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Mein Camino Francés 2015

Orisson bis Roncesvalles (CF8)

 

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Als ich in der Nacht bei erneut sehr unruhigem Schlaf im mit 6 Personen voll belegten kleinen Zimmer wach wurde, regnete es stark. Am Morgen ging es um 8 Uhr nach einem knappen französischen Frühstück bei dichtem Nebel los, aber zum Glück lange Zeit auf der Fahrstraße, wo man sich nicht „verlaufen“ konnte.
Gegenüber dem gestrigen steilen Aufstieg konnte ich deutlich spüren, daß es nur noch mäßig steil, dafür langgezogen bergan ging. Zu Anfang nutzten die Pilger Stirnlampen, doch langsam dämmerte es, wobei der Nebel so dicht war, daß man zum Teil nur wenige Meter schauen konnte. Es wurde wenig gesprochen, man hörte das Klackern der Stöcke – und es fühlte sich für mich in diesem Nebel so an, als würde eine verschworene Gruppe zu einer großen  Tat aufbrechen.

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Mein Camino Francés 2015

St.-Jean-Pied-de-Port bis Orisson (CF7)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Ich wachte früh auf, fühlte mich nach einer Nacht mit schlechtem Schlaf ziemlich geplättet. An einen intensiven Traum in englischer Sprache erinnerte ich mich lückenhaft, in dem eine Frau mir eindeutige Avancen machte, woraufhin ich sie mit einem „Look, I’m married“ barsch abwies. Und trotz der gelungenen Anreise gestern war ich doch irgendwie nervös – ohne Grund, aber das ist wohl etwas, das vielen Pilgern so geht: alles ist neu, eine völlig andere Lebenssituation als die, in der man noch vorgestern steckte. Oder sagen wir: eine neue Rolle im Leben, die Rolle als Pilger, die man noch nicht „spielen“ mußte oder besser: durfte.
Und dann ist man am Anfang einer Pilgerreise auch noch nicht so auf Du-und-Du mit dem Rucksack. Während man zum Ende hin auch bei völliger Dunkelheit den kleinsten Gegenstand daraus hervorzaubern kann, hat man die Packreihenfolge (nicht fest geplant, sondern sich so ergebend) zu Beginn noch nicht so im Kopf. Vor dem Frühstück packte ich alles zusammen – und plötzlich fehlte etwas. Heute weiß ich nicht mehr, was es war, irgendein kleines Etwas, aber da kam kurz Panik auf… Natürlich lag das Teil „nur“ irgendwo drunter. Also dreimal tief durchatmen…