Querdenkende Lebensreformer?

Die Lebensreform wird gerade – wie hier schon angesprochen – dazu benutzt, die Querdenker-Szene zu verorten, was auch im Umkehrschluß ein schlechtes Licht auf Bereiche und Personen der historischen Lebensreform wirft.

So schreibt Frau Gutzeit für den Deutschlandfunk über die „ersten Querdenker“, die vor 100 Jahren schon Impf- und Demokratiegegner gewesen seien. (Letzteres durften sie sein – sie lebten in einem Kaiserreich…) Dabei bezieht sie sich auf Steffen Greiners Buch „Die Diktatur der Wahrheit. Eine Zeitreise zu den ersten Querdenkern“. Das Werk (Tropen-Verlag, 2022) ist gerade erschienen, so daß es noch nicht viele Rückmeldungen oder auch Rezensionen auf Amazon gibt.

Kurz zu einem Aspekt des Beitrags: Greiner sehe die Lebensreformer kleinbürgerlich-reformatorisch, die Querdenker als „apokalyptisch-revolutionär“. Damit trifft er eine Unterscheidung, die mir nachvollziehbar erscheint, Frau Gutzeit aber nicht so liegt.

In der Siebenbürgischen Zeitung gibt es immerhin eine „Entgegnung auf Greiner“, die aber auf einen früheren Spiegel-Artikel gemünzt ist und fokussiert auf Gusto Gräser.

Ich hatte in meinem o.e. Artikel angekündigt, über den Jahreswechsel 21/22 Speits „Verqueres Denken“ zu lesen und hier kurz zu rezensieren, bevor ich mich dann mit Greiner befassen wollte. Ich habe Speit gelesen, mich durchgekämpft, aber die Motivation reichte nicht mehr für einen Beitrag hier. Nachtrag: Habe mich zusammengerissen und ein paar Stunden investiert.

Hinzu kommt, daß ich schlichtweg keine Lust habe, für Greiners Buch jetzt 20€ hinzulegen.

Wahlspruch (Gusto Gräser)

Treu mir selbst, dem guten Geiste,
der in meinem Leibe wohnt,
der mit göttlich hoher Freude
jede gute That mir lohnt.

Treu dem Weiser, dem Gewissen,
das mir immer Antwort sagt,
daß sich nicht in Wurmes Weise
meine Seele krümmt und plagt.

Unerbittlich treu dem Führer,
der im Geist mich überschwebt,
der mit seines Geistes Stärke
meine Seele neu belebt.

Wien, 10. Mai 1898
(Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Vermischte Hinweise

Der Deutschlandfunk über die Obstbausiedlung Eden, schon etwas älter, aber gut geschrieben mit Stimmen aktueller Edener.

Die Darmstädter Mathildenhöhe will Weltkulturerbe werden, dazu ein älterer Bericht beim Deutschlandfunk und der Hinweis, daß sie nun auf der Vorschlagsliste für 2019 steht.

Weiter beim Deutschlandfunk, da gibt es offenbar ein Podcast-Transkript von Thilo Schmidt zum Thema Lebensreformer, Prediger und Jesus-Imitatoren: – Der alte Link war verschwunden; hier ist der Text nun zu finden – Warten auf den Messias.

Die NZZ verweist auf die Ausstellung: Eine Berliner Ausstellung erzählt die Geschichte, wie die Maler das Wandern entdeckt haben.
Alte Nationalgalerie Berlin, bis 16.9.18

Und eine weitere Ausstellung in Berlin, diesmal im Historischen Museum und bis zum 6.1.2019: Europa und das Meer.
Hier eine Bildergalerie und hier ein Bericht der NZZ. Von den Römern und Griechen bis hin zum Flüchtlingsdrama spannt sich der Bogen. Es geht um die Ausbeutung der Meere, um die Meere als Sehnsuchtsort und die Menschen, die für ihre Träume auch das Leben lassen mußten, Zitat: „Das Meer ist demokratisch, es nimmt jeden.“

1900 (P. Michalzik)

Es gibt ein neues Buch, das sich der vorletzten Jahrhundertwende widmet: „1900“ von Peter Michalzik, untertitelt: „Vegetarier, Künstler und Visionäre suchen nach dem neuen Paradies“.
Das Buch ist vorgestern erschienen und z.B. über Amazon erhältlich. Rezension auf dieser Plattform gibt es noch keine.

Im Deutschlandfunk interviewte Andrea Gerk den Autor, was hier nachlesbar ist. Der Fokus des Gesprächs lag auf dem Monte Verità.
Michalzik ist Journalist und Theaterkritiker. Inspiriert zum Buch habe ihn die Suche der damaligen Menschen nach dem „guten Leben“, etwas, das ich für mich auch gerne mit diesem Begriff formuliere, das gute Leben. Nebenbei erwähnt Michalzik, daß er sich beim Schreiben gleichsam in Franziska von  Reventlow „verliebt“ habe, etwas, das ich auch gut nachvollziehen kann, fasziniert mich diese Frau doch auch – was mich gleich wieder daran erinnert, daß ich die neu herausgegebenen Tagebücher noch lesen möchte.

Beim Dumont-Verlag gibt es eine Leseprobe aus dem Buch.

Sollten mir weitere Rezensionen des neuen Buches von Peter Michalzik „über den Weg laufen“, pflege ich sie hier ein.

Nachtrag: Am 6.4.18 liest Michalzik in Köln aus seinem Buch, Infos nicht mehr online (2021).

Das Sonnenfest (Roman)

2016-10-24-08-51-44Zum Literaturfestival Eventi letterari auf dem Monte Verità gab es im Deutschlandfunk einen Beitrag: Monte Verità, Literatur und Legenden, Oliver Prange im Gespräch mit Hajo Steinert (Audio abrufbar bis ca. Nov. 16)

Durch den Beitrag wurde ich auf den Roman Das Sonnenfest von Oliver Prange aufmerksam, der die „wahren Begebenheiten“ auf dem Monte Verità schildert. Das Buch ist ab jetzt lieferbar – mein Exemplar liegt schon lesebereit neben mir. 🙂

Mut zur Muße (Buch)

Der Deutschlandfunk stellt kurz Stephan Grünewalds Buch „Mut zur Muße – Die erschöpfte Gesellschaft“ vor.

Zitat: „Wir brauchen wieder eine andere Rhythmik im Alltag von Innehalten und Betriebsamkeit. Innehalten ist etwas total Schöpferisches, das ist nicht vertane Zeit. Wir brauchen wieder den Mut, nicht direkt aufzustehen, wenn der Wecker klingelt, sondern: Wir bleiben mal eine Viertelstunde liegen und dösen. Und spüren mal nach: Was hat sich da ereignet?“