Film: Monte Verità: Der Rausch der Freiheit – Kurzrezension

Als ich vom Projekt des Monte-Verità-Films erfuhr, war ich gleich begeistert und habe eine Info-Seite erstellt. Nach Premiere und Kinostart habe ich die Eindrücke der Presse eingepflegt und so ein Bild vom Film erhalten, mithin eine Erwartungshaltung. Ist der Film wirklich „nah am Kitsch“, wirkt die weibliche Hauptrolle „schablonenhaft“?

Am 6.5.22 war der Film zu Kauf und Ausleihe auf iTunes (und vermutlich anderen Portalen) verfügbar. Hier meine Eindrücke:

Was ist mit dem Rausch der Freiheit aus dem Untertitel? Den erlebe ich im Film nicht. Was ich erlebe, ist die Fotografinnenausbildung der Hanna Leitner, die als Mensch durchgängig auf Distanz zum Gesamtprojekt Monte Verità ist, doch nicht unbedingt zu einzelnen Personen. „Film: Monte Verità: Der Rausch der Freiheit – Kurzrezension“ weiterlesen

Monte Verità – der Film – jetzt im Kino

Der gestrige 16.12.21 war der offizielle Kinostart für den Schweizer Film über die Aussteigerkolonie auf dem Monte Verità. Ich habe vor einiger Zeit eine Info-Seite über den Film angelegt, auf der ich auch einige Pressereaktionen zusammengetragen habe. Leider kenne ich den Film selbst noch nicht.

–> Infoseite: Monte Verità von Stefan Jäger (Der Rausch der Freiheit)

Monte Verità – Film von Stefan Jäger (2021)

(Dieser Kurzbeitrag entstand Anfang Juni 2021; neue Infos und Details werden nachträglich eingepflegt.)

Was: Vor den historischen Ereignissen im Jahr 1906, sechs Jahre nach Gründung der Kommune auf dem Monte Verità, wird die fiktive Hauptperson Hanna Leitner gezeigt, eine Wienerin, die sich zwischen bürgerlichem Leben (Ehemann Anton, zwei Kinder) und Tätigkeit als Künstlerin entscheiden muß. Über den Therapeuten Dr. Otto Groß kommt sie zum Monte Verità.
Hier ist der Trailer von Juni 2021 zu sehen.

Wer: Produziert wurde der Film von Katrin Renz und weiteren Personen, eine schweizerisch-österreichisch-deutsche Koproduktion.
Regisseur ist Stefan Jäger, Drehbuch Kornelija Naraks, Kamera Daniela Knapp
Es spielen: Joel Basman – Hermann Hesse | Max Hubacher – Dr. Otto Groß | Maresi Riegner – Hanna Leitner | Julia Jentsch – Ida Hofmann | Michael Finger – Henri Oedenkoven | Hannah Herzsprung – Lotte Hattemer und weitere

Wann: Der Film startete am 26.8.21 in den Schweizer Kinos. Premiere war am 1. August 21 auf dem Filmfestival von Locarno (Salzburger Nachrichten). Gedreht wurde er von August bis Oktober 2020 mit Verzögerungen durch Covid-19.
Der Start in deutschen Kinos war am 16. Dezember 2021.

Wo: Drehort war unter anderem Cannobio am Westufer des Lago Maggiore sowie im Valle Maggia. Die „Casa Centrale“ wurde dort nachgebaut.

