Ausstellung: Lebe besser!

Sie ist nun gestartet, die Ausstellung „Lebe besser! Auf der Suche nach dem idealen Leben“ im Bernischen Historischen Museum. Gezeigt wird sie vom 13. Februar bis zum 5. Juli 2020. Die Publikation zur Ausstellung kann man sich unter o.g. Link online anschauen (32-seitiges Dokument).

Es gibt ein Rahmenprogramm für Erwachsene mit Führungen, Podiumsdiskussionen, Vorträgen, über das man sich hier informieren kann. Ebenso gibt es Angebote für Schulen.

Nachtrag:
ACHTUNG: Wegen Corona-Krise ist das Museum ab 17.3.2020 bis auf weiteres geschlossen!

Siedeln auf der Rosinkawiese – woran scheiterte es?

Pausewang - RosinkawieseDie „Rosinenwiese“, so genannt weil sie in den Augen der umliegenden Dorfbewohner unergiebiges, sumpfiges Land, das einmal ein Hochmoor war, darstellte, war ein lebensreformerisches Siedlungsprojekt der Eltern der vor kurzem verstorbenen Schriftstellerin Gudrun Pausewang.

Sie lag in Ostböhmen, heute Tschechien, nahe des früheren Ortes Wichstadtl am östlichen Ausläufer des Adler-Gebirges. Der Ort gehörte zum deutschen Sprachgebiet; man sprach einen schlesischen Dialekt.

Pausewangs Eltern Siegfried und Elfriede kamen aus dem Wandervogel, lernten sich auf einer reformpädagogischen Schule kennen. Man badete nackt, verzichtete auf Alkohol und Nikotin. „Siedeln auf der Rosinkawiese – woran scheiterte es?“ weiterlesen

Gudrun Pausewang (Rosinkawiese) ist tot

 

Ich lese gerade das Buch „Rosinkawiese“ von Gudrun Pausewang – und soeben die Meldung, daß die Autorin verstorben ist.

Pausewang - RosinkawieseDas Buch trägt den Untertitel „Alternatives Leben vor 50 Jahren“, damit ist 1930 gemeint… Gudrun Pausewangs Eltern hatte das lebensreformerische Projekt in Böhmen in den 1920er Jahren gegründet. Anfang der 1970er Jahre stand ein Neffe der Autorin vor der Entscheidung, ebenfalls in ein alternatives Leben auszusteigen, wozu sie ihm in Briefen (der Mutter) das Leben ihrer Eltern schilderte – dies lt. Vorwort der Ausgabe von 1991 als „Beitrag zur Aussteigerwelle“. Diesem ersten Buch folgten zwei weitere; im dritten schildert Pausewang ihre Flucht als 17-Jährige über sieben Wochen nach Westen. Das Dritte möchte die Autorin als Appell gegen den Krieg verstanden wissen; zum ersten schreibt sie bzgl. der Aktualität für heutige Menschen:

„… gehe ich (…) davon aus, daß fast jeder Mensch der heutigen Gesellschaft, vor allem in seinen jungen Jahren, heimlich von einem Blockhausleben in eng-harmonischer Beziehung zur Natur träumt. Ist das nicht eine Sehnsucht, die um so größer wird, je mehr wir die Natur beeinträchtigen und uns von ihr entfernen?“

 

Heute! Vortrag: Klatschmohn und Hakenkreuz (Wiesbaden)

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Stadt-Jugend-Stil“ im Wiesbadener Stadtmuseum hält Dr. Susanne Claußen einen Vortrag zu den Verbindungen von Lebensreform (in ihrer völkischen Ausprägung) und dem Nationalsozialismus. Es werden konkrete Personen (aus dem Wiesbadener Raum) hervorgehoben, die als Lebensreformer eine „zweite Karriere“ bei den Nazis machten.

Vortrag im Stadtmuseum am Markt, 21.1.20, 19 Uhr, Eintritt frei

Motzener See – 100 Jahre FKK

Motzener See

„Nasse Wiege der deutschen Freikörperkultur“, so hat man den Motzener See genannt. Laut Wikipedia soll das organisierte Nacktbaden dort bereits 1919 begonnen haben – also vor genau 100 Jahren. Zeit also, mal persönlich an diesem schönen See vorbeizuschauen.
(Nach anderer Angabe, s.u., ging es erst 1920 los.)

Der See liegt ungefähr in Nord-Süd-Ausdehnung, auch wenn das nördliche Ende ein wenig Richtung Westen, das südliche nach Osten „gerutscht“ ist. Der See liegt 30km südlich von Berlin (von der Stadtgrenze aus). Bereits seit dem 16. Jahrhundert gab es in Motzen einen Halt auf der Poststrecke Berlin-Dresden (1, s.u.). Ab 1894 war die Eisenbahnanbindung an Königs Wusterhausen und damit die Großstadt Berlin fertiggestellt (3).
Urkundlich wurde Motzen erstmals 1346 als „Mossen“ erwähnt, was wohl vom slawischen Wort Mocina für Feuchtgebiet / Sumpf abgeleitet ist (1). „Motzener See – 100 Jahre FKK“ weiterlesen

2020

Ein frohes neues Jahr den Lesern meines Blogs!

