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Verlornes Jahr – Coronabetrachtungen

„Verlornes Jahr. Die große Zeit
In kleiner Münze hingestreut.
September unterm Spinnenhaar.
Bereift. Verweint. Verlornes Jahr.“

(Eva Strittmatter)

 

Tatsächlich fühlt sich das „Coronajahr 2020“ für mich wie ein verlorenes Jahr an. Verlust heißt für mich v.a. Verlust von Lebensqualität. Das fängt klein an bei Abstands- und Maskenregeln, geht aber schnell zum „großen Verlust“, nämlich dem des Reisens. Ich brauche das Reisen als Ausgleich zu meiner Arbeit – und Reisen ist nur bedingt „Ostsee“ oder „Lüneburger Heide“ oder „Zeeland“, es sind doch die wärmeren, südlicheren Gefilde, die mir die Erholung bringen (und wenn ich an meine Caminos denke oder Fuerteventura – soviel mehr als nur „Erholung“: Weite, Freiheit, Tiefe, religiöses Erleben…).

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Schweigeexerzitien im Kloster 2020 (Mystik 5)

Über meinen Aufenthalt im Kapuziner-Kloster Irdning bei Stainach in der nordwestlichen Steiermark im Jahr 2018, habe ich in zwei Beiträgen bereits etwas geschrieben. Die für 2019 geplante Wiederholung mußte wegen der Erkrankung und des folgenden Todes meiner Mutter ausfallen. Daher war ich nun, in der Fastenzeit 2020, erneut in Irdning für zehntägige Schweigeexerzitien und Kontemplation nach der Methode von Franz Jalics.

„Überschattet“ wurden die Tage durch die anrückende Coronavirus-Pandemie, die in Österreich bereits größere Wellen erzeugte – man denke an die Tiroler Skigebiete, wo das Virus sich großartig vermehren konnte… Im Kloster erhielt man unter der Woche Anweisung, daß keine Mundkommunion gegeben werden, daß die Hand nicht zum Friedensgruß gereicht werden dürfe. Als ich nach Deutschland zurückreiste, wurde mir bereits auf der Autobahn angezeigt, daß ich als „Österreich-Heimkehrer“ (war ich da im Krieg?) zwei Wochen Quarantäne halten solle.  

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Verordnetes Gemeinwohl

Für die ZEIT gräbt Michael Ebmeyer den Anarchisten Pjotr Kropotkin und dessen Werk „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ aus. Darin schaut Kropotkin auf das Tierreich und die Menschheitsentwicklung und stellt fest, daß es immer für alle gut war, wenn man sich organisiert und in Gemeinschaften zur gegenseitigen Hilfe zusammengeschlossen hat. Trotz Kriegen und vehement verfolgten Partikularinteressen sei den Menschen das „Gefühl für die Solidarität“ nicht abhanden gekommen.

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Coronavirus und Lebensreform

Covid-19, schlicht „Corona“ genannt, hat uns im Griff, mehr oder weniger. Ich las neulich den Spruch, daß Verständnis für aufgezwungene Maßnahmen (Kontaktsperren, Maskenpflicht…) und Unverständnis oft nur „einen Todesfall in der eigenen Familie“ auseinanderlägen. Das mag sein, auch wenn der Spruch doch sehr plakativ ist. In der Tat spüre ich auch bei mir diese große Diskrepanz im Empfinden: da sind die hohen Todesfallzahlen z.B. aus Italien, andererseits liegen wir in unserem Landkreis bei konstant um die 200 Infizierten – und auch dorthin war es ein langsamer Anstieg mit sehr wenigen Toten. Dazu lese ich konträre Berichte: über die „leerstehenden“ Krankenhäuser, in Überzahl vorhandenen Intensivbetten, über den „schwedischen Weg“. Weiterhin gibt es die Dinge, die man so einfach nicht ansprechen darf oder kann, so z.B. der Weg über möglicherweise viele Tote hin zu einer „Durchseuchung“ und folgenden „Herdenimmunität“ der Gesellschaft. „Ich bin kein Virologe, aber…“ – das hört man dieser Tage oft, und ich möchte diese Floskel eher vermeiden.