Weitere Infos: Wikipedia-Seite des Films | Monteverita.net |

Filmplakat: Monte Verità von Stefan Jäger

Die Presse: Nach der Premiere gab es am 1. Augustwochenende Berichte in schweizerischen Zeitungen, aber alle hinter Pay Wall oder nur mit Registrierung lesbar. Ich konnte erkennen, daß ein Kritikpunkt am Film war, daß er zu „schematisch“ bleibe. RemoNews schreibt, Jäger habe ein „großartiges historisierendes Tableau“ erschaffen. Die Kameraarbeit Knapps wird gelobt, ebenso bei der Neuen Zürcher Zeitung. Dort heißt es zur Figur der Hanna, daß man sich gewünscht habe, „sie dürfte Frauenschicksale ihrer Zeit weniger schablonenhaft repräsentieren“. Und: „Das Portrait dieser Lebensreformbewegung (…) bleibt Stückwerk samt den historischen Figuren, trotz starker Besetzung“. In der Süddeutschen heißt es, der Film erzäle die „reiche Geschichte“ des Monte Verità nur marginal, während die Figur der Hanna „manchmal nah am Kitsch“ im Vordergrund stehe. Es werde im Film „vor allem ein sinnliches Bild“ vermittelt.
Bei der Nachbetrachtung zu den Preisen beim Filmfestival von Locarno fällt auf, daß Monte Verità da nicht bedacht wurde. Zitat: „Der Schweizer Film «Monte Verità» von Stefan Jäger war hingegen eher ein Flopp. Zu viel Kitsch und zu wenig Zündstoff warf man dem Film vor.“

Es entsteht aus den Presseartikeln nach der Premiere das Bild eines opulenten, hervorragend gefilmten und mit eindringlicher Musik unterlegten Films, bei dem die Rolle der Hanna als künstlich implantiert scheint und auch die Dialoge etwas oberflächlich bleiben. Ich bin trotzdem gespannt…

Zum Kinostart am 16.12.21 fand sich auch in den deutschen Medien der eine oder andere Artikel zum Film. Die RP kritisiert die ungelenken Zeitsprünge im langatmigen ersten Teil des Films, der zum Schluß hin dichter und stringenter werde. Schönes Zitat am Ende des Textes: „Auch Hanna zieht am Ende weiter, aber sie ist nicht mehr die gleiche wie zu Beginn des Films.“ 
Laut Tagesspiegel „wuchert“ Hannas Geschichte „mit Atmosphäre“, wo andere Bereiche des Films holzschnittartig wirken. Zitat: „Die Kamera hängt an den Gesichtern der drei Frauen Ida, Hanna und Lotte, schwelgt in flatternden Haaren, wogenden Grashalmen und rauschenden Blättern. Ein Zustand paradiesischen Einsseins.“
Die SZ ist (nun) voll des Lobes für die Darstellerin der Hannah: „Die Darstellerin von Hanna, Maresi Riegner, vermittelt die Gefühle ihrer Figur mit atemberaubender Präzision.“ Bis zum Ende des Films habe man zudem „begriffen, dass Autonomie nicht von selber kommt: Ein Wille muss erkennbar sein.“ 
Ähnlich Blickpunkt:Film, wo das besondere Gesicht der Maresi Riegner hervorgehoben wird, das der Zuschauer sich erst einmal „erobern“ müsse. Zudem sei die „Versuchsanordnung“ des Films sehr spannend: im Hintergrund wirkten v.a. Frauen, aber Regie führte ein Mann mit „weiblichem Blick“- „spannend, gelungen, wegweisend, klassizistisch im Stil, revolutionär in der Umsetzung“.
Sehr interessant der Beitrag in der WELT, der auch auf die Widersprüche des Aussteigerprojektes eingeht. Matthias Heine resümiert: „… als psychologisches Kammerspiel, als eine Art Ibsen light mit Happy End, funktioniert der Film ja. Wer mehr wissen will, sollte das Monte-Veritá-Kapitel in Andreas Schwabs gerade erschienenem Buch „Zeit der Aussteiger“ lesen. Er mag sich dann fragen, ob die Geschichte im Kino nicht noch interessanter geworden wäre, wenn sie ein paar mehr Härten und Lügen aus der Wirklichkeit übernommen hätte.“
Portrait M. Riegner Wienerzeitung 

Persönliche Bemerkung (Juni 21): Allein der Trailer versetzt mich in große Spannung mit entsprechender Erwartungshaltung. Auch als Mann erkenne ich mich in der Protagonistin wieder, in ihrem Wunsch nach der anderen, der künstlerischen Welt, abseits vom Zwang des Alltags – und hier auch des Ehemannes. Ich habe selbst intensiv fotografiert, was mir Hanna Leitner sympathisch macht. Ich kann kaum erwarten, den Film zu sehen, auch wenn die Gesamtheit der gelesenen Rezensionen meine Spannung etwas gedämpft hat. 

