Internationaler Tag der Nacktheit

Zum heutigen „Internationalen Tag der Nacktheit“ ein Verweis auf eine Umfrage von YouGov dazu, ob und wo sich Deutsche nackt wohlfühlen. Man kann das gern selbst nachlesen; die Zahlen zeigen m.E. den schon lange beobachtbaren Rückgang des Themas FKK in der Öffentlichkeit.

Andererseits ist FKK (als Bewegung) „sehr deutsch“, findet Hans Bergemann, Mitarbeiter der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft im Interview mit Jungle.world. Er verweist darauf, daß es einen Spannungsbogen gibt zwischen der medial sehr präsenten Nacktheit und deren Rückgang im privaten Bereich. Für Bergemann ist dieser Rückgang ein Verlust von Freiheit: FKK stand einmal für Freiheit, doch die Bedeutung des Entblößens im Sinne des Gewinns an Freiheit habe sich verloren. Im Sinne der Freikörperkultur sei die Nacktheit ideologisch überhöht worden, wobei das Thema „Sex“ weggefallen sei.

In einem kurzen Beitrag berichtet die WELT davon, daß das „schwedische Baden“ (= Nacktbaden) nicht auf die DDR zurückgehe, sondern, wie sicher viele wissen, auf die Kaiserzeit. Claudia Rusch berichtet über ihre eigenen Erlebnisse.

Beim TAG24 hat man diese Erklärung dafür, daß FKK bei jungen Leuten nicht mehr in ist: „Sich komplett textilfrei zu zeigen, macht schutzlos. Dabei will man doch vor allem in der heutigen Zeit den perfekten Anschein wahren.“ (Ein Zitat des „Geschlechterforschers“ Matthias Stiehler)
Da ist auch aus meiner Sicht etwas dran. Aber es ist nur ein Aspekt. Ein anderer ist die Verfügbarkeit guter Foto-Handys, mit denen alle privaten Anlässe festgehalten und über soziale Medien geteilt werden. Natürlich gab es auch früher Fotografie, aber heute kann man „unbemerkt knipsen“ und das Ergebnis geht innerhalb von Minuten einmal um die Welt…
Möglicherweise ist da noch eine Sache: Bei den Jugendlichen, die ich kenne, erlebe ich eine starke Verhaftung am Zeitgeist, einen deutlichen Trend zur Uniformität in Kleidung und Lebensäußerungen. Subkulturen scheinen abzunehmen, während die „Einheitskleidung“ der jungen Menschen überall zu sehen ist. Ein Freund sagte neulich: „Schau dir mal das Mädel da an, höchstens 14, sieht aber in den Klamotten wie 18 aus.“
Mir stellt sich gerade auch beim Blick auf meine Söhne immer wieder die Frage, wo sich diese jungen Menschen verorten, was ihre Lebensträume sind. Oft geht das in Richtung „guter Job“, Geldverdienen, Urlaube, Dolce Vita. Wenn ich das bei mir „sacken lasse“, da entsteht die Frage nach Selbstbestimmung, Freiheit, Transzendenz.

Kleiner Tip noch zum Ende: Lesenswert ist das Buch „A Brief History of Nakedness“ von Philip Carr-Gomm, Leiter des Ordens der Barden, Ovaten und Druiden.

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