Besitz (E. Strittmatter)

Hier und da habe ich über das Thema Minimalismus geschrieben, das für mich auch ein klares Lebensreform-Element ist. Mit wenigen, zentralen, mir wichtigen Dingen leben… Mir fiel es z.B. schwer, mich von einer Menge von Büchern zu trennen, die in diesem Beitrag („Schlafzimmer“) zwar nicht zu sehen sind, aber eine Wand von über 3m Breite füllten. Es gibt sie nicht mehr – außer den wenigen, die aufgehoben werden mußten.

Beim Blättern in der Gesamtausgabe der Gedichte von Eva Strittmatter fand ich nun dieses schöne Gedicht. Strittmatter wurde auch begraben an dem Ort, den sie hier beschreibt.

Meine Birke, mein Bach, meine Wiese.
Was mir nicht gehört, ist mir näher als das,
Was ich wirklich besitze. 
Ich liebe mein Haus nicht so sehr wie das Gras
An den Rändern der sandigen Heidewege,
Die unsere Kiefernwälder durchziehn. 
Und wie die Wolken von Weidenrosen,
Die violett auf den Kahlschlägen blühn.
Die karge Schönheit des Sandes gehört mir
Und gehörte mir schon von Anfang an. 
In dieser Welt bin ich aufgewachsen,
Hier war es, wo ich zu sehen begann.
Ein Haus könnte ich wohl überall haben,
Und Länder gibt es, die liebe ich sehr.
Aber würde ich mich woanders eingraben,
Ich schlüge doch keine Wurzeln mehr.
Meine Birke, mein Bach, meine einsamen Wege.
Hier lebe ich mit der Freiheit, zu gehn,
Und bleibe: Ich hab mich noch immer
An der Schönheit des Sandes nicht satt gesehen. 

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