Fuerteventura (1)

2016 waren meine Frau und ich mit unserem jüngeren Sohn für eine Woche in den Herbstferien auf Fuerteventura, einer der beiden östlichsten, sandigsten kanarischen Inseln. Da ich damals das Blog nicht so intensiv betrieb, habe ich keinen Reisebericht erstellt – oder zumindest ein paar Impressionen geteilt. Das will ich nun nachholen und auch gleich darauf hinweisen, daß es bald auch einen vielleicht etwas ausführlicheren Bericht über Teneriffa (2018) geben wird.
(So ganz stimmt das nicht: ich habe kurz zum Thema FKK und Fuerteventura etwas geschrieben.)

Also zu Fuerteventura: Wir sind am Anreisetag mit Iberia Express von Frankfurt via Madrid auf die Kanareninsel geflogen. Nachdem das Auto von der Mietstation abgeholt war, fuhren wir zunächst zum Check-In ins Hotel. Das war so eine typische, große All-In-Anlage, aber durchaus mit einem gewissen Charme. Wir hatten ein kleines Zwei-Raum-Appartement nah am Pool – paßte.

Am Nachmittag ging es zu Fuß durch Corralejo zum Strand und an diesem entlang Richtung Süden. Wir schauten den Surfern zu, kehrten dann über das Ödland südlich von Corralejo zum Hotel am Ortsrand zurück.

Am 2. Tag waren wir zunächst an der nördlichen Westküste beim Leuchtturm (Faro) de Tostón. Wir wanderten eine Runde, die uns vom Parkplatz im Ödland zum Leuchtturm brachte und näher am Meer wieder zum Auto zurück.

Von dort ging es zum etwas südlicher liegenden Fischerort El Cotillo. Dort haben wir in einem kleinen Restaurant (El Mirador) zu Mittag ein paar Tapas gegessen. Das war auch unser „Problem“ mit dem Hotel: wir brauchen definitiv kein „All inclusive“, denn wir essen gerne unabhängig und insbesondere auch die örtlichen Speisen. Früstück würde völlig ausreichen…
Nach dem Essen badeten wir in der recht hohen Brandung am Südstrand von El Cotillo. Schwimmen war bei dem Wellengang nicht möglich.

Zum Tagesabschluß waren wir noch kurz im „Ecomuseo“ von Tefía, das ein Freilichtmuseum ist, in dem die traditionellen Lebens- und Arbeitsweisen in Fuerteventura dargestellt werden. Wir sind da eher schnell durchgerauscht, da die Dame am Einlaß kurz vor dem Feierabend war.

Der nächste Tag brachte wieder eine Autofahrt an die Westküste. Zunächst hielten wir am Mirador (Aussichtspunkt) Morro Velosa, von dem man einen traumhaften Ausblick vor allem über die Nordspitze der Insel hat. Im Anschluß besichtigten wir die alte Hauptstadt, Betancuria, wo wir zu Mittag wieder in eine Tapas-Bar einkehrten (Bodegón Don Carmelo). Zum Abschluß besichtigten wir weiter im Süden die Cuevas (Höhlen) de Ajuy. Vom Ort aus wandert man gleich an der Steilküste entlang zu den kleinen und größeren Höhlen.

 

Wie der Camel Toe die Männer das Fürchten lehren soll

Es ist Sommerloch-Zeit und das Feuilleton der NZZ befaßt sich mit der „Vagina dentata“, die jetzt Realität geworden sei, wie es heißt. Und ich dachte schon, Vulvenmalen auf dem Kirchentag sei quasi das Ende der Fahnenstange.

Nun ja, es ist harmloser als gedacht, denn die Zähne sind eher Zehen: Kamelzehen oder auch „camel toe“ genannt. Gemeint ist etwas, das bislang eher peinlich war, nun aber als „aggressiv, karnevalesk, (…) Statement, ein Affront“ aufgefaßt wird (werden soll) – eben die kleine Stoffalte, die sich im weiblichen Schritt zeigt, wenn der Stoff z.B. des Bikini-Höschens zwischen die äußeren Schamlippen rutscht. Und das soll wie eine Kamelzehe aussehen, siehe Bild im verlinkten Artikel. Aha.

