Üb immer Treu und Redlichkeit – nicht

Schaut man sich den Umgang der Politik mit dem Ukraine-Krieg an, werden einem die Parallelen zu dem mit der Corona-Pandemie deutlich. Bei Corona war es von Anfang an Panikmache über jedes realistische Maß hinaus, bis man an einem Punkt war, an dem nur noch (gesichtswahrende?) „Flucht nach vorne“ möglich war. Anfang 2021 wußte kein Politiker, wie die Impfung wirken würde, trotzdem wurde der „kleine Pieks“, der die Freiheit zurückbringe, angepriesen, als wäre das der einzige Weg der MENSCHHEIT, um überleben zu können. Im Frühherbst wurde deutlich, daß die Impfung nicht vor eigener Ansteckung und Weitergabe des Virus schützt – trotzdem wurde das „Boostern“ zum bestimmenden Thema des Winters nach dem fraglichen Motto „viel hilft viel“. Menschen wie ich, also mit gerade erst durchgeführter Doppel-Gabe der Substanz aus der Goldgrube in Mainz, waren bald solche zweiter Klasse. Mit „Booster“ durfte man in meinem Fitnessstudio ohne Test und Maske trainieren, aber ohne diesen dritten „Schuß“ ging alles nur mit Test, also mit einer gewissen Hürde, die medizinisch in keiner Weise zu begründen war – es war eben einfach nur ein Druckmittel. „Üb immer Treu und Redlichkeit – nicht“ weiterlesen

So kann man es auch machen

„Als Thessaloniki, die zweitwichtigste Stadt des Byzantinischen Reiches, im 15. Jahrhundert an die ottomanischen Türken fiel, reiste der Protos des Berges Athos in Begleitung einer Delegation von Mönchen als Vertreter aller Klöster dorthin, um sich offiziell zu ergeben und dem türkischen Pascha ihre Loyalität zu bekunden. Die Mönche waren sich sehr wohl bewusst, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch Konstantinopel fallen würde, und sie wollten die Klöster vor den einfallenden türkischen Truppen schützen. Der Pascha wusste ihre Unterwerfung zu schätzen, fiel nicht auf dem Heiligen Berg ein und beließ den Mönchen ihre Selbstverwaltung.“

— Kyriacos C. Markides, Der Berg des Schweigens. Begegnungen mit einem christlichen Meister. Aquamarin-Verlag, 2015

Neutralität

“Führt uns Herr Selenskyj nicht alle ein wenig an der Nase herum?” 
Das fragt Thomas Gast, ehemaliger Soldat der Fremdenlegion und aktuell intensiver Kommentator des Ukraine-Krieges. Ich möchte dieses Video von ihm empfehlen, in dem er erklärt, daß Deutschland seine Neutralität durch die Waffenlieferungen aufgegeben hat. Daß Deutschland bei Greueltaten ukrainischer Soldaten wegschaut usw. Sehr lohnenswertes Video, von einem Mann, der Deutschland in einer neutralen Rolle sehen möchte, bereit zur Verteidigung des eigenen Landes, aber ohne Ambitionen, Stellvertreterkriege für Joe zu führen.

Die Sache mit dem Krieg oder: Ein Komiker kapituliert nicht

Wie beurteilt man den Angriff Rußlands auf die Ukraine?

Meine Einschätzung ist eine pazifistische (ohne Bezugnahme auf die Verbindung zur historischen Lebensreform). Gewaltverzicht als oberste Maxime, auch im christlichen Sinne das Bild der „anderen Wange“.

Putin vs. Selenskyj – der sture KGB-Mann, Autokrat, unverbesserlich, da wundert man sich nicht – klar fängt so einer einen Krieg an. Ich gestehe hingegen, Selenskyj fällt mir subjektiv negativer auf, weil er – gerade in den ersten Wochen des Krieges – massiv versucht hat, die NATO in den Konflikt zu ziehen und damit den Krieg auszuweiten. „Die Sache mit dem Krieg oder: Ein Komiker kapituliert nicht“ weiterlesen

Gemeinschaft?

Ich habe in den letzten Jahren einige Zäsuren vollzogen, was meine Beteiligung an Gemeinschaften angeht. Ich habe z.B. die aktive Mitgliedschaft in zwei Brauchtumsvereinen hier vor Ort aufgegeben. Dies vor allem nach der für mich relevanten Fragestellung, wie weit ich mich „verbiegen“ muß, um Teil einer Gemeinschaft sein und bleiben zu können. Verbiegen ist hier v.a. auch als unterordnen unter Autorität zu verstehen (oder vermeintliche Autorität oder „Großschwätzertum“). „Gemeinschaft?“ weiterlesen

Wandervogel (Grundlagen)

Ich hatte auf dieser kurzen Hinweisseite zum Treffen auf dem Hohen Meißner 2013 bereits notiert, daß ich mir den Quellenband zum 1913er Treffen sowie die Aufsatzsammlung zur fünfzigsten Wiederkehr kaufen werde.

buch028Das habe ich getan, beide Bücher stehen im Regal, denn ich habe doch noch – einem guten Riecher folgend – das Buch von Ziemer und Wolf, Wandervogel und Freideutsche Jugend, vorgezogen. Ich glaube, jetzt schon nach ca. 170 Seiten sagen zu können, daß ich selten ein so gehaltvolles, schön aufbereitetes und inspirierendes wie auch Wissen vermittelndes Buch gelesen habe. Es befaßt sich mit dem kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende ins Leben gerufenen Wandervogel (in Steglitz und durch Hoffmann-Fölkersamb) und seinen Abspaltungen wie Einigungsbemühungen. Die Autoren schreiben, sie hätten die „Kantatenform“ für die Darstellung gewählt, das heißt nach einleitenden Texten folgen Originaltexte der betroffenen Personen oder von solchen, die über die gerade besprochenen Zeugnis ablegen können. Mit Geist, aber viel mehr noch mit dem Gemüt ist man „drin“ in der Zeit, sieht man die Horden durchs Land ziehen. Besonders angenehm: Es ist zum Glück keines der Bücher links-sozialisierter Historiker, die erstmal mit dem Begriff ‚völkisch‘ auf den Tisch hauen, damit man ja auch auf Distanz zu den fahrenden Scholaren und ihrer gelegentlich geäußerten Vaterlandsliebe gehe. „Wandervogel (Grundlagen)“ weiterlesen