Grañon bis Villambistia (CF18)

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Manchem mag es übertrieben vorkommen, was ich über die Donativo-Herberge in Grañon schrieb, aber mich trieb es morgens ganz früh fort. Schnell ein Brot, eine Tasse Kaffee, Spende in die Kasse, Stirnlampe an und los. Ich merkte, daß es nun in der zweiten Septemberhälfte doch morgens wesentlich länger dunkel war. Die ersten Bilder von den wenigen Lichtern hinter mir in Grañon vor dunklem Feld machte ich gegen 7:30 Uhr – da war es noch ziemlich dunkel um mich herum. Über dem Ort lag eine geschlossene, dunkelgraue Wolkenschicht. In den Straßen von Grañon standen vor mehreren Häusern Wasserflaschen, die offenbar für die Pilger und zum Mitnehmen gedacht waren. Ob das eine (schöne) Sonntagstradition ist oder jeden Tag so gemacht wird, weiß ich nicht. „Grañon bis Villambistia (CF18)“ weiterlesen

Azofra bis Grañon (CF17)

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Bill Bennett (2013) faßt das kurz zusammen, was man verschiedentlich (und immer ein wenig abgewandelt) über die Wegabschnitte des Caminos lesen kann:
„The first stage from St. Jean is representative of Life; full of highs and lows, joy and despair, strong emotions. The second stage is the Meseta, which is Death. Vast, limitless, serene and transcendent. The third stage, into Santiago, is Rebirth. After your life, after your death, as you reach Santiago, you are reborn into a new You.“

Ähnlich auch die im Buch von Detlef Lienau (2009) erwähnte Studie von Barbara Haab. Diese fand anhand der Aussagen von Langstreckenpilgern heraus, daß in einem ersten Abschnitt von den Pyrenäen bis ungefähr San Juan de Ortega „starke emotionale Schwankungen“ auftreten, während der Pilger versuche, in die Pilgerrolle zu kommen. „Azofra bis Grañon (CF17)“ weiterlesen

Navarrete bis Azofra (CF16)

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Zuerst dachte ich mir nichts groß dabei, als Helga zwischen Logroño (Stadt) und dem Parque Granjera an einer Wurzel mit dem Fuß abgerutscht und umgeknickt war. Sie bat mich abends um etwas Voltaren-Gel. Heute eröffnete sie mir dann, daß der Fuß mehr schmerze, als sie das erwartet habe. Es standen knapp 23 Kilometer an, die Helga aber doch irgendwie meisterte, das heißt wir gingen nicht wesentlich langsamer, weil sie das nicht näher thematisierte. „Navarrete bis Azofra (CF16)“ weiterlesen

Viana bis Navarrete (CF15)

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Vor meinem Aufbruch zum Jakobsweg wußte ich von drei, sagen wir, „Urgesteinen“, Menschen, die auf dem Jakobsweg leben und in den Erinnerungen der Pilger weiterleben. Heute sollte ich zwei von den Dreien treffen – was mich dann offenbar so „verwirrte“, daß ich beim Aufsprechen des Audio-Memos sagte: „Ja, wir sind jetzt in… äh, ja, also, in… boah, die kleinen Örtchen haben alle so schwierige Namen und man kommt durch so viele pro Tag… Ok, wir sind in… Navarrete.“ „Viana bis Navarrete (CF15)“ weiterlesen

Los Arcos bis Viana (CF14)

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Sonnenaufgang hinter Los ArcosHeute sollten es nur 18,5 Kilometer werden, die weiteren 10 bis Logroño hatten wir zur Vorsicht vertagt, aber es lief alles perfekt, die Hüfte tat nicht mehr weh. Allerdings nahm ich auch noch weiter (vorsorglich) Ibuprofen wegen der entzündungshemmenden Wirkung.
Los ging es mit einem fantastischen Sonnenaufgang: man hat diesen ja auf dem Camino Francés immer im Rücken, so daß man innehalten und sich umdrehen muß. Die lange gerade Strecke bis Sansol auf planem Kiesweg war einfach gut zu laufen. Großartige Naturstimmung, mächtige Wolkenberge, etwas Wind, alles vom strahlenden Gelb der Sonne erhellt. „Los Arcos bis Viana (CF14)“ weiterlesen

Estella bis Los Arcos (CF13)

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Ich glaube, so gerädert wie an diesem Morgen war ich nie wieder auf dem gesamten Jakobsweg. Nach 33 Kilometern vorgestern und 25 Kilometern gestern war heute ein Ausnahmetag im Rahmen meines gesamten Pilgerweges.