Die Autorin der NZZ wird der Lobeshymnen nicht müde: Ja, es sei ein Paradigmenwechsel, nichts weniger! Frauen dürften jetzt den „BH-losen Busen“ und auch den „Schnitt im Schritt“  zeigen. Und das besonders am #cameltoetuesday. Wow.
Wer nun meint, der Paradigmenwechsel werde von den Frauen nur so en passant mitgenommen, der irrt. Es gibt bereits Unterhosen mit „eingenähten Schamlippenkissen“, die das Aussehen der Kamelzehe verstärken. Oje. (Ist das jetzt so etwas wie Reformkleidung?) „Wie der Camel Toe die Männer das Fürchten lehren soll“ weiterlesen

Jugendstil (Ausstellung)

Das Landesmuseum Wiesbaden präsentiert ab sofort die Dauerausstellung „Jugendstil“ auf der Basis einer Schenkung von F.W. Neess anläßlich seines 90. Geburtstages (FAZ / FAZ) . In fünf Räumen werden unterschiedlichste Exponate wie Möbel, Gemälde, Lampen der auf ca. 41 Millionen Euro geschätzten Ausstellung gezeigt.
Soweit aus dem Artikel ersichtlich, sind auch Karl Wilhelm Diefenbach und Fidus mit Bildern vertreten.

Hier findet sich ein Interview mit F.W. Neess.
Der Katalog kostet 29,90€.

Gottesbeweis

„Gott läßt sich nicht beweisen, so wenig wie er sich widerlegen läßt. Man muß an ihn glauben, und das bedeutet: man muß ihn erleben. Wo er nicht erlebt wird, verfängt kein Beweis, und wo er erlebt worden ist, bedarf es keines Beweises. Wo Beweise verlangt werden, ist gezweifelt worden; wo das Gotteserlebnis ausreift, schweigt jeder Zweifel.“

Walter Schubart, in: Zimmermann, Werner: Ich bin. Meisterschaft über Leib und Schicksal; (Drei Eichen) 1984

Wo geht es hin?

Ja, nach der Wiederherstellung des Blogs fragt sich vielleicht mancher, was kommt denn noch so in diesem Jahr? 

Zunächst einmal plane ich kurze Rezensionen zu in den letzten Jahren erschienenen Büchern wie “1913” von Illies und “Das Sonnenfest”, ebenso Langs Hesse-Roman, aber auch Wedemeyer-Kolwes Lebensreform-Einführung “Aufbruch”. 

Inhaltlich will ich an den Nachrichten und gesellschaftlichen Entwicklungen dranbleiben und diese an die historische Lebensreform rückkoppeln. Nur soviel: Ich schreibe gerade über Kamelzehen. 

Urlaube wie der an der Ostsee in Zingst oder auch der in Istrien – sechs Jahre ist das nun schon her! – sind hier reflektiert worden, weil sie außergewöhnlich waren. In Kroatien habe ich meine Liebe zu Wärme, Sonne, Süden wiedergefunden. Anderes habe ich hier komplett ausgelassen, z.B. zwei schöne Wochen in Norwegen, ein paar Tage im Herbst auf Usedom, aber auch meine Jakobswege in Spanien: 800km im Jahr 2015 und weitere 200 in 2017. „Wo geht es hin?“ weiterlesen

1900 – P. Michalzik – Kurzrezension

Fangen wir zunächst damit an, daß Titel und Untertitel ein wenig irritieren: man geht davon aus, eine Beschreibung der aufkommenden Lebensreformbewegung um die vorletzte Jahrhundertwende vor sich zu haben, de facto ist das Buch aber auf die Kolonie auf dem Monte Verità am Lago Maggiore fokussiert. Dennoch ist der Titel nicht ganz abwegig, da viele Details rund um den Hauptstrang der Erzählung die Lebensreform allgemein beschreiben.

