Rudolf Bahro – Die Logik der Rettung (Hausarbeit) – Teil 1

Vorbemerkung 2019

Lange ist es her, als ich im Sommersemester 1993 im Fach Politologie (des Fachbereichs Sozialarbeit der Fachhochschule Köln) die Hausarbeit über Bahros „Logik der Rettung“ schrieb. Dozent war Prof. Lange, der die Arbeit und die sich anschließende mündliche Prüfung mit „sehr gut“ bewertete.

Auf Facebook habe ich vor einigen Tagen meine Gedanken zu (und Kritik an) Greta Thunberg formuliert, am Ansatz, „von oben“ über die Herrschenden / Regierenden eine Veränderung bewirken zu wollen, anstatt von unten Bewußtseinsbildung und Änderung anzustreben. Bahro ist nach wie vor aktuell, das fiel mir gerade beim Querlesen in der Hausarbeit auf – auch wenn Thunberg bei weitem nicht der „Fürst der ökologischen Wende“ ist, wie Bahro ihn sich vorstellt. Daher will ich sie hier in mehreren Teilen einstellen.
Bitte beim Zitieren / Verwenden das Copyright beachten. Bitte ebenso beachten, daß der Text meine Gedanken so ausdrückt, wie es vor über 25 Jahren der Fall war; eine Anpassung an meine heutige Ausdrucksweise habe ich unterlassen.

Einleitung 1993

„Die neue Ordnung existiert zuerst (…) in den Köpfen und Herzen, in den unbefriedigten Wünschen der Menschen.“ (Rudolf Bahro)

Als ich vor ein paar Jahren begann, mir einen Überblick in verschiedenen religiösen Lebensformen zu schaffen, merkte ich, daß ein System wie das buddhistische mich zunächst sehr anzog, da ich dort eine Aufforderung an den Einzelnen fand, seine Erlösung selbst zu suchen und aktiv danach zu streben.

Ich schrieb damals, daß ich davon überzeugt sei, daß alle Religionen nur verschiedene Wege zum Erreichen des einen Ziels – nämlich der Selbstfindung vor Gott oder dem Absoluten – böten. Ich merkte allerdings nicht, daß ich hier schon abseits des traditionellen Religionsbegriffes stand. Meine damalige Definition von Selbstverwirklichung („den eigenen Weg finden und in Relation zu einer absoluten Existenz lenken“) erscheint mir heute klar im Licht der Spiritualität, und ich stelle fest, daß meine Lebenseinstellung eine grundlegend spirituelle zu sein scheint.
Diese Tatsache ist zu Anfang des Sozialarbeitsstudiums in den Hintergrund gerückt, da ich durch die vielen neuen Eindrücke glaubte, auf gesellschaftliche Probleme rein politisch reagieren zu müssen.
Mittlerweile ist mir klar, daß ich keine gute, für mich befriedigende Sozialarbeit leisten kann, wenn ich nicht aus einer „eigenen Mitte“ heraus agiere, also die spirituellen Ansätze aus der „Freizeit“ als persönliche Lebenspraxis in meine Arbeit einfließen lasse.

Auch wenn ich – ein wenig vorausgreifend – im Bahroschen Sinne Mittäter in der „Megamaschine“ bin, findet er bei mir mehr als ein offenes Ohr, wenn er fordert, „dem täglichen Zusammenleben Schönheit, einen rituellen Rahmen und ein spirituelles Zentrum zu geben“.

Ich möchte nun im ersten Teil die Entwicklung des menschlichen Bewußtseins darstellen, danach Bahros Rettungsvision und im letzten Teil meine persönliche Einschätzung.

