Indianer bei Ravensburger

Bekanntlich hat der Ravensburger Verlag neue Indianer-Bücher in der Erzähltradition von Karl May aus dem Verkauf gezogen, nachdem „Personen“ sich über Rassismus und kulturelle Aneignung beschwert hatten. Die ARD zog nach: die klassischen Winnetou-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker werde man nicht mehr ausstrahlen.

Mein Indianerbild hat sinnigerweise genau dieser Ravensburger Verlag mit dem nebenstehenden Buch von 1977 geprägt. Geschrieben wurde es – und bereits 1961 bei Ravensburger erstveröffentlicht – von Oliver La Farge, der – daran sollte man Ravensburger mal erinnern – zeitlebens für die Rechte der amerikanischen Ureinwohner, die er studierte, über die er schrieb, eintrat. Der Band wurde in die Bestliste (sic!) des Deutschen Jugendbuchpreises aufgenommen. Da war die Welt noch in Ordnung.

Ich liebte Karl May, habe unzählige Romane von ihm gelesen, die noch immer als gebundene Ausgaben (Tosa-Verlag, Wien) in meinem Elternhaus stehen. Genauso liebte ich die Winnetou-Verfilmungen. Bereits als Jugendlicher war mir intuitiv klar, daß Karl May ein „halbwahres“, durch seine Vorstellungen von den „edlen Wilden“ geprägtes Bild der Indianer (oder auch der orientalischen Kultur) zeichnet. Das nannte man einmal „künstlerische Freiheit“. Also mußte ich mehr wissen, schaute Dokumentationen und las Bücher. Das o.a. Buch habe ich mit kleingeschriebenen Anmerkungen auf vielen Seiten versehen (s. links), d.h. ich habe an meinem Indianerbild gearbeitet. Das war für mich ein völlig normaler Vorgang. Ich mußte aktiv werden. Die heutige Generation soll das nicht mehr machen müssen, man zensiert das Ungewünschte einfach weg. Eine moderne Bücherverbrennung… Das wird ein fatales Ende nehmen.

Von allen Kinderbüchern, die ich besaß, habe ich nur zwei aufgehoben. Sie stehen heute noch im Bücherregal. Das ist „Die Welt der Indianer“ und Rudolf Heineckes „Jonny und sein Silberfuchs“.

Am Ende des Beitrags denke ich an Fahrenheit 451 und Idiocracy.
Es wird wieder Dissidenten brauchen, um der Verfolgungswelle die Stirn bieten zu können.

Ein Gedanke zu „Indianer bei Ravensburger“

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