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Pilgerreise ins Heilige Land (The If, Why, When and What For?)

Ja, ich muß gestehen, ich bin momentan sehr schreibfaul, wenn es um dieses Blog geht. Nicht nur schreibfaul, auch zu faul, Dinge für Beiträge zu recherchieren, generell – Arbeit, Zeit ins Blog zu stecken. Das hat verschiedene Gründe. Wenn es nun um die anstehende Israelreise geht, so mag einer dieser Gründe sein, daß ich wieder – wie auch schon bei meinen Jakobswegen 2015 und 17 – Audio-Memos aufnehme, womit ich schon Wochen vor der Reise beginne. Das ist dann also „Erzählstoff“, der nicht in Schriftform gepackt wird. In diesen frühen Memos reflektiere ich die Vorbereitungen genauso wie meine Erwartungen an die Reise. Es gibt nichts schöneres, als die Einträge mehrere Monate vor meinem langen Jakobsweg 2015 zu hören, wenn es um Ausrüstung und Packlisten samt Probepacken ging. Ich höre diese Memos und denke: Und alles kam anders und alles war viel geiler, als du dir das erträumt hattest. 

Jetzt steht also eine 11-tägige Reise mit einem Dekanat im Bistum Trier ins Heilige Land an. Auch dazu habe ich einige Memos schon aufgesprochen, die aber seltsam blutleer wirken. Das hat aus jetziger Sicht auch damit zu tun, daß es eine organisierte Gruppenreise ist, heißt: ich muß mich um wenig kümmern. Dann ist es so, daß ein straffes Programm ‚abgearbeitet‘ werden soll, d.h. die Tage sind ausgefüllt mit Aktivitäten. Ruhige Nachmittage, wie sie bei meinem Jakobsweg üblich waren, wird es nicht geben. Freue ich mich denn auf die Reise? Ja, auch. 😉

Ich will einen Schritt zurückgehen: in diesem Blog gibt es seit ca. 2013 wieder vermehrt christliche Inhalte. Ich habe über Mystik geschrieben, über Schweigeexerzitien und Kontemplation nach Franz Jalics. Seit ungefähr 2015 war eine Israelreise (wenig konkretes) Thema für mich. Ich kann mich erinnern, wie ich mit Clara W., einer Amerikanerin, in Villalcázar de Sirga beim Abendessen saß und wir über eine (erneute) Taufe im Jordan sprachen, die uns seinerzeit (mich jetzt nicht mehr) reizte. Seit gut zwei Jahren suchte ich mit einer ebenfalls an Israel interessierten Nachbarin nach einem Reiseangebot, das vom Termin her für uns beide passen würde. Das fanden wir im Januar diesen Jahres – ganz kurz bevor es in meinem Leben sehr hektisch wurde. Kurz vor der Mitte des Februars wurden bei meiner Mutter mehrere nicht operativ entfernbare Hirntumore festgestellt – sie verstarb daran nur sieben Wochen nach der Diagnose. In diese Zeit ihrer Krankheit fielen meine Gespräche mit einem Pater der Arnsteiner Patres in Koblenz, der mich auf meinem Weg zurück zur katholischen Kirche begleitete.

Die Entscheidung, nach gut 15 Jahren seit dem Austritt wieder eintreten zu wollen, war ebenfalls seit einigen Jahren in meinem Hinterkopf, aber nicht so ‚viral‘. Vielleicht kann ich sagen: es war eine Entscheidung, die ich vor mir her schob, aber doch mit der Frage verknüpfte: Willst du außerhalb der Kirche stehend nach Israel reisen oder als Mitglied der Kirche? Angemeldet habe ich mich für die Israelreise mit dem klaren Hinweis darauf, daß ich nicht Kirchenmitglied bin; das war kein Problem für die Organisatoren. Doch dann fielen zweige Dinge zusammen, die im Grunde nichts miteinander zu tun hatten: die Erkrankung meiner Mutter und der plötzlich im Raum stehende, konkrete Wunsch nach dem Wiedereintritt. Ich kann das nicht verknüpfen – schon gar nicht mit der da schon gebuchten Israelreise. Etwas anderes brachte mich dazu, das genau zu diesem Zeitpunkt anzugehen.

Meine Mutter verstarb an ihrem Geburtstag am 2. April. Am Samstag, 6. April, hatte ich mit drei von mir ausgewählten Zeugen (die nicht notwendig gewesen wären) die Wiederaufnahmefeier – ein schlichtes, aber stimmiges und doch bewegendes Ritual. Und so konnte ich am 9. April beim Sterbeamt für meine Mutter mit meinem Vater zusammen wieder an der Kommunion teilnehmen. Ausführlich habe ich das in meinem privaten, spirituellen Tagebuch beschrieben und kommentiert. Hier will ich nur sagen, daß sich das Wort ‚Gnade‘ für mich in dieser Situation erstmals greifbar manifestiert hat.

Damit ist die Basis für die Israelreise begründet, aber ich merke, daß ich mich nicht so intensiv darauf freue, wie z.B. auf das Pilgern. Ich glaube, es liegt an den Themen „geführte Gruppenreise“ und Doppelzimmer mit einem weiteren, mir bis dato unbekannten Reisenden. Aber es ist auch eine Zeit der großen Unzufriedenheit mit mir und meinem Leben in diesem Sommer und Spätsommer. Ich kann mir nicht vorstellen, was „Israel“ daran ändern würde.

Und ja, natürlich geht es auch um die Frage: spüre ich Gott intensiver, wenn ich im Heiligen Land bin? Ändert sich etwas in mir, wenn ich am See Genezareth bin? Wie fühle ich mich, wenn ich durch Jerusalem gehe, wenn ich in der Grabeskirche bin? Das wird sich zeigen. 🙂

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