Nachtrag 16.12.21 – Ja, ich lebe in der „Kino-Provinz“. Kein Kino der beiden größeren Städte hier zeigt den Film ab heute… 

Maria Magdalena (Film 2018)

Wer war Maria Magdalena? Würde ich mich auf das beziehen, was mir in meiner katholischen Erziehung so vermittelt wurde, dann wäre sie auch heute noch für mich die typische Sünderin, die Prostituierte. Diese Sichtweise hat eine lange Tradition, sie geht auf das Ende des 6. Jahrhunderts und Papst Gregor den Großen zurück. Nie ist mir damals aufgefallen, daß Maria Magdalena (fortan MM) der erste Mensch war, der lt. dreien der vier kanonischen Evangelien den auferstandenen Jesus gesehen hat. Sie ist, wie der Untertitel des Buches von C. Bourgeault lautet, „the woman at the heart of Christianity“.
Die Kirche tat sich schwer mit dieser Frau (bzw. tut dies mit Frauen allgemein); immerhin wurde MM 2016 als „Apostelin der Apostel“, einer Bezeichnung, die Hippolytus schon im 4. Jahrhundert geprägt hatte, bekräftigt und liturgisch den Aposteln gleichgestellt, wie es bei der Wikipedia heißt. Die Mühlen mahlen langsam. „Maria Magdalena (Film 2018)“ weiterlesen

Gedanken zu: Amon Barth – Einfach loslassen

Amon Barth hat an der Filmakademie Baden-Württemberg seinen Diplom-Film vorgelegt, der im Oktober 2017 beim Südwestrundfunk ausgestrahlt wurde. Doch der Titel „Einfach loslassen – Weniger besitzen als Lebensentwurf“ ist vielleicht ein wenig irreführend, denn es geht um viel mehr als nur die Anzahl materieller Dinge, mit denen man sich umgibt.

Ausgangspunkt ist vor allem die Gefühlswelt des Regisseurs, der viele Dinge in Wohnung und Keller gehortet hat, aber auch viel innerlichen Ballast mit sich herumschleppt. Wenn er davon erzählt, wie er als Kind fast jede Woche neue Spielzeugautos bekam, oder auch von Frustkäufen berichtet, dann kann ich das sehr gut nachvollziehen: auch meine Kindheit war materiell mehr Haben als Sein. Mag sein, daß es daran liegt, daß man als Kind der späten Sechziger in eine Zeit hineinwuchs, in der die Eltern sich beruflich etabliert hatten und die gesamte Gesellschaft vom Wirtschaftswunder prosperierte. Ich habe dieses „Viel-Besitzen“ nie in Frage gestellt. Erst als ich mit einer Freundin auf dem elterlichen Speicher war und sie die Kisten voller Playmobil und Lego sah – und dabei zu weinen begann, weil sie nie soviel wie ich als Einzelkind gehabt hatte, da begann ich, meine Lebenswelt in Frage zu stellen.  „Gedanken zu: Amon Barth – Einfach loslassen“ weiterlesen

Wunder der Lebenskraft

Vor längerer Zeit wurde ich auf das Filmprojekt „Wunder der Lebenskraft“ aufmerksam. Der Filmemacher (Stephan Petrowitsch) geht dem Phänomen der Lebenskraft nach, die z.B. als Chi oder Kundalini benannt wird. Sie sei das Medium der Heiler und Schamanen rund um die Welt. Stärkt man die Lebenskraft, gehe es dem Menschen besser, ansonsten wird er schwächer.

Dieser Film wurde bislang in ausgewählten Kinos gezeigt, ist nun aber auch als DVD zu erwerben (Standard-Version, Bonusmaterial, Soundtrack…) unter DVD-Wissen.com.
Vorschaufilmchen (Trailer) gibt es hier.

Wege zu Kraft und Schönheit (Film)

1925 kam der UFA-Film „Wege zu Kraft und Schönheit“ von Wilhelm Prager in die Kinos. Kraft und Schönheit, zwei programmatische Begriffe für die ersten Dekaden des letzten Jahrhunderts. „Wege zu Kraft und Schönheit (Film)“ weiterlesen