Weihe des Schmerzes (v. Schack)

Schon meinen Spielgenossen hieß ich Träumer;
Denn wie ein Bruder engverwandt von je,
Fühlt‘ ich, o Schmerz, du tiefer, allgeheimer,
Mich dir und deinem dunklen Weh.

Wenn lachend über mir des Lebens blauer
Lichthimmel hängt, mich Scherz und Lust umhallt,
Doch stets zu dir in deine ernste Trauer
Zurückgezogen werd‘ ich bald.

In mich mit langen, durst’gen Zügen sauge
Ich deinen Odem, während so vertraut,
Und wie aus Weltalltiefen doch, dein Auge,
Das große, dunkel auf mich schaut.

Da fühl‘ ich: aus dem düstern Reich dort unten
Nur kommt die Weihe in des Menschen Brust,
Und matt und schal erscheint mit ihren bunten
Trugbildern mir der Erde Lust.

[Adolf Friedrich von Schack]

Die Frage nach Gott …

buch17… möchte der Philosoph Norbert Hoerster in seinem gleichnamigen Büchlein, erschienen in der Beckschen Reihe (2. A., 2007) beantworten.

Dabei wird Gott zunächst als der Gott der monotheistischen Religionen, insbesondere des Christentums, definiert. Er sei „das einzige, ewige, personale und körperlose, höchst vollkommene Westen, das die Welt erschaffen hat sowie erhält und lenkt“. Alle philosophischen Beweisansätze des Buches beziehen sich auf diese Gottesdefinition, das muß man beachten. „Die Frage nach Gott …“ weiterlesen

Naturismus (FKK) und Erotik

[Vorbemerkung, nachträglich eingefügt: Nudismus meint Nacktheit um ihrer selbst willen; Freikörperkultur ist Nudismus mit einem Gemeinschaftsaspekt; Naturismus ist Nacktheit im Verbund mit lebensreformerischen Überzeugungen. Ich spreche hier von Freikörperkultur, meine jedoch im Grunde: Naturismus.]

barfussEin Beitrag im Blog ‚Nackte Freiheit‘ (zwischenzeitlich gelöscht) hat mich an die Beendigung dieses begonnenen Textes erinnert. Der besagte Beitrag befaßt sich „eigentlich“ nur mit dem Barfußlaufen, jedoch ist das eingefügte Bild (s. rechts) entweder schlecht gewählt oder bewußt plaziert. Es zeigt u.a. auch einen Fuß, aber darauf schaut man(n) natürlich bei der Pose nicht.

Um was geht es bei der Freikörperkultur, wo bleibt die Erotik? Ich habe mir Gedanken gemacht und möchte sie teilen – mit dem bewußten Hinweis, daß es sich ausschließlich um meine nicht verallgemeinerbaren Ansichten handelt. „Naturismus (FKK) und Erotik“ weiterlesen

Ich will alleine über die Berge gehn (Mühsam)

Ich will alleine über die Berge gehn,
und keiner soll von meinen Wegen wissen;
denn wer den Pfad zu meinen Höhn gesehn,
hat mich von meinen Höhn herabgerissen.
Ich will alleine über die Berge gehn,
mein Lied soll ungehört am Fels verklingen,
und meine Klage soll im Wind verwehn; –
nur wer dem eignen Herzen singt, kann singen; –
nur wer dem eigenen Herzen klagt, kann klagen;
nur wer das eigne Herz erkennt, kann sehn. –
Hinauf zu mir! Ich will der Welt entsagen,
und will alleine über die Berge gehn.

[Erich Mühsam]