Die Bewußtseinsentwicklung des Menschen – der Weg in die Megamaschine

Geschichte ist Psychodynamik

„Geschichte ist Psychodynamik!“ – Für Rudolf Bahro ist die ökologische Krise eine „Krankheit des menschlichen Geistes“. In der Entwicklung eben dieses Geistes sieht er eine Logik, die zwangsläufig zu der bevorstehenden Katastrophe führte. Gemeint ist mit dieser Logik das „Gesetz, nach dem unsere Gattung angetreten ist, mit ihrer Fähigkeit zu bewußter Weltbeherrschung und mit deren mangelhafter Selbstkontrolle“. Diese Gattungsbesonderheiten, die sowohl in der Menschheit als auch in jedem einzelnen Menschen immanent sind, sind der Ausgangspunkt des Bahroschen Ansatzes, sind die „Conditio Humana“.
Von dort aus entwickelte sich das menschliche Bewußtsein bis zum heutigen „toten Geist“ in der Megamaschine des Industriesystems, bis zum Stadium des Exterminismus, der aktuellen und in noch größerem Ausmaße bevorstehenden massenhaften Ausrottung von Leben auf diesem Planeten.
Bahro zieht in Verbindung zu dieser Erklärung das Schema der fünf Bewußtseinsverfassungen von Jean Gebser heran, führt aber nichts Spezielleres zu den verschiedenen Stufen aus. Ich werde nun diesen Entwicklungsablauf skizzieren, wobei ich mich ebenfalls an Gebsers Übersicht orientiere und die Schemata der Selbstausrottungslogik und der Abspaltung vom Ursprung einbeziehe.

Der archaische Geist

Der Ursprung ist die Ureinheit unseres Geistes mit der Natur, aus der er ja kommt. Dies ist der archaische Geist, sozusagen der erste menschliche Geist, seit unsere Gattung sich von den gemeinsamen Vorfahren mit den Menschenaffen ab­spaltete und der Prozeß der Hominisation begann. Die heute zugänglichen Fossil­funde lassen eine Datierung dieser Entwicklung auf die Zeit vor ca. drei Millionen Jahren zu. Obwohl der Mensch nun aufrecht ging, das Großhirn sich entwickelte und sich die Muskulatur und besonders die Schädel-und Kieferform umbildete, stellte sich dieser Mensch noch nicht als Subjekt der Natur gegenüber, weil er über keine Kenntnis des „Ichs“ verfügte. Diese Bewußtseinsverfassung korrespondiert nach Bahro mit dem Reptilischen Gehirnstamm, so daß primär die wichtigsten Lebensfunktionen gesteuert wurden. Bei dem sich entwickelnden Großhirn herrschten die intuitiven Prozesse der rechten Hemisphäre vor, doch schon recht früh arbeitete auch die linke in Form von einfachen mentalen Operationen (z.B. Werkzeuganfertigung).
Da diese Intuition (im Gegensatz zur Vernunft) lt. Bahro das Medium der Spirituali­tät ist, bezeichnet er (nach Gebser) den archaischen Geist als spirituell ge­führt.
Während man die Spiritualität v.a. praktisch definiert als einen Weg nach innen, ein inneres Handeln, bei dem die Einheitserfahrung mit allen Lebewesen, das „Eins­sein mit dem Göttlichen“(Wilber) gesucht wird, bezeichnet die Spiritualität des archaischen Geistes einen tatsächlichen Zustand, eine De-facto-Einheit – sofern man die Existenz als solche in einer erfahrbaren Wirklichkeit nicht schon als Abspaltung vom Urgrund ansehen möchte. Die folgenden Stufen schildern den zunehmenden Verlust der spirituellen Führung und den einseitigen Aufstieg des rationalen Verstandes, den Bahro als den „tragi­schen Aufstieg zur Bewußtheit“ sieht.

