Das Regenbad (A. Just)

Das Regenbad. Das Nackendgehen bei Regen, was man Regenbad nennt, ist von vorzüglicher, wohlthuender Wirkung. Man muß es ebenfalls selbst erfahren haben, wie herrlich wohlthuend es ist, wenn man unter freiem Gotteshimmel entblößt steht und sich ein voller Regenguß (z.B. ein Gewitterregen) auf den Körper ergießt, um die Wohlthat, die man dabei empfängt, beurteilen zu können.
Die Natur läßt sich nichts nehmen, mögen auch die in letzten Jahrzehnten eingeführten Kneippschen kalten Güsse bedeutend besser sein als die früheren Voll- und Halbbäder und sonstige besonders warme Wasseranwendungen, so bleiben sie doch dem Regenbad gegenüber in ihrer Bedeutung und Wirkung sehr zurück.
Auch das naturgemäße Bad ist bedeutend milder und weniger aufregend und deshalb weit heilsamer als die Güsse.
Man versuche es.“

Adolf Just, Kehrt zur Natur zurück, 1903

Besser leben! (Ausstellung)

Im ersten Halbjahr 2020 wird es spannend: in Bern findet im Historischen Museum die AusstellungBesser leben! Lebensreform bis heute“ statt, genauer vom 13.2.-4.7.20 nach derzeitiger Planung.

Inhaltlich werden die Forschungsergebnisse des Projektes der Uni Freiburg (Schweiz) „Die Lebensreformbewegung im 20. Jahrhundert“ (von 2014-2018) präsentiert.
Kuration: Dr. Andreas Schwab, Eva Locher, Stefan Rindlisbacher
Wiss. Leitung: Prof. Damir Skenderovic

Erotisches Grundrauschen

Tag24 feiert die scheinbare Wiederauferstehung der Freikörperkultur – jetzt allerdings gepaart mit Schaumpartys, Erotik und gutem Sex. Der Artikel wirft aus allen Richtungen ein paar Fakten in den großen Topf – FKK in der DDR, Cap d’Agde, Bodyshaming. Und aus einer Umfrage heraus, wonach viele Mitglieder des „JOYClub“ – nomen est omen – bereits beim FKK am Strand Sex hatten, nun einen ganz neuen FKK-Trend mit erotischem Grundrauschen zu konstruieren, halte ich für dubios.

Aber keine Lektüre ohne irgendetwas Neues, Interessantes: Das Nacktbaden nannte man wohl in der Anfangszeit „schwedisch baden“, weil man den Schweden einen natürlichen Umgang mit dem nackten Körper zusprach.

Sittenpolizei im Süden?

In der vergangenen, überall in Deutschland heißen Woche gab es Berichte aus Bayern, daß sich dort Sicherheitsdienste an Badestellen als „Sittenpolizei“ aufspielen und auch Frauen, die sich „nur“ oben-ohne sonnten, z.T. recht barsch, wie es heißt, aufforderten, sich etwas anzuziehen. Das ist wohl an der Isar in München passiert und auch am Feringasee.

Wichtig ist: der Münchner Stadtrat hat nun die Badeordnung so angepaßt, daß lediglich die primären Geschlechtsorgane bedeckt sein müssen. Oben-ohne ist also definitiv auch außerhalb der deklarierten FKK-Zonen erlaubt.

Interessant ist, warum der von der Stadt München beauftragte Sicherheitsdienst, der eigentlich nur die Einhaltung der Landschaftsschutzverordnung prüfen sollte, sich plötzlich als Sittenwächter aufspielte. Lag es möglicherweise (Spekulation!) am religiösen Hintergrund der Mitarbeiter? Egal wie, man muß sich vor Augen halten, daß das organisierte Nacktbaden vor genau 100 Jahren am Motzener See südlich von Berlin startete. Einschnitte, Rückschritte müssen – wie jetzt geschehen – im Netz publiziert werden, damit erkämpfte Rechte bestehenbleiben.

Nachtrag: Guter Hintergrundartikel zum Umgang mit den Nackten in München seit den 70ern.

Achtung, frisch gestrichen!

Ja, es riecht noch ein wenig nach frischer Farbe… 😉
Mein Blog war im verlängerten Winterschlaf. Nun habe ich mich aufgerafft und am heutigen Sonntag bei gut 38°C hier im (relativ) kühlen Büro sitzend eine komplette Neuinstallation gewagt. Das ging mit Hilfe der Seiten von United Domains, meinem Hoster, sowie diversen Support-Seiten im Netz relativ einfach und mit erfreulich wenigen Problemen. Zwei Bilder von 300 wurden wegen Umlauten nicht importiert, das kann schnell behoben werden. Beim Import der XML-Datei wurde etwas mit „dav“-Kürzel nicht importiert, da muß ich noch suchen. Natürlich gehe ich auch nochmal an die Datenschutzerklärung, die aber im Grunde nicht so wichtig ist, weil ich keine Partnerprogramme u.ä. nutze – auch nicht so beliebte Plugins wie Akismet und Jetpack.