Der Winter ist da

Heute Abend stand wieder Stocklauftraining an, also „Nordic Walking“ mit Tempo und dem Ziel, die Ausdauer zu trainieren. Im Stockdunkeln zog ich mich warm an, draußen liegt Schnee. Mit den dicken Winterhandschuhen komme ich kaum in die Schlaufen der Stöcke, und der dicke Schal um den Hals läßt mich stocksteif in der Kälte stehen. Das Thermometer zeigt -8°C. Das ist ja noch gemäßigt, man darf nicht klagen.
Dann im Wald: alles ist still, eine weiße Winterlandschaft, Ruhe, die Sterne leuchten über uns, die Schuhe knirschen im Schnee, die Stöcke machen einen ganz anderen Knirschlaut, die Stirnlampe leuchtet munter 10m voraus.
Unser Atem steht vor den Mündern, das Gesicht ist eisekalt, Wasser gefriert in meinem Bart. Aber ansonsten ist es warm, ich friere nicht, genieße den Abend, sammle Kraft für die Kämpfe, die ich am Horizont für die nächsten Wochen aufziehen sehen kann.
Freiheit – ein ganz großes Wort, aber alles – auch große Worte – fängt klein an – nämlich genau dort im Dunkeln, wo wir durch den Wald laufen.
Die Gedanken gehen zurück zu den Sommertagen, an denen ich mit T-Shirt bekleidet durch den gleichen Wald lief, das dunkle Grün der Buchen als Decke wahrnahm, die mich schützt und einhüllt. Ich schwitzte, der Stoff war naß, ich lachte, holte weit aus und schritt mit noch mehr Intensität meinem Ziel entgegen.
Anders der Lauf in dunkler Winternacht: Ich bin das Leben, das über das Land geht, bin ein stückweit Wilder Jäger, ich lebe, während alles unter weißer Decke schläft oder gar stirbt. Ich trage mein Leben über den Schnee, widerstehe Kälte und Tod in weißer Einsamkeit. Ich bin Garant dafür, daß im Frühjahr neues Leben aus jeder Knospe sprießen wird. Mein federnder Schritt ist Widerstand.

Nude Visions – Ansichten vom Körper

2010 wurde an verschiedenen Orten die Ausstellung Nude Visions gezeigt:

Münchner Stadtmuseum – 27.05. – 13.09.2009
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg – 29. Januar bis 25. April 2010
Museum der bildenden Künste Leipzig –
29. August bis 7. November 2010
WestLicht/Schauplatz für Fotografie, Wien –
14. Dezember 2010 bis 31. Januar 2011

Der Fokus lag auf der Aktphotographie mit 220 Originalaufnahmen des Münchner Stadtmuseums aus der Zeit von 1845-2005, wodurch eine Geschichte der Aktphotographie entsteht.

Beim Durchblättern des zwischenzeitlich gekauften Ausstellungskatalogs fielen mir etliche bekannte Namen auf, die mich an die Zeit Ende der 1980er bis ca. Mitte der 1990er Jahre erinnerten, als ich mich im Rahmen eines allgemeinen Interesses an der Fotografie speziell für die Aktfotografie interessierte.
Ich wußte noch, daß ich mir etliche Fotokataloge von den Künstlern gekauft hatte, die in meiner favorisierten Fotozeitschrift, Photographie (Weblink nicht mehr online), mit Portfolios vertreten waren, z.B. Helmut Newton oder Jeanloup Sieff, auch Nan Goldins „Ballade von der sexuellen Abhängigkeit“.

buch03Doch bei einem schnellen Durchsuchen des Abstellraums fand ich nebenstehenden Band „Ansichten vom Körper“ – Das Aktfoto von 1839 – 1987 von Michael Köhler (Edition Stemmle). Mit Verwunderung stellte ich fest, daß ich diese Buch „ja auch besitze“ – das war mir entfallen. Es freut mich auch deshalb, weil für bestimmte Werke ziemlich viel Geld zu zahlen ist, wenn sie nicht mehr auf normalem Wege im Buchhandel erhältlich sind. Man schaue sich die horrenden Preise für den Ausstellungskatalog „Die Lebensreform. Entwürfe zur Neugestaltung von Leben und Kunst um 1900“ (Ausstellung auf der Mathildenhöhe in Darmstadt) an…
Und darüber hinaus ärgert es mich heute, daß ich Bücher von Magnus Weidemann (Deutsches Baden, Körper und Tanz) und Gerhard Riebicke vor Jahren verkauft habe … Weidemanns „Deutsches Baden“ kann man derzeit als Angebot für 500€ (!) in einem Antiquariat kaufen. (Hierzu Nachtrag: Weidemanns und Riebickes Bücher sind wieder in meinem Bestand, aber letztlich war es eine unnötige Doppel-Geldausgabe.)

