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Die Luft zum Atmen

„Cold war kids were hard to kill under their desks in an air raid drill“ (Billy Joel, Leningrad)

Ich bin ein Kind des Kalten Krieges, geboren im Jahr des „Summer of Love“, der bald vom Deutschen Herbst abgelöst wurde. Meine Eltern sind Kriegskinder, speziell meine Mutter hat die Evakuierung aus dem Ruhrgebiet aus einem völlig zerbombten Haus erlebt. Im Blick auf meine Großeltern half mir das Buch „Kriegsenkel“, sie und mich besser zu verstehen. Mit Blick auf meine Eltern, nun ja, das ist eine ongoing story. Immer wieder versuche ich, gerade die Ängstlichkeit in ihrem Leben zu verstehen. Eine Kindheit im Krieg, ein wackeliger Frieden mit geteiltem Deutschland, der neu aufkommende Kalte Krieg.

Dennoch bin ich als Kind und Jugendlicher in den 70ern und 80ern normal aufgewachsen, ohne Existenzängste, weil die nukleare Bedrohung zunächst zu groß zum Fassen, dann zu schwer zum Tragen war. Sie wurde ausgeblendet. „The Day After“ zeigte mit eindrucksvollen Bildern, daß das Thema doch nicht weg, sondern nur verdrängt war.

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Die totale Errettung

Als Ergänzung zu meinem gestrigen Beitrag verweise ich auf diesen Text von Martin Heuser auf der Achse des Guten. Zitat:

„Denn die systematische Überforderung in der maßgeblich durch Hybris beeinflussten Setzung der eigens gesteckten und unmittelbar mit aller Staatsmacht verfolgten Staatsziele, von der Bankenrettung über die Flüchtlingsrettung bis hin zur Klima- und Weltrettung, und nunmehr der totalen Errettung vor Infizierung mit einem grippeähnlichen Virus, führt notwendig zur Aufhebung allen bürgerlichen Rechts. Und damit zur totalen Entmündigung des einzelnen Bürgers.“

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Ist eine andere Politik wählbar?

Das Wort „Diktatur“ schwirrt derzeit mehr als sonst im Netz herum, insbesondere wird es von Kritikern der Corona-Maßnahmen der Regierung benutzt, um vor dem Hineinschlittern in einen totalitären Staat zu warnen.
Ist der Begriff berechtigt?

Der Philosoph Karl Popper hat zwei Staatsformen unterschieden: eine, die man durch Wahlen ändern kann, ein zweite, bei der das nicht möglich ist. Der Begriff sei egal, also wie man die beiden nennt, aber die Zweite nenne man gewöhnlich Diktatur oder Tyrannei.

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November am Rhein (I. Wiesmath-Binge)

Nächte, die voll Nebel sind;
Tage, da der Regen rinnt;
Kinder, die am Fenster sitzen;
Autos, die durch Pfützen spritzen…
Sturm fegt über leere Felder,
Blätter wirbeln durch die Wälder.
Sonne wärmt den Schieferstein,
Doch gelesen ist der Wein,
Und es trocknen schon die Reben.
Überall entflieht das Leben.
Strom und Wolken ziehn vorüber…
Hol über, – Fährmann -,
Hol über!

Ingeborg Wiesmath-Binge
Heimatjahrbuch Neuwied 1972

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Digitale Lebensreform?

Wer nach der Überschrift einen Artikel zum „digitalen Minimalismus“ erwartet, den muß ich leider enttäuschen. Das ist nicht die Stoßrichtung. Mir geht es heute darum, nicht minimalistisch im Netz unterwegs zu sein, sondern selbstbestimmt. Selbstbestimmung heißt für mich: ich reguliere, mit wem ich welche Daten teile.

Die Stellen, die an meinen Daten interessiert sind, sammeln mehr oder weniger offensichtlich. Mich nervt es, wenn ich nach Gummistiefeln suche und dann über Wochen hinweg auf allen Partnerseiten Googles – Gummistiefel in der Werbung sehe. Genauso nervt es, wenn ich gerade ein Restaurant verlasse und es in der Jackentasche kurz vibriert: Google möchte wissen, wie ich Restaurant XY denn bewerte, jetzt da ich es gerade verlassen habe…

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Corona: Erste Hilfe ohne Beatmung? Fahrlässig!

Am 1.10. sendete die Doku-Reihe „Planet Wissen“ eine Folge zum Thema Erste Hilfe. Da wurde nun allen Ernstes gesagt, in „Corona-Zeiten“ werde empfohlen, nicht zu beatmen – die Herzdruckmassage sei ausreichend.