Von daher, lieber Leser, lassen wir die Farbe trocknen. Bald geht es hier mit einigen Beiträgen weiter.

Während in vergangenen Jahren klassische Lebensreform-Themen im Vordergrund standen, hat es doch eine Verschiebung meiner Schwerpunkte gegeben. Ich habe seit Anfang 2013 zum Katholizismus zurückgefunden und bin im April 2019 wieder in die katholische Kirche eingetreten. Somit werden hier in Zukunft Beiträge mit christlichem Hintergrund und einer tendenziell anarchistischen Sichtweise (Stichwort: Leo Tolstoi) zu finden sein. Aber natürlich nicht nur – die Auswahl war schon immer breitgefächert.

Inseln des Mittelmeeres (TV)

Ich möchte kurz auf fünf 45-minütige Sendungen hinweisen, die in der 3SAT-Mediathek noch für vier Tage verfügbar sind. Es sind Inselportraits über die Mittelmeerinseln Korsika, Kreta, Mallorca, Zypern und Sardinien. Hier gehts zur Mediathek.

Minimalismus – kleine Ansätze :-)

Ja, der Minimalismus ist in aller Munde – und ich glaube, das wäre ein hervorragendes Thema bereits für die historische Lebensreform gewesen. Einfachheit, Schlichtheit, aufgeräumte Wohnumgebung und aufgeräumter Geist, das paßt alles zur Selbstreform, die um 1900 „in“ war.

Ich habe das hier bereits zweimal kurz angerissen:

Anders leben

Gedanken zu: Amon Barth – Einfach loslassen

Aber nun kam der „Wind“ in unserem Haus aus ganz anderer Richtung: meine Frau hat den Minimalismus für sich entdeckt… und die Kinder (zumindest den Jüngsten) angesteckt. Hier ein paar Impressionen:

Das sieht nicht nach minimal aus, aber es sind doch die Bücher, die ich behalte – alles zum Thema Spiritualität, Religion, Lebensreform. Ich werde evtl. noch ein paar gegen die Kindle-Versionen austauschen.

Im Schlafzimmer sieht es schon aufgeräumt aus, im Vordergrund meine Kontemplationsutensilien. Rechts – nicht im Bild – noch weitere Bücher, die aber verkauft werden.
Hier standen Unmengen Kochbücher – jetzt wirkt es übersichtlicher. Die Kochbücher wurden z.T. entsorgt, z.T. in den obigen Regalbereich einsortiert.
dav
Sohnemann hatte hier auf der Fensterbank alles mögliche rumliegen – jetzt ist alles weg bis auf den Pilgerausweis von 2017 und die Compostela. Und da wird dann – hoffentlich – ein neuer Ausweis im Jahr 2019 hinzukommen. 🙂
Auch die Fensterbank im Büro ist schon leer – zumindest meine Seite. Hier liegt nur noch das angebrochene Druckerpapier. Jetzt kann man endlich wieder „stoßlüften“.
Im Büro hatte sich eine Vielzahl von Büchern und Broschüren angesammelt. Dieses ganze (kleine) Glasregal war voll + ein Boden in einem anderen Regal. Aufgeräumt, beherzt ins Altpapier gegeben – das ist der Rest, den wir brauchen.

Nachtrag Juni 2019: Ich habe beschlossen, soweit es geht auf Kindle-Ebooks umzusteigen.

Auf Freiheit zugeschnitten – Reformmode in Krefeld

Die Ausstellung „Auf Freiheit zugeschnitten – Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft“ wird vom 11.10.18 bis 24.2.19 im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld gezeigt.
Im Rückbezug auf eine Ausstellung im Jahr 1900 von Friedrich Deneken, die bereits Reformmode zeigte, wird das Museum für die aktuelle Ausstellung so umgestaltet, wie es vor 118 Jahren aussah.
Im Artikel der Rheinischen Post wird darauf hingewiesen: „Das ist keine Moden-Schau, sondern stellt das Kleid als kulturelles Phänomen in einer Umbruchzeit aus.“

Missratene Söhne (C. Kosuch)

Im Vandenhoeck&Ruprecht-Verlag ist das Buch „Missratene Söhne. Anarchismus und Sprachkritik im Fin de Siècle“ von Carolin Kosuch erschienen. In der Dissertation der Autorin von 2014 werden drei Männer beschrieben: Fritz Mauthner, Erich Mühsam und Gustav Landauer. Bei Sehepunkte gibt es eine aktuelle Rezension zum Buch.