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Neues vom Kokovoren

Als ich letztes Jahr bereits über August Engelhardt, den „nackten Kokovoren“, berichtete, d.h. konkret über den Roman von Marc Buhl, wußte ich nicht, daß auch Christian Kracht einen solchen über Engelhardt in Arbeit hatte. Zwischenzeitlich ist „Imperium“ bei Kiepenheuer & Witsch erschienen (und ich habe irgendwo aufgeschnappt, Buhl habe Plagiatsvorwürfe erhoben).

Eine ansprechende Rezension von Felicitas von Lovenberg findet sich bei der FAZ. Kracht belebe mit seiner Geschichte um den „Ritter der Kokosnuß“, über der ständig eine große Heiterkeit liege, das Genre der Abenteuerromane neu. Anders sah das wohl Herr Diez vom Spiegel, dessen Kritik am Buch in der Aussage gipfelte, es sei von Anfang an von einer „rassistischen Weltsicht“ durchdrungen (Dradio). Zur Rezeptionsgeschichte findet man etwas im Wikipedia-Eintrag. Kracht äußert sich kaum zur Kritik, er möchte sein Werk ungern diskutieren, schreibt die SZ zu einer Lesung des Autors in München. Nachdem sich der „Sturm“ um das Buch in den letzten beiden Monaten gelegt hat, mag man vielleicht noch Volker Weidermanns „Notizen zu Kracht“ lesen: Was er will. Er fragt nach dem Kern in Krachts Büchern, der wiederkehrenden Formel, und findet die „Erschütterung“. Er zitiert aus Krachts erstem Roman „Faserland“ eine kurze Passage, die ich hier wiedergeben möchte, weil sie intuitiv für mich das ausdrückt, was mein Interesse an Krachts Werk ausmacht:

„Und die Menschen sitzen in der Sonne, an den Neckarauen. Das heißt tatsächlich so, das muß man sich mal vorstellen, nein, besser noch, man sagt das ganz laut: Neckarauen. Neckarauen. Das macht einen ganz kirre im Kopf, das Wort. So könnte Deutschland sein, wenn es keinen Krieg gegeben hätte und wenn die Juden nicht vergast worden wären. Dann wäre Deutschland so wie das Wort Neckarauen.“

Heute ist Imperium bei mir eingetroffen – und ich freue mich auf die Lektüre, nachdem ich schon in der Kindle-Edition probegelesen habe.

Nachtrag: Besprechung bei der Bündischen Vielfalt sowie Wir können Kokos.

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Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille

Der 1875 geborene August Engelhardt kam früh mit Idealen der Lebensreformbewegung (Vegetarismus, Nudismus …) in Kontakt. Gerade was den Nudismus anging, erlebte er im Kaiserreich rechtliche Beschränkungen, die er durch Auswandern aufheben wollte. 1902 begab er sich in die Südsee, konkret auf die kleine Insel Kabakon in Neuguinea. Er siedelte als einziger Weißer dort und ernährte sich ausschließlich von Kokosnüssen, was er Kokovorismus nannte. Ihm folgten einige andere Menschen, so z.B. der Musiker Max Lützow, die in Engelhardts „Sonnenorden“ in der Südsee leben wollten. Krankheiten und Zweifel an der psychischen Integrität Engelhardts ließen das kleine Siedlungsprojekt schon nach wenigen Jahren untergehen. 1906 warnte die Zeitschrift Vegetarische Warte vor der Reise nach Kabakon. Bis zu seinem Tod 1919 betrieb Engelhardt Heilpflanzenkunde und homöopathische Untersuchungen; sein Land hatte er als Kokosplantage verpachtet. (s. Wikipedia; Überschrift = Zitat von Engelhardt)

Über diesen August Engelhardt und seine Vision eines „internationalen tropischen Kolonialreiches des Fruktivorismus“ gibt es nun einen Roman von Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt.