El Burgo Ranero bis Puente Villarente (CF27)

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Gerädert bin ich mit den ersten Pilgern aufgestanden, habe direkt alle meine Sachen nach draußen auf die Veranda geschafft und dort gepackt. Alles habe ich ausgeschüttelt, überprüft, aber das hilft letztlich nicht. Sinnigerweise gab es in dieser – und nur in dieser – Herberge ein Schild ausschließlich auf spanisch, auf dem die Bitte geäußert wurde, daß man sich vertrauensvoll an den Hospitalero wenden solle, wenn man Hautrötungen oder Stiche sieht… „El Burgo Ranero bis Puente Villarente (CF27)“ weiterlesen

Sahagún bis El Burgo Ranero (CF26)

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Zwar war ich erst nach 5 Uhr auf den Beinen, aber dafür sah ich auch gegen 7 Uhr noch den „Blutmond“, den die Presse bereits seit Tagen angekündigt hatte. Er stand schon tief im Westen und geleitete mich aus Sahagún heraus.
Ich hatte schlecht geschlafen, sogar ein wenig gefröstelt in dieser recht kühlen Nacht, die in den letzten Tagen des Septembers nun den Herbst ankündigte. Im Ort sah ich nur eine Bar, die jetzt schon aufhatte. Da es dort gerade sehr voll war, ging ich einfach weiter.  „Sahagún bis El Burgo Ranero (CF26)“ weiterlesen

Calzadilla de la Cueza bis Sahagún (CF25)

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Auf meinen ersten Schritten raus aus dem Ort, unter einem vollen Mond, der viel Licht gab, sprach ich ein genervtes Memo auf – endlich war dieser Samstagnacht-Alptraum vorbei. Der Mond stand noch nicht so tief, hatte aber schon eine sehr rötliche Färbung; am morgigen Montag sollte der „Blutmond“ zu sehen sein, ein großer, orangefarbener Mond so ca. um 5 Uhr. Ungefähr 10 Katzen saßen in einem Müllcontainer und schauten mich neugierig an, als ich vorbeiging.
Wie genervt und unausgeschlafen ich war, kann ich noch aus dem Audio-Memo heraushören. Ich vertauschte ständig die Namen von Orten, versprach mich immer wieder und schloß mit einem gepflegten „Ach, leck mich!“ Calzadilla, diese letzte Nacht, war der Beginn meines „Camino-Blues“, eines Stimmungstiefs, das jeden mal treffen kann. „Calzadilla de la Cueza bis Sahagún (CF25)“ weiterlesen

Villalcázar de Sirga bis Calzadilla de la Cueza (CF24)

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Meine Knie fühlten sich am heutigen Morgen gut an, also wieder frisch und ohne Frühstück los in Richtung Carrión de los Condes. Der Weg im Zwielicht des anbrechenden Tages war einfach zu gehen: immer gerade entlang der Straße auf einem Kiesweg. Beim Gehen sprach ich das Audio-Memo für den vorherigen Tag auf und man hört darin meine knirschenden Schritte in der Stille um mich herum. „Villalcázar de Sirga bis Calzadilla de la Cueza (CF24)“ weiterlesen

Itero de la Vega bis Villalcázar de Sirga (CF23)

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Die heutige Etappe hatte ich extra so geplant, daß ich nach Villalcázar kam, denn dort befindet sich eine auf den Templerorden zurückgehende Kirche, die Iglesia de Santa María la Blanca, die ich mir unbedingt anschauen wollte. Die Kirche wurde zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert gebaut, sie wirkt fast wie eine Festung. Der Ort als solcher beherbergt Pilger seit dem Jahr 1096.
In der Kirche befindet sich die „weiße Maria“, eine ebenso als wundertätig angesehene Statue wie die in Castrojeríz. Alfonso X. „El Sabio“ (der Weise) hat sich in seinen Mariengesängen (Cantigas de María) von dieser Marienstatue inspirieren lassen. „Itero de la Vega bis Villalcázar de Sirga (CF23)“ weiterlesen

Hornillos del Camino bis Itero de la Vega (CF22)

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Ich hätte ja mittlerweile alle Gründe gehabt, bei den Ghostbusters anzurufen … Ich sage nur: Klaus.
Da erzählte der gestern großspurig, er sei mit einem Kumpel auf dem Camino gewesen, sie hätten immer nur in Doppelzimmern, oft im Hotel, übernachtet, weil er es nicht abkönne, wenn soviele Leute im Raum schnarchen. Legt sich um 20:30 Uhr hin, fängt an zu schnarchen und praktiziert die ganze Nacht durch… Die Worte, die ich für Klaus im Rahmen meines Audio-Memos von diesem Tag fand, will ich hier nicht wiedergeben. „Hornillos del Camino bis Itero de la Vega (CF22)“ weiterlesen

