Die Schlinge zieht sich zu

Frankreich hatte bislang eine Impfpflicht für Pflegepersonal. Gestern gab Macron bekannt, daß künftig „Gesundheitspersonal“ geimpft sein muß – im Grunde jeder, der mit alten und kranken Menschen arbeitet. Dafür haben die Menschen bis 15.9. Zeit, danach gibt es Sanktionen: keine Beschäftigung, kein Geld…, wie Gesundheitsminister Véran bestätigt hat: „les soignants non vaccinés au 15 septembre ne pourront plus travailler et ne seront plus payés“
Der Ansturm am gleichen Tag auf das Online-Terminbuchungssystem Doctolib war immens…
In Deutschland hatte Söder das bereits vorgeschlagen, kam aber offenbar damit nicht durch. Er wird jedoch nicht müde, nachzulegen: „Ohne Impfen keine Freiheit!“

In Griechenland dürfen Ungeimpfte künftig keine Innenräume von Gaststätten und Kulturbetrieben betreten. Auch hier wird eine Impfpflicht für Personal in Altenheimen eingeführt. Malta läßt ab 14.7. keine Ungeimpften mehr ins auf die Insel.

Der Chef der rheinland-pfälzischen Kassenärztlichen Vereinigung, Heinz, sagte der Rhein-Zeitung u.a., Ungeimpfte sollten nicht mehr in den Urlaub fahren dürfen. Heinz wörtlich: „Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit, ihre Maske abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen.“
Besonders perfide der Satz: „Wer Ungeimpften Freiheiten zurückgibt, verspielt die Chance, alle Menschen mit der Impfung zu erreichen.“
Natürlich weisen alle Medien darauf hin, daß Heinz eine „Impfpflicht“ ablehne… Er selbst ist bzgl. der Schärfe seiner Aussagen drei Tage später etwas zurückgerudert (Link bei Saarbrücker Zeitung nicht mehr online auffindbar, 10.11.21).

In diesem Sinne wird die Maske zur neuen Armbinde, zum sichtbaren Zeichen dafür, daß dieser Mensch zur Gruppe der Unerwünschten gehört. In diesem Sinne fragt man bei AchGut nach, ob diese Aussagen denn schon als Volksverhetzung zu werten sein könnten. In einem weiteren Artikel schreibt Alexander Meschnig dazu: „Im Prinzip müsste der Mann in einer funktionierenden Demokratie am nächsten Tag in meinen Augen seinen Schreibtisch räumen.“
Im Text vergleicht Meschnig die Impfung mit der Heiligen Kommunion; die Impfung als Erlösung, als altruistischer Akt… Er kommt zum Schluß, daß wir gerade die „vollkommene Entkopplung des Corona-Diskurses von der Wirklichkeit“ erleben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nacktheit als Widerstand?

Laut der Bietigheimer Zeitung / Südwest-Presse boomt der Nudismus in Frankreich. Ob dem wirklich so ist, mag dahingestellt sein. Nur  weil man in Paris einen Bereich für die Freikörperkultur reservieren will, was vielen Zeitungen eine Meldung wert war, boomt das noch lange nicht. Da klingt wohl eher Paris – Stadt der Liebe – usw. mit.
Andererseits stellt die o.g. Zeitung im Artikel die Vermutung auf, daß Nacktheit für junge Frauen angesichts der Burka-Diskussion ein Akt der Rebellion sein könnte. Man wolle sich nicht vorschreiben lassen, wie man sich zu verhüllen habe – und ließe daher alle Hüllen fallen. Das ist in der Tat eine interessante Sichtweise.

Versuchung

Am Rande aufgeschnappt und drüber nachgedacht, so könnte ich das formulieren. Die französische Version des Vater Unsers wird an einer Textstelle, nämlich da, wo es um Versuchung geht, abgeändert.
Da fiel mir auf, daß ich früher, als ich das Vater Unser noch betete, auch immer ein komisches Gefühl bei der Stelle „Und führe uns nicht in Versuchung“ hatte, denn ich fragte mich, wieso und inwiefern mich Gott absichtlich in Versuchung führen sollte. Interessant im Rückblick, daß dies nie Thema war – ich habe ja alle katholischen Riten durchlaufen und 13 Jahre Religionsunterricht gehabt.

Jetzt ändert sich in der französischen Version folgendes: aus „Et ne nous soumets pas   la tentation“ (ungefähr: Und unterwerfe / unterziehe uns nicht der Versuchung) wird „Et ne nous laisse pas entrer en tentation“, also „Und laß uns nicht in Versuchung geraten“. Der Artikel bei La Vie erklärt in nicht zu schwerem Französisch, was zu der Veränderung geführt hat. In Kürze: Es ist de facto nicht Gott, der die Menschen in Versuchung führt, sondern Menschen „versuchen“ Gott, indem sie anmaßend sind, sich für Gott halten oder an Gott zweifeln. Um diese Art der Versuchung, des Zweifels, geht es.