Zunächst ging es aber noch locker los: kurzes Frühstück in der Herberge so mit Jugendherbergs-Flair. Da Helga und ich weder an der Abendmesse noch dem gemeinschaftlichen Abendessen teilgenommen hatten, empfand ich es so, als wären die Hospitaleros etwas unfreundlicher uns gegenüber gewesen als noch bei der Ankunft gestern. „Echte Christen“ eben… Dafür habe ich ihnen deutlich sichtbar einen Zehner ins Kästchen gelegt. „Estella bis Los Arcos (CF13)“ weiterlesen

Heute! Vortrag: Klatschmohn und Hakenkreuz (Wiesbaden)

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Stadt-Jugend-Stil“ im Wiesbadener Stadtmuseum hält Dr. Susanne Claußen einen Vortrag zu den Verbindungen von Lebensreform (in ihrer völkischen Ausprägung) und dem Nationalsozialismus. Es werden konkrete Personen (aus dem Wiesbadener Raum) hervorgehoben, die als Lebensreformer eine „zweite Karriere“ bei den Nazis machten.

Vortrag im Stadtmuseum am Markt, 21.1.20, 19 Uhr, Eintritt frei

Obanos bis Estella (CF12)

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Einer der schönsten Momente des Tages ist der, wenn man morgens den Rucksack auf den Rücken schwingt, im Wissen darum, alle seine Habe nun auf dem Rücken zu tragen; sich wie jeden Tag nach Westen wendet und einfach nur loslaufen kann. Das ist im übrigen auch das, was mir nach der Heimkehr am meisten gefehlt hat, das Aufbrechen und das monotone Gehen, jeden Morgen von neuem. Stattdessen saß ich wieder im Büro.

Wir waren heute wieder früh dran, auch wenn das Frühstück in der Herberge ein gewisses Flair hatte: wir saßen mit den anderen Pilgern in einem großen Raum mit antiken Möbeln und Kaminfeuer in so einer Art spanischem Landhaus-Stil. Ein Kilometerstein auf dem Weg aus Obanos heraus zeigte 665 Kilometer als Distanz bis nach Santiago. Die Sonne ging hinter uns auf, während wir kurz einer Landstraße folgten. „Obanos bis Estella (CF12)“ weiterlesen

Pamplona bis Obanos (CF11)

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Es gibt Bilder vom Jakobsweg in Spanien, die hat man etliche Male während der Planung gesehen: die Weite der Meseta kurz vor einem steilen Abstieg hinter Castrojeríz, den Stausee von Portomarín, das Kirchlein von Eunate, vielleicht auch den Speichersee bei Logroño – und eben das Pilgerdenkmal auf dem Alto del Perdón, dem Berg der Vergebung. Heute würde ich beides sehen: Alto del Perdón und Eunate, aber es war ein langer Tag und Weg. Und an diesem Tag habe ich Peter aus Belgien kennengelernt, zu dem ich heute noch Kontakt habe, ja, der für mich ein Freund geworden ist.

Nur die Müllabfuhr war auf den Straßen, als wir beim typischen intensiv-gelben Licht der spanischen Straßenlaternen unseren Weg aus Pamplona heraus begannen. Am Morgen hatten wir wieder einen dieser „Rücksichtslos-Pilger“ erleben dürfen, der kurz nach 5 Uhr bereits laut mit dem Packen anfing. Gut, ich hatte ihn am Vortag gesprochen und war davon überzeugt, daß er psychisch angeschlagen war, so daß wir es ihm nachsahen. Burns (2013) spricht von den „predawn evacuees“: „These predawn evacuees are usually a select mix of those with a deadline for St. James and plain avid walkers, decked out in serious boots or European sandals and socks. Let no man interfere with their military regimen of miles.” So ein bißchen passe ich ja auch in dieses Bild: Morgens meist früh auf den Beinen, am frühen Nachmittag am Ziel. „Pamplona bis Obanos (CF11)“ weiterlesen

Zubiri bis Pamplona (CF10)

Hinter Zubiri[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Wie sich im Laufe des Tages herausstellte, war dies einer der weniger schönen Tage, also rein was das Laufen anging: Regen beim Abmarsch um 7:30 Uhr, körperlich anstrengendes Auf und Ab, immer wieder Regenschauer, daher ständig Regenklamotten anziehen und wieder aus, weil es darunter zu warm wurde; wenig schöne Landschaft hier schon im „Dunstkreis“ der Großstadt Pamplona. Aber gut, es folgten so viele tolle und sonnige Tage – das gehört einfach dazu.
Es ging heute zunächst über schmale Pfade durch Weidelandschaft, immer noch sehr hügelig, dann auf breiterem Weg am Arga entlang, der flußabwärts immer breiter wurde, an einem riesigen, häßlichen Industriekomplex vor Larrasoaña vorbei mit „Mini-Umleitung“ des Weges. „Zubiri bis Pamplona (CF10)“ weiterlesen