O Pedrouzu bis Santiago de Compostela (CF42)

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Am nächsten Morgen, Mittwoch, als ich aufstehen wollte, war es stockdunkel im Zimmer und im Haus: die Sicherung war herausgesprungen. Ich packte im Schein meiner Stirnlampe zusammen und merkte, als ich mir zum letzten Mal meine Trekkingstiefel anzog und schnürte, daß mir ein dicker Kloß im Hals steckte. „Was wird das für ein Tag?“, sprach ich sehr bewegt aufs Memo.

Bennett (2013): „The walk was almost over (…) this whole episode in my life would come to an end. It wasn’t just four or five weeks of walking that would end, it was more than two years of anticipation and planning and dreaming that would no longer occupy my life.“  „O Pedrouzu bis Santiago de Compostela (CF42)“ weiterlesen

Arzúa bis O Pedrouzu (CF41)

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Für den heutigen letzten „richtigen“ Wandertag war eine kleine Etappe von 19 Kilometern geplant. Unsere gesamte Planung war um einen Tag korrigiert worden, eventuell hatten wir uns beim früheren Planen vertan: heute war Dienstag, morgen, Mittwoch, würden wir in Santiago ankommen. Donnerstag würden Peter und Shelley noch da sein. Letztere flog am Freitagmorgen via Rom nach Hause. Peter mußte am frühen Samstagmorgen schon zum Flieger. Nur ich bliebe dann übrig, mein Rückflug ging am frühen Samstagabend…

Wir starteten relativ spät, nahmen noch ein Frühstück in einer überfüllten Bar in Arzúa mit, dann ging es über viele Asphaltwege in Richtung O Pedrouzu. Dafür hatten wir Sonne und blauen Himmel, um die 22°C. Heute gingen wir eher schweigend, jeder hing seinen Gedanken nach. Gelegentlich durchquerten wir Eukalyptuswäldchen, dann führte mal wieder ein Hohlweg an einer Weide vorbei. „Arzúa bis O Pedrouzu (CF41)“ weiterlesen

Ponte Campaña bis Arzúa (CF40)

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Es gibt Leute, die sich noch 50 Kilometer vor Santiago morgens einen Wecker für 6 Uhr stellen! Dadurch wurden Shelley und ich ebenfalls wach und so brachen wir wieder einmal früh auf. Es war bald Mitte Oktober und bis 8 Uhr blieb es mittlerweile „stockenduster“. Es fiel ein leichter Regen; wir zogen unsere Regensachen drüber. In O Leboreiro machten wir kurz Pause für einen Kaffee und ein Mini-Frühstück. „Ponte Campaña bis Arzúa (CF40)“ weiterlesen

Gonzar bis Ponte Campaña (CF39)

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In dieser Nacht waren es nicht nur die vielen Schnarcher, die nervten, sondern auch die laute Tür zur Toilette. Etliche Leute mußten nachts raus – ich auch, und das Herabsteigen vom oberen Bett war im Dunkeln gar nicht so einfach. Das Gefühl, dann nachher wieder im gemütlichen Schlafsack zu liegen, war einfach göttlich – bis der Nächste anfing zu schnarchen. Im Audio-Memo sprach ich davon, daß dies wohl die „schnarchintensivste“ Nacht meines Caminos gewesen sei. Trotzdem schlief ich relativ gut (und schnarchte?). „Gonzar bis Ponte Campaña (CF39)“ weiterlesen

Barbadelo bis Gonzar (CF38)

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Auch an diesem Morgen ging ich im Dunkeln los, während Mond, Venus und Mars mir vom Himmel herab leuchteten. Enge, dunkle Wege wechselten sich mit offenem Weideland ab; auch Asphaltwege waren Teil der Strecke. Gelegentlich kam ich durch Gehöfte, die von gelben Lampen erhellt wurden. In den Ställen herrschte um die Uhrzeit am Sonntagmorgen schon Betriebsamkeit. Insgesamt war dies ein „anderes“ Galizien als das bei Samos: die „verwunschenen“ Wälder verschwanden – hier sah es wie bei uns im Westerwald aus. „Barbadelo bis Gonzar (CF38)“ weiterlesen

Samos bis Barbadelo (CF37)

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Auch heute wieder früh los nach kurzem Frühstück in der Herberge. Es war stockdunkel und sehr kühl. Am Ortsausgang von Samos blieb ich bei einem Pilgerdenkmal stehen: über mir waren Mond, Venus und Mars nahe beieinander am Himmel zu sehen.

Weiter ging es entlang der Fahrstraße, erst dann wieder durch bewaldetes Weidegelände, immer noch deutlich hügelig und im frühmorgendlichen Dunst liegend. In der Ferne sah ich einzelne Gehöfte inmitten der Natur liegen, während ich hier im Wald ein völlig zerstörtes Anwesen passierte. Der Himmel färbte sich zartrosa, kurz bevor die Sonne über den Horizont kam. Galizien hat etwas, dachte ich, auch wenn ich nicht wußte, ob es mir dienlich sein würde oder nicht.
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Fonfría bis Samos (CF36)

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Auch heute war ich wieder etwas später dran: ich ließ die anderen einfach schon mal „losrödeln“, während ich noch gemütlich im Schlafsack liegenblieb. Gegen 7 Uhr war ich in der Bar zum Frühstück, das ein wenig nervig wurde, weil auf engem Raum soviele Leute gleichzeitig ihr „desayuno“ haben wollten, die Hospitalera nicht nachkam und uns drei an der einen Seite der Theke immer wieder übersah. Aber man hat ja als Pilger keine Eile…

An drei „Morgenstimmungen“ während meines Caminos erinnere ich mich ganz besonders. Das war zum einen der Sonnenaufgang beim Verlassen von Hornillos del Camino in der Meseta, zum anderen der kurz vor León und dann dieser Morgen, der fast schon mystisch zu nennen war. Tief in den Tälern lag Nebel, aber die Berghänge darüber waren frei – und über allem ging nun satt orange die Sonne auf. Wo ich gerade bei Erinnerungen bin: den in diesem Sinne schönste Ausblick durfte ich 1987 am Gebirgszug des Rosengartens auf dem Santnerpaß-Klettersteig erleben. Dichte weiße Wolken lagen im Tal, darüber nur blauer Himmel und die Wärme der Sonne.