Von daher habe ich gestern abend in Ruhe im wiedergefundenen Buch geblättert, das in 20 Kapiteln von der Daguerreotypie bis zur Aktfotografie nach 1980 reicht.
Proben meiner eigenen Bilder kann ich leider nicht online stellen, da es seinerzeit keine schriftliche Verträge gab, und ich heute keinen Kontakt mehr zu den fotografierten Frauen habe. Da ich also kein Einverständnis habe, verbietet sich dies.

Wurzeln der Umweltbewegung in der Lebensreform

Ein Artikel von Simon Meyer im Webangebot der Blauen Narzisse (Artikel Anfang 2020 nicht mehr auffindbar), Wurzeln des Umweltschutzes in der Lebensreformbewegung, stellt kurz die Zusammenhänge dar: Es waren eher konservative Denker, die zu Anfang des Jahrhunderts Umweltgedanken im Rahmen der Lebensreform thematisierten. In den 1970ern jedoch erkannte man die Aktualität dieser Gedanken, was zur Gründung der Grünen führte, wobei auch hier konservative Denker mit am Start waren (Herbert Gruhl, Baldur Springmann), sich aber bei zunehmendem Linksruck der Partei „ausklinkten“.
 

Saison am Strand (Buch)

buch08Das „Badeleben an Nord- und Ostsee – 200 Jahre“ beleuchtet dieser Ausstellungskatalog von 1986 im Sinne eines „reich illustrierten Streifzug(es) durch die Kulturgeschichte der Seebadereise.“
Die Ausstellung fand 1986 im Altonaer Museum in Hamburg vom 16.4. bis 31.8. statt, im Anschluß Mai bis Juli 87 im Hamburger Bahnhof in Berlin.

Mehrere Aufsätze leiten den Katalog ein. Sie behandeln Themen wie „Meerwasser als Medizin“ oder „Landschaftsbild im Wandel“. Im Anschluß folgt das ebenfalls von kurzen Texten eingeleitete Register, das den größen Teil des Kataloges ausmacht: In einzelnen Kapiteln – und zu speziellen Stichworten – wird auf alles eingegangen, was mit der Reise zu tun hat, z.B. Reiseausrüstung, Bademoden, aber auch Strandburgenbau. So werden die heute vom Stand verschwundenen Badekarren vorgestellt (Fotos (überwiegend schwarzweiß), Zeichnungen); gleichzeitig erfährt man, wer wann den Strandkorb erfunden hat.
Es fällt auf, daß älteren Exponaten oft Bilder von 1985 gegenübergestellt werden, also aus dem Jahr, in dem die Ausstellung offensichtlich vorbereitet wurde.
„Saison am Strand“ ist ein kurzweiliger Katalog zum gelegentlichen Blättern, Schmunzeln, Staunen; er ist antiquarisch erhältlich.

Edvard Munch in Warnemünde

Der Spiegel berichtet über den Rückzug des norwegischen Malers E. Munch in ein Haus an der Ostsee, wo er  durch das Malen nackter Männer für Aufruhr sorgte. Über das Munch-Haus in Warnemünde kann man sich in hier informieren. Eindrücke von Munchs Malerei kann man sich auf den Internetseiten des Munch Museet (Norwegen) holen.

Gartenstadt Hellerau (Ausstellung)

Vom 16.9. bis 16.10.2010 findet im Mainzer Rathaus die Ausstellung „Gartenstadt Hellerau“ statt. Zitat aus dem Flyer (pdf):

„Die Ausstellung zeigt die Geschichte und aktuelle Entwicklung von Hellerau, der ersten deutschen Gartenstadt, die die Einheit von Wohnen und Arbeit, von Kultur und Bildung, in einem von der Lebensreform geprägten Organismus zum Anspruch hat. Von der ersten Idee zur Gründung von Hellerau mit den Deutschen Werkstätten, der Gartenstadt und dem Festspielhausgelände im Jahr 1906 über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und nach 1945 bis hin zu den heutigen Entwicklungen eröffnet sich dem Betrachter ein breites Panorama nicht nur der Dresdner, sondern auch der sächsischen und der deutschen Kulturgeschichte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts.“