Fonfría bis Samos (CF36)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Auch heute war ich wieder etwas später dran: ich ließ die anderen einfach schon mal „losrödeln“, während ich noch gemütlich im Schlafsack liegenblieb. Gegen 7 Uhr war ich in der Bar zum Frühstück, das ein wenig nervig wurde, weil auf engem Raum soviele Leute gleichzeitig ihr „desayuno“ haben wollten, die Hospitalera nicht nachkam und uns drei an der einen Seite der Theke immer wieder übersah. Aber man hat ja als Pilger keine Eile…

An drei „Morgenstimmungen“ während meines Caminos erinnere ich mich ganz besonders. Das war zum einen der Sonnenaufgang beim Verlassen von Hornillos del Camino in der Meseta, zum anderen der kurz vor León und dann dieser Morgen, der fast schon mystisch zu nennen war. Tief in den Tälern lag Nebel, aber die Berghänge darüber waren frei – und über allem ging nun satt orange die Sonne auf. Wo ich gerade bei Erinnerungen bin: den in diesem Sinne schönste Ausblick durfte ich 1987 am Gebirgszug des Rosengartens auf dem Santnerpaß-Klettersteig erleben. Dichte weiße Wolken lagen im Tal, darüber nur blauer Himmel und die Wärme der Sonne.

Es war ein herrliches, beschwingtes Bergab-Laufen, wobei mir zunächst die junge Deutsche von gestern Gesellschaft leistete, die aber schon sehr früh Halt bei einer Bar machte. Sie wirkte „suchend“ auf mich, nach etwas, nach einer Person, ich habe es nicht in Erfahrung bringen können. Es war natürlich komisch, wenn man gerade mal 30 Minuten ab Herberge unterwegs war und schon (wieder) an einer Bar stoppte. 
Ich fotografierte viel, sah mich satt an den Farben und dem Grün der Wiesen. „Fonfría bis Samos (CF36)“ weiterlesen

Ruitelán bis Fonfría (CF35)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Heute also – nach erholsamem Schlaf und für mich spätem Frühstück gegen 8 Uhr in der Bar – eine Bergwanderung, die zunächst zum O’Cebreiro hochführen sollte. Die Bergkette zwischen meinem Standort und Galizien ist der Ausläufer der Cordillera Cantabrica, also dem kantabrischen Gebirge, das das „grüne Spanien“ Galiziens und Asturiens von den teils öden Hochebenen der Meseta Kastiliens und Leóns trennt. Konkret heißt dieser Bergzug wohl Sierra de los Ancares bzw. Sierra de Caurel, und mein erstes Ziel, O’Cebreiro, lag auf 1300m.

Da ich heute spät dran war, wanderte ich mit relativ vielen Pilgern gemeinsam, die früher als ich in den anderen Orten talabwärts aufgebrochen waren, auf der Fahrstraße bergan. Bald diskutierten wir untereinander, weil die Pfeile von der Straße weg gingen und wohl zum Besuch des Dorfes La Faba motivieren sollten. Zusammen mit einer Mehrheit anderer Pilger ließ ich das Dorf aus und ging auf der Fahrstraße weiter, um dann hinter La Faba auf den wieder gelb markierten Bergpfad abzuzweigen. Hier traf ich Paddy, einen älteren Iren, der im gleichen Tempo wie ich ging, so daß wir ins Gespräch kamen. Je höher wir kamen, desto atemberaubender waren die Rückblicke ins unter uns liegende Val de Valcarce, insbesondere weil über uns eine Wolkenschicht lag, aber in der Ferne die Sonne ins Tal strahlte. Die Berghänge werden bis weit nach oben bewirtschaftet, meist als Weiden, aber auch zum Gemüseanbau. Unser Bergweg war, nun ja, wieder nicht so anstrengend, wie es Brierley in seinem Führer darstellt. „Ruitelán bis Fonfría (CF35)“ weiterlesen