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Digitale Lebensreform?

Wer nach der Überschrift einen Artikel zum „digitalen Minimalismus“ erwartet, den muß ich leider enttäuschen. Das ist nicht die Stoßrichtung. Mir geht es heute darum, nicht minimalistisch im Netz unterwegs zu sein, sondern selbstbestimmt. Selbstbestimmung heißt für mich: ich reguliere, mit wem ich welche Daten teile.

Die Stellen, die an meinen Daten interessiert sind, sammeln mehr oder weniger offensichtlich. Mich nervt es, wenn ich nach Gummistiefeln suche und dann über Wochen hinweg auf allen Partnerseiten Googles – Gummistiefel in der Werbung sehe. Genauso nervt es, wenn ich gerade ein Restaurant verlasse und es in der Jackentasche kurz vibriert: Google möchte wissen, wie ich Restaurant XY denn bewerte, jetzt da ich es gerade verlassen habe…

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Wer nur „googelt“ – und das machen gut 95% der Internetnutzer -, der sollte sich dabei aus seinem Google-Account ausloggen oder gleich auf andere Suchmaschinen setzen, als da wären z.B. DuckDuckGo oder auch Startpage. Gerade Startpage wirbt mit dem Slogan, man sei die diskreteste Suchmaschine der Welt, wobei man auf die Stiftung Warentest verweist.
Stichwort hierbei ist die „personalisierte Werbung“: aus den Sucheingaben bastelt sich Google eine Kunstperson, auf die die angezeigte Werbung zugeschnitten wird.

Ebenso ist es sinnvoll, den „Privatsphärecheck“ von Google anzuschauen. Manch einer wird überrascht sein, wenn er sieht, daß Google aufzeichnet, wie oft er an welchem Tag auf WhatsApp zugegriffen hat. Man kann dort auch den Standortverlauf „pausieren“ sowie die Rückverfolgung bei der Nutzung von Youtube.

Dann zum nächsten Thema: es kann sinnvoll sein, Googles Browser „Chrome“ z.B. durch Mozillas Firefox zu ersetzen. Dann gibt es für Firefox auch eine Erweiterung von DuckDuckGo zum Thema Datenschutz, die Privacy Essentials. Daneben sei noch einmal darauf hingewiesen, daß man in den Browser-Einstellungen angeben kann, daß Cookies, Cache, Chronik beim Beenden (hier: von Firefox) gelöscht werden sollen. Mit Strg-Umschalt-P kann man (auch wieder: Firefox) jederzeit ein Fenster für „privates Browsen“ öffnen, aber Firefox warnt: „Firefox leert die eingegebenen Suchbegriffe und besuchten Webseiten beim Beenden der Anwendung oder wenn alle privaten Tabs und Fenster geschlossen wurden. Das macht Sie gegenüber Website-Betreibern und Internetanbietern nicht anonym, aber erleichtert es Ihnen, dass andere Nutzer des Computers Ihre Aktivitäten nicht einsehen können.“

Wer es dann noch anonymer haben möchte, müßte sich mit dem Thema VPN befassen: Virtual Private Networking. Hier ist insbesondere die Firma NORD VPN bekannt, die m.W. in Panama ansässig ist. In Kürze: Man kauft sich einen Account bei der Firma und kann sich dann in einen der weltweit bereitgestellten Server einloggen. Man wirbt damit, 5400 Server in 59 Ländern anzubieten. Logge ich mich z.B. in einen belgischen Server ein, erhalte ich eine entsprechende belgische IP-Adresse und mein Surfverhalten ist nicht mehr zurückverfolgbar. Hierbei sollte man auch beachten, daß der Anbieter die „no logs policy“ verfolgt und die Verbindungen nicht protokolliert. Wer das in 2020 gut macht, ist hier nachlesbar.

Das kann man gut testen, indem man z.B. über Apples iTunes einen Film oder ein Lied kauft: prompt kommt die Mail von Apple, daß gerade mit meinem Account in Belgien eingekauft worden sei… Ob ich das denn war…

Beim Einkaufen ist es natürlich ein wenig anders als bei Suchbegriffen und Bewegungsprofilen: wenn ich immer wieder bei Amazon kaufe, wissen die sehr genau, wer ich bin und für was ich mich interessiere. Das läßt sich im Grunde nur umgehen, wenn ich wieder ganz normal in einen Laden gehe und dort etwas kaufe, das ich ohne Angabe meiner Identität gleich mitnehmen kann. Alternativ kann man versuchen, die Einkäufe zu streuen, also bei verschiedenen Online-Shops einzukaufen. Dabei helfen Preissuchmaschinen wie z.B. Idealo. Sie sagen mir, wo das gewünschte Produkt gerade preisgünstig zu bekommen ist. Ich kann dann auf der Anbieterseite kaufen und beispielsweise die Funktion „Als Gast bestellen“ nutzen, d.h. ich lege keinen Account beim Händler an.

All diese Schritte könnten in Zukunft noch deutlich wichtiger werden, als sie es jetzt bereits sind.

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