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Meßfeier im Stream – wenn etwas fehlt

Als ich 2015 auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs war, gehörte ich nicht mehr zur katholischen Kirche, weil ich Jahre zuvor ausgetreten war. Für mich bedeutete das, es war mir nicht erlaubt, an einer Eucharistiefeier teilzunehmen bzw. an der Kommunion mit Empfang der Hostie. Das war meine Überzeugung, die sich mit Aussagen der katholischen Kirche in Deutschland deckt. Eine Freundin, mit der ich das öfter besprach, sah das ganz anders: sie meinte, ich sei doch getauft und wenn ich mich als Christ empfand (auf meinem Weg zurück seit 2013), dann könne ich auch zur Kommunion gehen.

Ich tat es nicht, auch nicht als ich nach ca. 800 km in Santiago de Compostela angekommen war. Das hat mich bewegt, ja, es ist mir auch schwergefallen, gerade hier am Ende einer großen Reise nicht daran teilnehmen zu können. Es fühlte sich nicht richtig an – und das Gefühl wertete auch das Ankommen nach so vielen Wochen ein wenig ab.

Erstmalig nahm ich dann – vor Wiedereintritt in die katholische Kirche 2019 – im Jahr 2018 in Österreich an Eucharistiefeiern teil. Ich wurde explizit dazu eingeladen mit dem Hinweis, ich hätte den Austritt gegenüber dem deutschen Staat erklärt. Und da die katholische Kirche in keiner Weise auf den Austritt reagiert hatte (also mich nicht aktiv exkommuniziert hatte), könne ich durchaus im Land  Österreich die Kommunion empfangen. Für mich war das eine kaum in Worte faßbare Erfahrung, nach so vielen Jahren, nach dem Verzicht in Santiago nun wieder mit anderen gemeinsam eine Messe feiern zu können und beim zentralen Part nicht verschämt sitzenbleiben zu müssen.

Worauf will ich hinaus? Auf diese aus meiner Sicht unbefriedigenden  „Gottesdienstfeiern“, die jetzt ständig von kleineren und größeren Gemeinden auf Facebook oder Youtube „gestreamt“ werden. Da steht dann ein Priester ganz allein oder mit ein, zwei Handlangern und zelebriert eine Messe. Das ist schön und gut, aber was soll das Anschauen im Internet? Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es sich anfühlt, am Kern der Feier, an der zentralen Handlung nicht teilnehmen zu können.
Überspitzt gefragt: Bin ich in die Kirche eingetreten, um jetzt eine Gottesdienst-Show per Stream mitverfolgen zu können?

Damit berühre ich die zentrale Frage, ob sich die Kirchen jetzt in dieser Krise richtig verhalten. Anders gefragt: könnten sie sich anders verhalten? Die staatliche Anweisung zur Minimierung von Kontakten gilt auch für Religionsgemeinschaften. Leider geht das soweit, daß ein Priester, der für ca. 40 Gläubige zum Rosenkranzgebet die Kirche öffnete, jetzt mit rechtlichen Folgen zu rechnen haben wird. Diese 40 sind Rebellen, aber ich sehe sie nicht als Gefährder an. Da verweise ich auf die Einschätzung des Autors im Papsttreuen Blog, Zitat: „Der Nanny-Staat führt – wie es einige libertäre Autoren nennen – zur „Verhausschweinung des Menschen“. Das Ergebnis ist in München im englischen Garten zu besichtigen. Und bei den bevorstehenden Maßnahmen geht es dann eben nicht mal in erster Linie darum, diese Menschen vor sich selbst zu schützen, sondern den Rest der Gesellschaft durch solche Gefährdungen zu schützen (auch mit Blick darauf, dass in einem Nanny-Staat die Konsequenz einer Infizierung solcher „Unbesorgten“ auch von der Gesamtgesellschaft getragen werden).“

Und noch etwas: jeder italienische Priester, der sich die Monstranz schnappt und damit segnend durch den Ort geht, hat von mir mehr Hochachtung zu erwarten als einer, der alleine in der Kirche für sich einen Gottesdienst streamt. Meine Meinung… (und ja, es zählt hier das Bild. Ich weiß, daß es schwer ist, so etwas statt im 50-Seelen-Dorf in einer Kleinstadt umzusetzen)

Anregung: Wer morgens per Stream den Gottesdienst mitverfolgt, sollte z.B. am Mittag vor der Kirche und mit genügend Abstand zu anderen Personen noch die Kommunion empfangen können. Also z.B. die Info: Pfarrer steht zwischen 13 und 13:30 Uhr vor der Kirche und spendet die Kommunion. Das wäre eine Lösung, die zur Abrundung des Angebotes beitragen würde.

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