Der magische Geist

Mit der weiteren Entwicklung erlebte der Mensch zunächst die ihn zunehmend steuernden Mächte des Unter-oder Unbewußten. Dies ist quasi der erste Schritt über die Zeit der Ureinheit hinaus und hinein in die Stufe des magischen Geistes. Historisch gesehen muß man dies wohl in die Altsteinzeit (Paläolithikum) verlegen, die vor ca. zwei Millionen Jahren begann und ca. 8000 v.Chr. endete. Der Mensch sah sich also konfrontiert mit seinem Unterbewußtsein, sprich Träumen, Visionen, Phantasien, Emotionen; er war fasziniert und gleichzeitig auch verängstigt. Aus diesen Erfahrungen ergibt sich das „antwortende Handeln“, d.h. die Reaktionen der ersten Menschen, für die z.B. ein Gewitter, die Nacht oder der Regen die Vor­stellung von der „Sakralität des Himmels und der himmlischen und atmosphärischen Erscheinungen“ (Eliade) brachte und für die das Wahrnehmen von Geburten und beson­ders auch des Sterbens von Sippenmitgliedern eine Erfahrung des Numinosen war.
Es ist beispielsweise davon auszugehen, daß das „Erscheinen“ von Verstorbenen in den Träumen der Menschen schon früh zum Glaube an ein Fortleben nach dem Tod führte. Gegenstand aller Religionen ist nach Eliade die Erfahrung des „Heiligen“, des Nicht-Erklärbaren.
Der magische Geist war sich nun der Natur und dem Agieren in, aber auch gegen diese bewußt. So schließt Eliade auf eine mystische Solidarität zwischen dem Jäger und dem Tier, das er erlegt und dessen Blut das „gleiche“ ist wie sein eigenes. So entstanden vermutlich Jagdriten, die Opfer als Ausgleich für die Tötung bein­halteten, z.B. rituelle Knochendepots, die getragen waren von der Vorstellung, daß das Tier aus den Knochen auferstehen könne. Interessanterweise findet sich dies noch in der germanischen Mythologie, in der die beiden Ziegenböcke, die den Wagen des Gottes Thor ziehen, bei einem Fest gegessen werden und von Thor am nächsten Morgen wieder „formiert“ werden – eben aus den Knochen und den Fellen.
Im übrigen stellt die Jagd den Beginn der Arbeitsteilung zwischen den Geschlech­tern dar und somit auch den Beginn des Patriarchats. Bahro erklärt dies so: Die zunächst komplementären Rollen des Jägers und der Sammlerin entwickeln sich da auseinander, wo die Frau weiterhin um den nahen Lebensraum und die Reproduk­tion zentriert bleibt (Bias/Eros), der Mann jedoch weitere Jagdzüge unternimmt und strategisch kalkulieren (linke Hemisphäre) muß -Fallen graben, Mammuts über eine Klippe treiben, neue Waffen erfinden … Der Mann konzentrierte sich auf diese Tätigkeitsbereiche, auf den Logos und gab der Gesamtgesellschaft ein anderes Zentrum, das diesem männlichen Logos entsprang. Es ist anzunehmen, daß Frauen durch die Jagd betreffende Geheimriten (Jagdmagie) von der neu entstandenen „Männerwelt“ ausgeschlossen wurden. So manifestieren sich in dieser Zeit zwei Punkte des Bahroschen Selbstausrottungs­logik-Modells: Die Conditio Humana, also sowohl der Sieg des Menschen über die Tierwelt, der Beginn des Sich-die-Erde-untertan-Machens sowie der Sieg des Mannes über die Frau (Patriarchat). Der Geist wurde von vorneherein als kompensatorisches Machtinstrument benutzt, der schwache Mensch trat die Flucht in die Kultur an, das „verängstigte männliche Ich“ sah seine Chance im rationalen Denken und entfaltete seine Macht. Weiterhin ist anzuführen, daß sich die Stammesmenschen der magischen Bewußtseins­stufe zum ersten Mal Objekte aus der Natur herausgriffen und sich diese als Geister/Mächte gegenüberstellten, z.B. einen Herrn der Tiere, dem nach Jagden ge­opfert wurde. Auf diese Mächte hin handelte der Mensch, indem er Kulte und Riten zur Fixierung und Erinnerbarkeit seiner Erlebnisse schuf. Bei Matthews heißt es dazu: „Ein Eichenbaum war ein Baum, aber zugleich auch der in ihm wohnende Gott des Waldes, ein Totem des grünen Mannes. Wenn sich der Stammesherrscher in Eichen­blätter kleidete, wurde er zur lebendigen Verkörperung des Gottes selbst“.