Auf den ersten ca. 30 Seiten fand ich es schwer, in einen Lesefluß zu kommen, da der Autor kollagenartig verschiedenste Personen und Orte verknüpft und ständig zwischen ihnen wechselt. Da springt man mit Gerhart Hauptmann von dessen Begegnung mit dem Wanderprediger Johannes Guttheil zu Nietzsches bevorzugter Schinkensorte… Doch Michalzik schafft es, die Stränge wieder zu bündeln, Beispiel von Seite 24: „Tolstoi, Nietzsche, Hauptmann, Guttzeit, sie alle berühren eine Idee (…), die größer ist als sie.“  „1900 – P. Michalzik – Kurzrezension“ weiterlesen

Das Regenbad (A. Just)

Das Regenbad. Das Nackendgehen bei Regen, was man Regenbad nennt, ist von vorzüglicher, wohlthuender Wirkung. Man muß es ebenfalls selbst erfahren haben, wie herrlich wohlthuend es ist, wenn man unter freiem Gotteshimmel entblößt steht und sich ein voller Regenguß (z.B. ein Gewitterregen) auf den Körper ergießt, um die Wohlthat, die man dabei empfängt, beurteilen zu können.
Die Natur läßt sich nichts nehmen, mögen auch die in letzten Jahrzehnten eingeführten Kneippschen kalten Güsse bedeutend besser sein als die früheren Voll- und Halbbäder und sonstige besonders warme Wasseranwendungen, so bleiben sie doch dem Regenbad gegenüber in ihrer Bedeutung und Wirkung sehr zurück.
Auch das naturgemäße Bad ist bedeutend milder und weniger aufregend und deshalb weit heilsamer als die Güsse.
Man versuche es.“

Adolf Just, Kehrt zur Natur zurück, 1903

Besser leben! (Ausstellung)

Im ersten Halbjahr 2020 wird es spannend: in Bern findet im Historischen Museum die AusstellungBesser leben! Lebensreform bis heute“ statt, genauer vom 13.2.-4.7.20 nach derzeitiger Planung.

Inhaltlich werden die Forschungsergebnisse des Projektes der Uni Freiburg (Schweiz) „Die Lebensreformbewegung im 20. Jahrhundert“ (von 2014-2018) präsentiert.
Kuration: Dr. Andreas Schwab, Eva Locher, Stefan Rindlisbacher
Wiss. Leitung: Prof. Damir Skenderovic

Erotisches Grundrauschen

Tag24 feiert die scheinbare Wiederauferstehung der Freikörperkultur – jetzt allerdings gepaart mit Schaumpartys, Erotik und gutem Sex. Der Artikel wirft aus allen Richtungen ein paar Fakten in den großen Topf – FKK in der DDR, Cap d’Agde, Bodyshaming. Und aus einer Umfrage heraus, wonach viele Mitglieder des „JOYClub“ – nomen est omen – bereits beim FKK am Strand Sex hatten, nun einen ganz neuen FKK-Trend mit erotischem Grundrauschen zu konstruieren, halte ich für dubios.

Aber keine Lektüre ohne irgendetwas Neues, Interessantes: Das Nacktbaden nannte man wohl in der Anfangszeit „schwedisch baden“, weil man den Schweden einen natürlichen Umgang mit dem nackten Körper zusprach.

Sittenpolizei im Süden?

In der vergangenen, überall in Deutschland heißen Woche gab es Berichte aus Bayern, daß sich dort Sicherheitsdienste an Badestellen als „Sittenpolizei“ aufspielen und auch Frauen, die sich „nur“ oben-ohne sonnten, z.T. recht barsch, wie es heißt, aufforderten, sich etwas anzuziehen. Das ist wohl an der Isar in München passiert und auch am Feringasee.

Wichtig ist: der Münchner Stadtrat hat nun die Badeordnung so angepaßt, daß lediglich die primären Geschlechtsorgane bedeckt sein müssen. Oben-ohne ist also definitiv auch außerhalb der deklarierten FKK-Zonen erlaubt.

Interessant ist, warum der von der Stadt München beauftragte Sicherheitsdienst, der eigentlich nur die Einhaltung der Landschaftsschutzverordnung prüfen sollte, sich plötzlich als Sittenwächter aufspielte. Lag es möglicherweise (Spekulation!) am religiösen Hintergrund der Mitarbeiter? Egal wie, man muß sich vor Augen halten, daß das organisierte Nacktbaden vor genau 100 Jahren am Motzener See südlich von Berlin startete. Einschnitte, Rückschritte müssen – wie jetzt geschehen – im Netz publiziert werden, damit erkämpfte Rechte bestehenbleiben.

Nachtrag: Guter Hintergrundartikel zum Umgang mit den Nackten in München seit den 70ern.