Wo geht es hin, was wird hier passieren? Zunächst einmal war die Israelreise im Oktober 19 überwältigend. Ich weiß noch nicht genau wie und wann, aber ich werde dazu Inhalte hier einstellen.

Zunächst aber habe ich beschlossen, meinen Bericht vom Jakobsweg 2015 hier im Blog mit je einem Beitrag pro Tag einzustellen. Dazu hatte ich hier schon kurz geschrieben, daß ich mir noch unsicher bin, ob ich ihn hier einstelle oder nicht. Jetzt aber denke ich, daß auch andere davon profitieren sollen.

Letztlich steckt in dem Entschluß aber auch Vorfreude drin, denn in diesem Jahr geht es auf die ersten 200km der Vía de la Plata. Mein jüngerer Sohn und ich starten Anfang des Sommers in Sevilla und pilgern ca. 200/250km nach Norden. Ich bin sehr gespannt…

Neben Camino-Bericht und Israelreise brauche ich wahrscheinlich gar nicht mehr allzuviel zusätzlich zu planen. Für März habe ich nun die ebenfalls schon angesprochenen Schweigeexerzitien im Kapuzinerkloster Irdning in der Steiermark fest gebucht. Ich bin sehr gespannt, wie sich die 10 Tage beim zweiten Mal anfühlen werden.

Möglicherweise steht Ende des Jahres noch eine Reise nach Marokko an, die aber noch nicht geplant / konkret ist.
Letztlich will ich nicht zuviel versprechen, weil ich mich dann selbst unter Zwang setze, das Blog füllen zu müssen. Ich glaube, es ist eher Beständigkeit notwendig, das heißt auch, die Inhalte der letzten Jahre kontinuierlich anzubieten.

Lebensreform und Alternativmilieu der 1980er (Buch)

Ein spannendes Buch erscheint in der ersten Oktoberwoche (Nachtrag: Lieferung an mich war am 18.10.19). Die Autoren Detlef Siegfried und David Templin haben sich die historische Lebensreform um 1900 angeschaut und diese dann mit dem Alternativmilieu um 1980 verglichen. Der Untertitel des Werkes lautet: „Kontinuitäten und Brüche in Milieus der gesellschaftlichen Selbstreflexion im frühen und späten 20. Jahrhundert“. Das läßt schon erkennen, daß es eher ein Fachbuch ist, keine populärwissenschaftliche Arbeit. Siegfried und Templin fungieren als Herausgeber, d.h. das Buch enthält diverse Aufsätze von anderen Autoren. Abgerundet wird dies durch Rezensionen anderer, diese Thematik berührender Werke.

Das Buch erscheint bei V&R unipress in Göttingen. Auf der Verlagsseite gibt es schon eine Leseprobe zum Herunterladen.

Wo geht es hin?

Ja, nach der Wiederherstellung des Blogs fragt sich vielleicht mancher, was kommt denn noch so in diesem Jahr? 

Zunächst einmal plane ich kurze Rezensionen zu in den letzten Jahren erschienenen Büchern wie “1913” von Illies und “Das Sonnenfest”, ebenso Langs Hesse-Roman, aber auch Wedemeyer-Kolwes Lebensreform-Einführung “Aufbruch”. 

Inhaltlich will ich an den Nachrichten und gesellschaftlichen Entwicklungen dranbleiben und diese an die historische Lebensreform rückkoppeln. Nur soviel: Ich schreibe gerade über Kamelzehen. 

Urlaube wie der an der Ostsee in Zingst oder auch der in Istrien – sechs Jahre ist das nun schon her! – sind hier reflektiert worden, weil sie außergewöhnlich waren. In Kroatien habe ich meine Liebe zu Wärme, Sonne, Süden wiedergefunden. Anderes habe ich hier komplett ausgelassen, z.B. zwei schöne Wochen in Norwegen, ein paar Tage im Herbst auf Usedom, aber auch meine Jakobswege in Spanien: 800km im Jahr 2015 und weitere 200 in 2017. „Wo geht es hin?“ weiterlesen

1900 – P. Michalzik – Kurzrezension

Fangen wir zunächst damit an, daß Titel und Untertitel ein wenig irritieren: man geht davon aus, eine Beschreibung der aufkommenden Lebensreformbewegung um die vorletzte Jahrhundertwende vor sich zu haben, de facto ist das Buch aber auf die Kolonie auf dem Monte Verità am Lago Maggiore fokussiert. Dennoch ist der Titel nicht ganz abwegig, da viele Details rund um den Hauptstrang der Erzählung die Lebensreform allgemein beschreiben.

Auf den ersten ca. 30 Seiten fand ich es schwer, in einen Lesefluß zu kommen, da der Autor kollagenartig verschiedenste Personen und Orte verknüpft und ständig zwischen ihnen wechselt. Da springt man mit Gerhart Hauptmann von dessen Begegnung mit dem Wanderprediger Johannes Guttheil zu Nietzsches bevorzugter Schinkensorte… Doch Michalzik schafft es, die Stränge wieder zu bündeln, Beispiel von Seite 24: „Tolstoi, Nietzsche, Hauptmann, Guttzeit, sie alle berühren eine Idee (…), die größer ist als sie.“  „1900 – P. Michalzik – Kurzrezension“ weiterlesen