Der mythische Geist

Bei der nun folgenden mythischen Bewußtseinsverfassung wird in Gebsers Schema das „Seelenbewußtsein“ angeführt. Hier möchte ich allerdings zu der Stufenabfolge, die nicht absolut zu sehen ist, eine Anmerkung machen:
Die jeweils höhere Stufe ist als vorherrschend zu bezeichnen, aber in jedem einzelnen Menschen existieren Anteile der verschiedenen Bewußtseinsverfassungen in unterschiedlichen Ausmaßen. Wichtig ist jedoch, daß die jeweils niedrigere Stufe von der Gesamtheit der Gesellschaft nicht integriert wurde, sondern in steter Abwendung von der Spiritualität überwunden wurde. Wir entfernten uns in der Menschheitsentwicklung immer weiter von der „Gottheit“, wie Bahro den spirituellen Urgrund nennt. So ist es also auch schwer, den diversen Stufen bestimmte historische Zeiträume zuzuordnen.
Die Vorstellung von der Seele ist mit der Erwartung eines Weiterlebens nach dem Tod gekoppelt. Für die jüngere Altsteinzeit kann man relativ gesichert Bestattungen nachweisen, die durch Haltung des Leichnams, Grabbeigaben u.ä. auf diese Vor­stellung hinweisen. Aus dem Stamm geht der Schamane hervor, der mit dem heute vorherrschenden indivi­duellen Bewußtsein experimentiert. Seine Wurzeln reichen nach Eliade bis in die Altsteinzeit zurück und sind keineswegs erst in der Jungsteinzeit neu aufgetaucht. Auf der Basis der Seelenvorstellung macht er in Visionen getragen von ekstatischen Zuständen „Reisen“ in jenseitige Welten, von denen er dann den Stammesmitgliedern berichtet, das Stammesbewußtsein formt. Das Falkengewand der germanischen Göttin Freya, mit dem magische Flüge möglich sind, ist ein schamanisches Relikt / Bild. Verbunden mit dem Schamanentum ist für die mythische Stufe charakteristisch, daß der Mensch die Mächte nun als personifizierte Götter und Göttinnen imaginierte. Als erste Götter fungierten nach Matthews vermutlich die Ahnen der Menschen. Jeder Mensch hatte Ahnen und konnte mit ihnen auf spiritueller Ebene kommunizieren, konnte sich Rat holen (Orakel, Deutung des Vogelflugs, Auslegung bestimmter Zeichen… ). Als Grundlage kann man sehen, daß das menschliche Bewußtsein nach Eliade in der damaligen Zeit noch eine mythologische Dimension hatte, daß, wie Bahro es formuliert, die Götter (Ahnen) noch aus der rechten, intuitiven Großhirnhälfte in die linke hinein sprachen. Um jedoch die Wirklichkeit der jenseitigen Welt -Anderwelt – genauer zu inter­pretieren, bedurfte es des Schamanen, einem Spezialisten im Wandern zwischen den Welten. Eine andere Erklärungsmöglichkeit für die Götter sieht diese als Personifizierung archetypischer „Energien“ – so der mit seinem Hammer Blitze herabschleudernde Donnergott Thor, Balder als Lichtgott, Ägir als Gott des Meeres usw., was die ger­manische Mythologie angeht. Eliade datiert den Ahnenkult schon auf die Mittelsteinzeit (Mesolithikum), die Zeit bis ca. 5000 v.Chr. Es ist festzustellen, daß die Stämme ihre nomadisierende Lebens­weise mehr und mehr aufgaben, mit Wildtierdomestikation und dem Hackbau begannen und später tatsächlichen Getreideanbau betrieben (Neolithische Revolution; Jungstein­zeit bis ca. 1800 v.Chr.).
Die jägertypischen Verhaltensweisen verschwanden nie, was Eliade z.B. mit dem Blut­opfer der Hirten und Bauern zu erklären versucht, das er als identisch mit der Tötung des Wildes durch den Jäger sieht.
Jagd ist ein mythisches Modell für Landeroberung und Staatsgründung. Hier steht ihm Bahro nahe, der sagt: „Wir sind besorgte Jäger geblieben, haben nie genug“.
Die besitzergreifende, auf Expansion gerichtete Ichentwicklung ist darauf zurück­zuführen.