Es war ein herrliches, beschwingtes Bergab-Laufen, wobei mir zunächst die junge Deutsche von gestern Gesellschaft leistete, die aber schon sehr früh Halt bei einer Bar machte. Sie wirkte „suchend“ auf mich, nach etwas, nach einer Person, ich habe es nicht in Erfahrung bringen können. Es war natürlich komisch, wenn man gerade mal 30 Minuten ab Herberge unterwegs war und schon (wieder) an einer Bar stoppte. 
Ich fotografierte viel, sah mich satt an den Farben und dem Grün der Wiesen. „Fonfría bis Samos (CF36)“ weiterlesen

Ruitelán bis Fonfría (CF35)

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Heute also – nach erholsamem Schlaf und für mich spätem Frühstück gegen 8 Uhr in der Bar – eine Bergwanderung, die zunächst zum O’Cebreiro hochführen sollte. Die Bergkette zwischen meinem Standort und Galizien ist der Ausläufer der Cordillera Cantabrica, also dem kantabrischen Gebirge, das das „grüne Spanien“ Galiziens und Asturiens von den teils öden Hochebenen der Meseta Kastiliens und Leóns trennt. Konkret heißt dieser Bergzug wohl Sierra de los Ancares bzw. Sierra de Caurel, und mein erstes Ziel, O’Cebreiro, lag auf 1300m.

Da ich heute spät dran war, wanderte ich mit relativ vielen Pilgern gemeinsam, die früher als ich in den anderen Orten talabwärts aufgebrochen waren, auf der Fahrstraße bergan. Bald diskutierten wir untereinander, weil die Pfeile von der Straße weg gingen und wohl zum Besuch des Dorfes La Faba motivieren sollten. Zusammen mit einer Mehrheit anderer Pilger ließ ich das Dorf aus und ging auf der Fahrstraße weiter, um dann hinter La Faba auf den wieder gelb markierten Bergpfad abzuzweigen. Hier traf ich Paddy, einen älteren Iren, der im gleichen Tempo wie ich ging, so daß wir ins Gespräch kamen. Je höher wir kamen, desto atemberaubender waren die Rückblicke ins unter uns liegende Val de Valcarce, insbesondere weil über uns eine Wolkenschicht lag, aber in der Ferne die Sonne ins Tal strahlte. Die Berghänge werden bis weit nach oben bewirtschaftet, meist als Weiden, aber auch zum Gemüseanbau. Unser Bergweg war, nun ja, wieder nicht so anstrengend, wie es Brierley in seinem Führer darstellt. „Ruitelán bis Fonfría (CF35)“ weiterlesen

Cacabelos bis Ruitelán (CF34)

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Müde kam ich morgens aus meinem „Kabäuschen“, räumte die Ausrüstung auf die kleine überdachte Veranda und machte mich fertig. Es regnete, es war noch dunkel, und es sah sehr trostlos aus. Zunächst ging ich eine Landstraße entlang, auf der kaum jemand unterwegs war. Bald fand ich den Weg nach rechts in Felder, die sogenannte „scenic route“ über das Örtchen Valtuille de Arriba. Hier liegen Hund und Katz begraben und im strömenden Regen hatte der Ort etwas von einer Geisterstadt. Ich fotografierte schnell mit dem iPhone, das ich dann wieder in die schützende Plastiktüte packte.

Doch bald hinter Valtuille klarte es auf, der Regen ließ nach. Hier folgte nun ein sehr schönes Wegstück, das wieder durch Weinfelder mit diesen charakteristischen, weniger als einen Meter hohen Stöcken führte. Schönes Fotomotiv, das man immer wieder in Camino-Berichten findet, war eine Art Kapelle auf einem Berg in der Ferne, von knorrigen Kiefern eingerahmt. Die Wolken gaben heute ein noch viel aufregenderes Schauspiel als bei der gestrigen Wanderung – zumindest auf dem Wegstück vor Villafranca. Zum Teil lag eine dicke Wolkenschicht über dem Tal, doch dann riß sie auf und Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg zum Boden – herrlich! „Cacabelos bis Ruitelán (CF34)“ weiterlesen

Molinaseca bis Cacabelos (CF33)

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Wie jeden Abend hatte ich meine Sachen bereits im Rucksack verstaut und nur die Kleidung draußen gelassen, so daß ich alles schnell zusammenpacken und als zweiter den Schlafraum im Dunkeln verlassen konnte, ohne die anderen zu stören. Ich war schnell draußen vor der Herberge und … stand im Regen. Als ich nach kurzer Wegstrecke stehenblieb, schloß Robin aus Neuseeland zu mir auf, die ohne Shelley unterwegs war, was dazu führte, daß wir den restlichen Tag bis Cacabelos gemeinsam gingen. Kurz vor Ponferrada fiel uns wieder auf, daß Wasserflaschen an einzelnen Grundstücken auf dem Bürgersteig standen. Wie auch in Grañon vermutete ich, daß diese für die Pilger seien. Ohne viel zu reden ging es nach Ponferrada hinein, dem Hauptort des Bierzos. „Molinaseca bis Cacabelos (CF33)“ weiterlesen