Grundsätzlich war die Entwicklung im Bereich der Ersten Hilfe die, daß man die Beatmung gegenüber der Herzdruckmassage weit „zurückgefahren“ hat. Man geht davon aus, daß noch soviel Sauerstoff im Blut ist, daß es vor allem darauf ankomme, diesen mittels Druckmassage durch den Körper zu pumpen. Daher bislang die Regel: 30mal drücken, zweimal beatmen.

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Ohne Bikini geht die Nina nie … in die Niederrhein-Therme

Seit gestern sind Meldungen in den diversen Medien, daß die Niederrhein-Therme in Duisburg das Tragen zu knapper Badebekleidung verboten habe. Das betrifft Bikinis (Brazilian Bikinis) bzw. auch String-Tangas. Burkinis sind explizit erlaubt.

Einer meiner Lieblingsblogger, der Herr Danisch, hat so schnell, wie er immer ist, bereits sehr gut gekontert. Die Sprecherin der Therme habe gesagt, String-Tangas gehörten nicht in einen Wellness- und Gesundheitsbereich. Richtig, meint Danisch, da geht man nackt hin. (Nebenbei kann man im Beitrag erfahren, daß Danisch selbst FKK-Erfahrungen mit Koversada hat. Ich habe die Insel hier und hier kurz beschrieben.)

Zwischenzeitlich soll der Träger der Niederrhein-Therme die entsprechenden Hinweisschilder für die Badegäste wieder entfernt haben, da außerhalb des FKK-Bereichs der Schambereich bedeckt sein müsse, was auch bei knappen Bikinis der Fall ist. Auch hier stellt Danisch in seinem o.g. Artikel fest, daß mit dieser Aussage im Grunde „Oben ohne“ erlaubt ist.

Wir sind in einer grotesken Situation: Aus der Bundesrepublik Deutschland ist die Bunte Republik geworden. Man will alles sein, alle Farben tolerieren, solange kein Braun darunter ist. Nicht nur Refugees sind „welcome“, jede Sonderform wird nicht nur toleriert, sondern von den entsprechenden Institutionen, die daran ein Interesse haben, gefördert. Wir haben nun drei Geschlechter, Facebook kennt nach dieser Liste gleich 60. Wir schreien als Gesellschaft das „Sei anders!“ nur so heraus.
Doch es kann nicht übersehen werden, daß unter den in den letzten Jahrzehnten hinzugekommenen Bürgern solche sind, die konservativen religiösen Vorstellungen anhängen und definitiv nur zwei Geschlechter kennen. Und davon muß eines sich bedecken und jegliche körperliche Reize für Außenstehende ausblenden.

Dieser Konflikt ist lange nicht gelöst. Er kann auch nicht gelöst werden, glaube ich, weil die Differenz zwischen den „Bunten“ und den „Konservativen“ so groß ist. Bei der Jungen Freiheit kann man lesen, daß im Stadtteil Hamborn, in dem im übrigen meine Mutter geboren wurde, der Migrantenanteil bei deutlich über 50% liegt.

Manchmal frage ich mich, wofür die historischen Lebensreformer gekämpft haben… Seinerzeit war es mit Risiken verbunden, sich in der Öffentlichkeit nackt zu zeigen. Daher entstanden die FKK-Gelände im Wald oder an Seen, wo man unter sich sein konnte.
Heute muß man fragen: Gehen wir da wieder hin?

Ich glaube, es gibt zwei Lösungen, eine kleine und eine große. Die kleine Lösung wäre der vermehrte Zulauf zu FKK-Vereinen mit eigenem Gelände. Damit hat man de facto eine kleine Nebengesellschaft mit eigenen Regeln. Das hatten wir schon einmal, das wäre ein Rückschritt.

Die große Lösung ist die, daß die Interessengruppen, die Burkini-Thermen möchten, sich solche bauen für „ihre Leute“. Es kann mir keiner sagen, daß die ständig medial präsenten Clans nicht genügend Knete für die eine oder andere Therme hätten. Da kann man(n) dann mit Neoprenanzügen schwimmen, die Dame mit Burkini – alles gut.

Was das aber heißt, ist klar: So wächst in Deutschland das nicht zusammen, was von den Vertretern der „bunten Republik“ so herbeigeschrien wird. Damit wird auch klar, daß das keine „zwei Lösungen“ sind, sondern „workarounds“. Eine einvernehmliche Lösung kann es insbesondere mit Vertretern eines konservativen Islams nie geben. Daher war der „Kampf“ der historischen Lebensreformer auch nur in ihre Zeit eingebunden; manchmal meine ich, es sei ein leichterer gewesen, als der, der noch bevorstehen kann.