Es ist noch anzumerken, daß die Vorstellungen von einem „Jägerparadies“ möglicher­weise hergeleitet werden können von der späteiszeitlichen Wildfülle, die die meso­- und neolithischen Menschen nicht mehr vorfanden. In der Jungsteinzeit wurde der Mensch zum Produzenten seiner Nahrung, die mythischen Vorstellungen kreisten um das Mysterium der Vegetation, der Fruchtbarkeit. Die Hauptverantwortung lag bei den Frauen, die mit der Erde gleichgesetzt wurden. In der Erneuerung der Welt im Laufe des Jahreszyklus sah man Geburt, Tod und Wiedergeburt, an den Schnittstellen entstanden – übertragen auf das Leben der Menschen -Frucht­barkeits-, Initiations-und Todesriten. Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tod ist für jungsteinzeitliche Bestattungen eindeutig nachweisbar. Eliade spricht von der „kosmischen Religion“, die um das Geheimnis der Schöpfung kreiste. Sie war verbunden mit der Vorstellung von einem Weltenbaum (axis mundi), der den Himmel über die Menschenwelt mit der Unterwelt verbindet.
Manche Autoren sprechen in Verbindung mit der Jungsteinzeit von einer matriarchalen Gesellschaft, aber ich sehe darin höchstens eine Interimsperiode, bevor in den spä­teren Metallzeiten (Bronze-, dann Eisenzeit; ab ca. 1800 v.Chr.) der Mann sich die Waffen zur Welteroberung schmiedete, sich nicht mehr in den von der Frau ver­körperten Jahreszyklus einfügen mußte, sondern mit den Erzen eine andere Wirk­lichkeit schmiedete und sich an die Stelle der Zeit setzte, indem er, wie Eliade ausführt, die „Erzreifung“ durch das Schmieden beschleunigte, wohingegen er in be­zug auf die Pflanzenreifung machtlos war. Die Beherrschung der Zeit -Eliade meint, dies sei das Charakteristikum des heutigen Menschen. Es ist also festzustellen, daß sich diese mythische (polytheistische) Bewußtseins­verfassung schon sehr früh entwickelte, spätestens aber ab der Jungsteinzeit domi­nant war. Die Vorläufer der Germanen kannten den Sonnenkult als Kosmische Religion und auch den Ahnenkult in Form der Megalith-Anlagen.
Das Ende dieser Epoche und damit der Beginn des mentalen, eher monotheistisch aus­gerichteten Geistes liegt ca. im ersten Jahrtausend nach Christus und ist auf der religiösen Ebene stark mit der Christianisierung der Germanen verbunden.
Daß auch noch im Polytheismus vorzeitlich-magische Elemente vorhanden waren, möchte ich an folgendem Beispiel zeigen: Der oberste Gott Odin hing lt. Überlieferung neun Nächte an der Weltenesche Yggdrasil. Eliade sieht darin einen „Initiationsritus paraschamanischer Art“, der zur Erkenntnis der Runen führte.
Auf der anderen Seite steht Odin für die Verherrlichung eines Herren- und Kriegerparadieses (Walhall), das m.E. stark zum mental-rationalen Geist tendiert, den Bahro den Germanen schon attestiert, indem er sie mit dem Begriff der Europäischen Kosmologie in Verbindung bringt und zeigt, daß deren kriegerische, erobernde Lebensweise noch heute den westlichen Menschen kennzeichnet. Statt des Schamanen dominierte der Krieger, der die Basis des „homo conquistador“ bildet, der sich in den Metropolen der „entwickelten“ Länder findet.
In seinem Schema der Abspaltung vom Ursprung zeigt Bahro auf, daß das Bewußtsein einen viel tieferen Spalt zwischen sich und dem Unbewußten setzte, als es das Unbewußte gegenüber der Natur tat. An der Stelle dieses Spaltes liegt für Bahro die „verloren Ganzheit des Menschen“, d.h. hier begann der einseitige Aufstieg des rationalen Verstandes mit seinem anthropo- und egozentrischen Zwang zu Konkurrenz und Individualität.

Der mental-rationale Geist

Zweiter Teil folgt.

2 Gedanken zu „Rudolf Bahro – Die Logik der Rettung (Hausarbeit) – Teil 1“

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