unter o.g. Link online anschauen (32-seitiges Dokument).

Es gibt ein Rahmenprogramm für Erwachsene mit Führungen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen, über das man sich hier informieren kann. Ebenso gibt es Angebote für Schulen.

Nachtrag:
ACHTUNG: Wegen Corona-Krise ist das Museum ab 17.3.2020 bis auf weiteres geschlossen!

Villalcázar de Sirga bis Calzadilla de la Cueza (CF24)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Meine Knie fühlten sich am heutigen Morgen gut an, also wieder frisch und ohne Frühstück los in Richtung Carrión de los Condes. Der Weg im Zwielicht des anbrechenden Tages war einfach zu gehen: immer gerade entlang der Straße auf einem Kiesweg. Beim Gehen sprach ich das Audio-Memo für den vorherigen Tag auf und man hört darin meine knirschenden Schritte in der Stille um mich herum. „Villalcázar de Sirga bis Calzadilla de la Cueza (CF24)“ weiterlesen