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Away mit A wie Abraham (Netflix)

Introductions first: „Away“ ist eine Netflix-Eigenproduktion aus dem Jahre 2020. Aktuell ist eine Staffel mit 10 Folgen verfügbar. Darin geht es auf der grundlegenden Ebene um die erste bemannte Mars-Mission, zu der sich Raumfahrtbehörden verschiedener Länder zusammengeschlossen haben. Aber „away“ sind nicht nur die Astronauten, sondern umgekehrt auch die Daheimgebliebenen, die eine große Rolle im Plot spielen.

Die Staffel ist ein Sammelsurium des Zeitgeists, Netflix war da sehr „woke“. Commander Emma ist eine weiße Frau mit eher maskulinen Zügen, 2. Commander ist Ram, ein dunkelhäutiger Inder. Der Biologe Kwesi ist schwarzer Jude, Misha, der Russe, ist „alter weißer Mann“, insbesondere zu Anfang mit Vorurteilen gegen die chinesische Astronautin Lu, die verheiratet ist und einen Sohn hat, jedoch in eine andere Chinesin von Mission Control verliebt ist. Diese fünf Archetypen werden auf der Erde um die Zurückgebliebenen ergänzt: als da wären zwei Rollstuhlfahrer, ein Mädchen mit Down-Syndrom, eine hispanische Ex-Astronautin (Emmas erotischere Gegenspielerin), eine Frau als Leiterin der gesamten Mission – und noch jemand, auf den ich gleich komme…

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Nutri-Score

Quelle: Wikipedia / Public Domain

Heute morgen las ich, daß sich die Ernährungsministerin Klöckner für den Nutri-Score einsetze. Dieser werde nun im November 20 in Deutschland eingeführt, allerdings ist die Nutzung seitens der Hersteller der Produkte freiwillig. Das sei, so Klöckner, auch nicht im nationalen Alleingang zu schaffen, sondern eine Verpflichtung müsse durch die EU beschlossen werden.

Der Nutri-Score gibt die Nährwertqualität eines Produktes mit einer Buchstaben- und Farbkombination an: von A (grün = gut) bis E (rot = schlecht). Das System kommt aus Frankreich, wo es bereits 2017 eingeführt wurde. Mehr Infos dazu in der Wikipedia oder auch beim dreisprachigen (Englisch / Französisch / Spanisch) NutriScore.blog.

Grob gesagt, verschiebt sich die Bewertung Richtung A bei Vorhandensein von Proteinen, Ballaststoffen, Anteilen von Obst, Gemüse und Nüssen am Produkt. In Richtung E geht es bei viel Zucker, gesättigten Fettsäuren, viel Natrium und einem generell hohen Energiegehalt.
Was fehlt und dringend mit dazu sollte: eine Bewertung des Anteils von Farbstoffen und Konservierungsmitteln!

Aus lebensreformerischer Sicht ist die Einführung des Logos zu begrüßen, weil es Käufern nun einfacher ersichtlich ist, wie „wertvoll“ das gerade in den Wagen gelegte Produkt für die eigene Ernährung ist. Wenn dann Überlegungen in Gang kommen wie „zweimal A ist schon drin, jetzt geht auch die Chipstüte mit D“, dann ist der Zweck des Logos erfüllt.

Aus vegetarischer oder veganer Sicht fehlt dem Logo natürlich die Differenzierung bzgl. tierischer und nicht-tierischer Produkte. Hier könnte man sich z.B. vorstellen, das o.a. Logo mit unterschiedlichen Farbhintergründen zu hinterlegen, z.B. einen für vegetarische Produkte, einen anderen für rein vegane – und das Standardsymbol behielte den weißen Hintergrund. Das würde es für Käufer aus diesen Ernährungsbereichen noch einmal einfacher machen.

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Zeeland

Coca-Cola-FlaggeEin bißchen wehte sie wie eine Piratenflagge im Wind: zerzaust, an einem morschen Mast, aber vital rot und laut im Wind knatternd: die Coca-Cola-Flagge. Als Kind der 80er, Nichtraucher, Pepsi-Verachter war es nicht der Marlboro-Mann, den ich mit Freiheit assoziierte, sondern am ehesten Coca Cola. Als ich mit 17 in den USA war, gab es dort so eine Vintage-Edition, also die alte Cola aus den 60ern. Dinge, an die man sich Ü50 noch erinnert.
Ja, ich weiß, alles imperialistischer Scheiß, aber seine Prägung hat man ja trotzdem… 😉
Diese Cola-Flagge ist mir aufgefallen und als Symbol im Gedächtnis geblieben für ein paar schöne Tage in Zeeland, der westlichsten Provinz der Niederlande. Ein paar schöne Tage auf der Flucht vor dem ins Corona-Zwangskorsett gepackten Alltag. In den Niederlanden benötigt man aktuell keine Maske, aber überall wird auf 1,5m „afstand“ hingewiesen. Für mich macht das Sinn.