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Mein Camino Francés 2015

Astorga bis Foncebadón (CF31)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Weg bis Foncebadón

Ich weiß nicht mehr, wieso ich morgens früh im Aufenthaltsraum der Herberge saß, also auf was ich möglicherweise wartete, aber dort klang dann, wie im Rest des Gebäudes, gregorianischer Gesang aus den Lautsprechern, um die Pilger zu wecken. Das war schon sehr „stylish“. Gleich im Anschluß brach ich auf und verließ Astorga, wobei ich an einer modern aussehenden Kirche vorbeikam, an deren Wand ich ein Mosaik mit folgendem Spruch fand:

Peregrino: Que el cansancio del Camino nunca te impida pensar. ¿Es lo importante la meta? ¿No será acaso el encuentro con el monte, el río, con el rumbo que has perdido… con el mismo dios quizás?

(Pilger: Möge die Müdigkeit des Weges dich niemals vom Denken abhalten. Ist das Ziel wichtig? Wird es nicht eher die die Begegnung mit dem Berg sein, dem Fluß, mit der Richtung, die du verloren hast … vielleicht mit demselben Gott?)

Da der Spruch auch auf dem Foto, das ich gemacht hatte, nicht so gut zu lesen war, suchte ich für diesen Bericht noch einmal im Internet danach. Er findet sich auf verschiedenen Seiten, aber oft ein wenig abgewandelt – und das genau da, wo für mich der Schwerpunkt liegt: el mismo dios – derselbe Gott. Ich war ja so viele Jahre von diesem (christlichen) Gott meiner Kindheit entfernt, und hier fand ich ihn doch wieder auf der Pilgerstraße in Richtung Santiago – oder, besser ausgedrückt: ich fand ihn in mir und trug ihn bewußter mit mir auf dem Weg nach Santiago. Ja, ich hatte „Richtung verloren“, aber hier ging es immer auf schöner, gelb markierter Bahn gen Westen, da wird man auf eine Richtung eingestimmt, die man dann mit dem ganzen Körper geht, in die man quasi eintaucht. „Derselbe Gott“ – diese Worte, standen für meine späteren Empfindungen am Cruz de Ferro. (Und ich schreibe dies mit Gänsehaut auf den Armen.)

Hinter AstorgaDoch viel dachte ich jetzt darüber nicht nach, denn es war kalt an diesem Morgen, aber zum Glück hatte ich meine Handschuhe. Wie ich es gerne tat, sprach ich ein Memo während des Gehens auf, in dem ich anmerkte, daß nun endlich die Sonne über der Maragatería aufgegangen war und es nicht mehr so kühl sei. Es ging dann durch sehr offenes Brach- und Heideland, rechts vom Weg sah ich im Sonnenlicht die Häuser des Örtchens Castrillo de los Polvazares liegen. Da wäre ich gerne hingegangen, habe aber wohl irgendwo in Astorga den Abzweig verpaßt. Bei diesem Ort lag das Anwesen von Denises Mörder, was mich an diesem Morgen hier in dem einsamen Landstrich beschäftigte (s. diese Seite).

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Mein Camino Francés 2015

San Martín del Camino bis Astorga (CF30)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Es gab heute ein typisches spanisches Frühstück: starker Kaffee, Orangensaft, Toast, Marmelade. Im Anschluß verabschiedete sich Beatrice von uns mit Umarmung – und ich konnte nur feststellen, daß dies eine der schnuckeligsten Herbergen auf meinem bisherigen Camino war. So persönlich und zugewandt erlebt man die Hospitaleros selten.
Durch den Ort ging es wieder ran an die N-120, wo der Schwerlastverkehr schon wieder pulsierte. Ich fotografierte einen weißen Transporter vor Sonnenaufgang – herrlich – nicht.

Bald kam ich nach Hospital de Órbigo, dem Städtchen, das für seine unglaublich lange Brücke bekannt ist, die aber zum jetzigen Zeitpunkt über trockenes Gelände führte, wo normalerweise der Río Órbigo fließt. Und hier traf ich „Long Wok“ wieder, den Koreaner aus der Herberge von Grañon, der „Woking“-Held mit seinen 40+ Kilometern pro Tag. Jetzt war sein Knie mit mächtigem Verband versehen und er humpelte.
Viele angehende Pilger machen sich Gedanken vor ihrem Camino, wie sie sich vorbereiten sollten und ob die Vorbereitung dann ausreichend ist. Ich glaube, viel wichtiger ist es, unterwegs auf sich zu achten, auf die Signale des Körpers, um solche Probleme vermeiden zu können.

Hinter Hospital gibt es eine Wegalternative über das Örtchen Villares de Órbigo, die einen Kilometer länger ist als der Weg entlang der nervigen N-120, aber dafür durch grandiose Landschaft führt, bis man letztlich Astorga erreicht.