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Wallfahrt

Ich würde sagen, daß ich „pilgererfahren“ bin nach gut 1000 Kilometern auf Jakobswegen in Spanien. Aber wie ist das mit dem Wallfahrten?
Wenn ich den Begriff Wallfahrt höre, denke ich an die Schiffahrten als Kind den Rhein herauf bis nach Bornhofen – zum Franziskaner- und Wallfahrtskloster.

Das Gnadenbild in Bornhofen ist eine Pietà aus dem 15. Jahrhundert. Spannend finde ich, daß es sehr dem aus der Klosterruine Hausenborn (bei Isenburg an der Sayn) gleicht – und auch diese Kirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts eingeweiht. Allerdings gab es wohl schon eine Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert an gleicher Stelle in Bornhofen, der man Wunder zuschrieb. Die frühesten Wallfahrten nach Bornhofen sind für 1585 und 1610 bezeugt, danach begann die kirchliche Reglementierung dieser Wallfahrten.

Die Wallfahrten nach Bornhofen starten im Januar und gehen bis in den Oktober. Fast jeden Tag ist eine andere Gemeinde aus dem Mittelrheintal und den anliegenden Mittelgebirgen an der Reihe. Die nördlichsten Wallfahrer kommen m.W. aus Bonn und Grafschaft. Die Besonderheit sind eben diese Schiffswallfahrten, für die im 19. Jahrhundert eigens das Wallfahrtslied „Geleite durch die Wellen“ geschrieben wurde. Die Wallfahrt nach Bornhofen gehört zu den ältesten im Rheinland (Wikipedia).

Meine Erinnerung ist die, daß dieser Wallfahrtstag im Grunde die einzige Unternehmung war, die ich alleine mit meiner Oma väterlicherseits unternahm. Sie wohnte zwar gleich im Haus neben uns, aber mein Verhältnis zur Oma mütterlicherseits war viel enger. Ich kann mich erinnern, daß es vor allem alte Leute waren, die z.T. mit ihren Enkeln diese Wallfahrt machten. Auch ich war nicht alleine, sondern hatte Freunde dabei. Zwar gingen wir auch mit in die Kirche (vor dem Mittagessen), aber die Andacht nach dem Essen „schenkten“ wir uns – wir zogen durch Bornhofen und schauten, „was da so geht“. Und das war nicht viel. 

Wie unterscheiden sich Wallfahrt und Pilgerfahrt? Im Grunde gar nicht, denn auch die Wallfahrt heißt auf lateinisch peregrinatio religiosa. In Wallfahrt steckt das Wort „wallen“, das für „wandeln“, „wedeln“ im Sinne von (unstet) hin- und herbewegen steht.
Sie besteht aus dem Besuch eines Pilgerortes, den man zu Fuß oder mit einem Transportmittel erreicht.
Dennoch gibt es Unterschiede: die Wallfahrt ist eine speziell katholische Tradition, die hauptsächlich auf die Marienverehrung ausgerichtet ist. Die Wallfahrt wird zudem immer in einer Gruppe unternommen. Oft haben die Teilnehmer eine konkrete Motivation, z.B. Heilung von Krankheiten. Zudem ist die Wallfahrt in der Regel eine kurze Reise; die Pilgerschaft kann Jahre dauern. Manche Personen vertreten im Netz die Meinung, das seien keine wirklichen Unterschiede, Wallfahrt und Pilgerfahrt seien identisch. Das sehe ich anders: für mich ist schon ein deutlicher Unterschied anhand der o.g. Kriterien zu sehen. 

Wieso komme ich nun auf das Thema der Wallfahrt? Weil ich nach meinen Pilger-Abenteuern von einem Bekannten zu einer Marienwallfahrt im nächsten Jahr eingeladen worden bin. Dabei sollen in einem Nachtmarsch insgesamt 45 Kilometer zu Fuß überwunden werden, um pünktlich zum Hochamt an der Wallfahrtskirche ankommen zu können. Ich will hier und heute noch nicht mehr darüber erzählen, außer: einen meiner beiden Rosenkränze habe ich dort erstanden. Es wäre eine schöne Geste, ihn zu Fuß wieder dorthin zu tragen. Ob ich teilnehme an dieser „Extremwanderung“ zu dritt, weiß ich noch nicht genau, aber es ist ein vielversprechendes Angebot.