Deutscher Corona-Herbst

Seit Tagen versuche ich, noch einmal Worte zum Thema Corona zu finden. Leider habe ich keine so eine griffige Formulierung gefunden wie David Berger: „Zum ersten Mal in der Geschichte wird die Unwirksamkeit eines Medikamentes denen angelastet, die es nicht eingenommen haben.“

Und doch lag ich mit meiner Vorhersage in diesem Artikel richtig: Im Winter 21/22 wird man ohne Impfung nicht mehr in ein Restaurant gehen können. Ja, das haben wir jetzt schon.

Aber wie vergiftet das Klima nun ist, wie unethisch die „hilflosen Helfer“ agieren, sieht man auch an der Aussage unseres Lieblingstierarztes: „Wir dürfen denen, die sich nicht impfen lassen, wirklich nicht die Chance geben, die Impfung zu umgehen, zum Beispiel, indem sie sich freitesten lassen.“ (Quelle)

Die Impfung soll niemand mehr „umgehen“ können, also Zwangsimpfung – heute Corona, morgen?

Wir haben Impfdurchbrüche noch und „nöcher“, das wird alles kleingeredet, während man gleichzeitig die Ungeimpften in einem schon mehr als unanständigen Dauerfeuer als die Bösen darstellt. Mir fehlen da wirklich die (öffentlichkeitstauglichen) Worte… Auch die hat schon ein anderer 2018 im Bundestag gefunden, Martin Schulz: „Die Reduzierung komplexer politischer Sachverhalte auf ein einziges Thema, in der Regel bezogen auf eine Minderheit im eigenen Land, ist ein tradiertes Mittel des Faschismus.“
Ja, OK, er hat das anders gemeint, aber es paßt doch wie die „Faust aufs Auge“. Aus anarchistischer Sicht ist das, was wir gerade erleben, das größte Staatsversagen seit dem 2. Weltkrieg und ein Beweis dafür, daß „weniger Staat“ mehr Freiheit bedeutet.

Aber kurz zurück zu den letzten Monaten: Ja, die Impferei kam schnell ins Stocken – der Sommer war da, die Leute wollten in den Urlaub, Corona kommt vielleicht im Herbst „nicht wieder“ – alles gut. Berufliche Aspekte sowie der Wunsch, im Oktober eine Reise ins Ausland zu machen, haben auch bei mir dazu geführt, daß ich nach langem Kampf mit mir die Impfung akzeptiert habe (mehr zu den Gründen). Dabei wurde – ich denke: bewußt – ignoriert, daß „3G“, ja selbst 2G keinen wirklichen Schutz vor Infektionen und Weitergabe der Infektion bieten. Ich war in Bezug auf Covid-19 anderthalb Jahre eher „schmerzfrei“ (unbesorgt, nicht überängstlich), aber als ich letzte Woche die Szenen aus Köln zum Karnevalsauftakt sah, traute ich meinen Augen nicht. Ohne Tests werden tausende Menschen nur mit Impf- oder Genesungsnachweis zusammengebracht – ohne Abstand, ohne Masken. Und eher nebenbei wird bekannt: das Dreigestirn tritt nicht auf, weil der Prinz – bei zweifacher Impfung – positiv getestet wurde… Ein bekannter YouTuber würde jetzt fragen: „Was darf Satire?“
Hätte ich eine eher bösartige Natur, würde ich mir für „Kölle“ einen Infektions-Super-GAU nach diesem 11.11. wünschen. So hoffe ich, daß nicht viel passiert ist (außer den über 160 Strafanzeigen, die die Polizei von den wohlsituierten Geimpften aufgenommen hat).

Hier zeigen sich die Auswirkungen der bewußt (?) irreführenden Versprechen der Regierung à la „ein Pieks und die Freiheit ist da“. Ist doch klar, daß die Tagesschau-verblendeten Massen dann meinen, jetzt geht wieder alles… (Und rein menschlich kann man es ihnen nicht verübeln.)

Dieser Tag in Köln machte das ganze Corona-Geschehen völlig surreal. Ich habe ja selbst schon im Bekanntenkreis in den letzten zwei Monaten Feiern erlebt, bei denen man sich zwar brav gegenseitig versicherte, man sei geimpft, aber Abstand oder Masken gab es „natürlich“ nicht.
Genau DAS treibt jetzt die Inzidenzen hoch, nicht die Ungeimpften. Es ist ein Virus, daß Geimpfte wie Ungeimpfte befällt und von beiden Gruppen weitergegeben werden kann. Es ist schon mehr als unanständig, wenn man bei Inzidenzwerten von 300+ immer noch beim Bild vom „guten Geimpften“ und bösen Ungeimpften bleibt.

Lösung? Im Grunde gibt es den massiven Zwiespalt zwischen Eigenverantwortung und Schutzpflicht des Staates. Zu Letzterer kann im November 2021 gesagt werden, daß sie nicht adäquat umgesetzt wird, weil die Protagonisten planlos sind. Wenn ich darüber Nachdenke, dann kommt tatsächlich auch ein Gefühl von Verbitterung hoch. Wieso lasse ich mich impfen, wieso spiele ich mit, wenn zwei, drei Monate später der Impfnachweis nur noch mit zusätzlichem Test akzeptiert werden soll? Blenden, täuschen, verschleiern – Realpolitik im „besten Deutschland, das wir je hatten“.

Andererseits setzt Eigenverantwortung Eigeninitiative, kritisches Denken und einen gewissen Mut voraus. Das sehe ich in dieser Gesellschaft nicht (mehr) – oder bei den immer schön verschwiegenen Gruppen, die sich partout nicht impfen lassen.

Für mich ist klar: Impfen muß immer freiwillig bleiben. Ungeimpfte müssen im Rahmen von Schutzmaßnahmen (Maske, Abstand, Handhygiene…) an allem teilnehmen können. Das muß eine Gesellschaft aushalten. Leider haben wir keine Gesellschaft mehr, die „zusammenhält“. Persönlich halte ich 3G für eine richtige Lösung. Das Restrisiko bleibt und heißt „Leben eben“. Dabei sollte 3G auf Veranstaltungen in Innenräumen beschränkt bleiben – keinesfalls sollte man für Zugreisen oder Weihnachtsmärkte einen Test benötigen. Bei Events wie Weihnachtsmärkten halte ich eine Personenbeschränkung, aber ohne Abfrage von Nachweisen, für sinnvoll.
Anzustreben wäre eine Balance zwischen „Risiko durch Freiheit“ und „Risikoreduktion durch Unfreiheit“. Kaum ein Politiker hat diese Balance im Blick.

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