Burgos bis Hornillos del Camino (CF21)

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Er war da! Der Tag, an dem ich aus Burgos heraus und in die weite Hochebene der Meseta laufen würde. Was verband ich mit diesem Abschnitt, was ließ mich ihn als den Kern meiner Pilgerreise begreifen?
Die Meseta wird in Pilgerkreisen gern als „harte Erfahrung“ beschrieben: baumlos sei es, man sehe nur Weite, das könne eintönig und desillusionierend werden, insbesondere wenn man unter Schmerzen leide. Man fühle sich allein, vielleicht auch verlassen, ja, die Meseta wäre ein Sinnbild des Todes, wie nach Bennett (2013) schon zitiert.
Ich verband mit ihr „Reinigung“, ich suchte diese Einsamkeit, um mich ganz mit mir beschäftigen zu müssen. Ich stellte mir kilometerlange gerade Wege vor, Stille rundherum, Wind im Haar und das Gefühl, ganz bei mir zu sein. Oje, es kam leider nicht ganz so…
Zunächst frühstückte ich schon um halb sieben im „Antifa-Café“ gegenüber der Herberge (Croissant mit Schinken), nahm Proviant mit (Bocadillo, Apfel). „Burgos bis Hornillos del Camino (CF21)“ weiterlesen

Atapuerca bis Burgos (CF20)

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Weg bis Burgos

„Meine“ Schweden packten früh zusammen, also stand auch ich auf. Eine Frau sagte mir noch, wie bewundernswert sie es fände, daß ich den ganzen Weg ab St. Jean „allein“ gehen würde. Das wäre auch ihr Traum, aber in diesem Jahr sei sie nur das Teilstück in der geführten Gruppe gegangen. Sie wolle aber für „den Rest“ wiederkommen.
In vielen Erlebnisberichten vom Jakobsweg kategorisieren die Autoren die Menschen einer jeweiligen Nationalität so, wie es oft Stereotypen entspricht. Die Deutschen kommen da nicht so gut weg, sie gelten als frühaufstehende „Plastiktüten-Raschler“ und generell als etwas förmlich und überkorrekt. Die Schweden waren so, wie ich sie in mehreren Urlauben in ihrem Heimatland kennenlernen durfte: herzlich, unkompliziert (und auch das ist pauschal ausgedrückt). „Atapuerca bis Burgos (CF20)“ weiterlesen

Villambistia bis Atapuerca (CF19)

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Die Nacht wurde so, wie man es bei kleinem Raum mit gut 20-30 Schläfern erwarten kann: neben mir (leider nicht nur örtlich zu verstehen) schnarchten mehrere Leute sehr laut. Hinzu kam, daß ich an die tote Bettwanze dachte und nicht wußte, ob hier heute nacht welche aktiv sein würden. Ich war zur Sicherheit auf ein Stockbett mitten im Raum, oberes Bett, umgezogen, aber das sollte später in Barbadelo auch kein Schutz sein: die Bettwanzen lassen sich zielgenau von der Decke auf die Schläfer fallen…
Ab 5 Uhr mußte ständig jemand auf die Toilette, ab 6 wurde gepackt.
Frühstück nach dem Motto „da ist eine Bohne ins Wasser gefallen“ gab es eher auf dem Flur und im Stehen, soll heißen, ich trank schnell etwas, packte mir etwas zum Essen ein und verzog mich mit meinem ganzen Kram nach draußen auf eine Bank neben dem Brunnen, wo ich mich im Schein der Laterne sortierte, die Schuhe anzog und wieder durch den schlafenden Ort zur Streckenführung des Jakobsweges zurückging. „Villambistia bis Atapuerca (CF19)“ weiterlesen

Grañon bis Villambistia (CF18)

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Manchem mag es übertrieben vorkommen, was ich über die Donativo-Herberge in Grañon schrieb, aber mich trieb es morgens ganz früh fort. Schnell ein Brot, eine Tasse Kaffee, Spende in die Kasse, Stirnlampe an und los. Ich merkte, daß es nun in der zweiten Septemberhälfte doch morgens wesentlich länger dunkel war. Die ersten Bilder von den wenigen Lichtern hinter mir in Grañon vor dunklem Feld machte ich gegen 7:30 Uhr – da war es noch ziemlich dunkel um mich herum. Über dem Ort lag eine geschlossene, dunkelgraue Wolkenschicht. In den Straßen von Grañon standen vor mehreren Häusern Wasserflaschen, die offenbar für die Pilger und zum Mitnehmen gedacht waren. Ob das eine (schöne) Sonntagstradition ist oder jeden Tag so gemacht wird, weiß ich nicht. „Grañon bis Villambistia (CF18)“ weiterlesen