Monte Verità – der Film – jetzt im Kino

Der gestrige 16.12.21 war der offizielle Kinostart für den Schweizer Film über die Aussteigerkolonie auf dem Monte Verità. Ich habe vor einiger Zeit eine Info-Seite über den Film angelegt, auf der ich auch einige Pressereaktionen zusammengetragen habe. Leider kenne ich den Film selbst noch nicht.

–> Infoseite: Monte Verità von Stefan Jäger (Der Rausch der Freiheit)

Monte Verità – Back to Nature (Ausstellung)

Im Museum „Museo del Novecento“ (Gallery of Modern Art) in Florenz wird die o.g. Ausstellung zum Monte Verità bis zum 10.4.22 gezeigt. Mehr Infos auch zur Gestaltung der Ausstellung unter dem angegebenen Link.
(Vor Besuch bitte nach Corona-Regeln erkundigen.)

 

Mein Arbeitsplatz

Fidus stand – ich habe es hier schon mal geschrieben – ganz am Anfang meiner Beschäftigung mit der Lebensreform. Die „bildenden Künste“ sind nicht so mein Thema, aber Fidus „packte“ mich mit seiner Kunst. Über das Fidus-Buch von Frecot, Geist und Kerbs kam ich in den 90ern zum Thema Lebensreform.
Zwei seiner Werke schmücken meinen Arbeitsplatz, zum einen „Zur Brautinsel“, hier kurz mit Bild erwähnt, und – ja… mir fällt der Titel des links zu sehenden Bildes nicht mehr ein und ich finde es nicht in der Publikation Fidusbilder. Hm… Wer den Namen des Bildes kennt, könnte mir bitte einen Kommentar hinterlassen.

Mir kam der Gedanke, diesen Arbeitsplatz einmal zu fotografieren und hier einzustellen.

Man sieht auf dem untenstehenden Bild zunächst links das große Poster der Monte-Verità-Ausstellung aus Berlin vom Jahre 1979. Rechts daneben – mittig – die beiden Fidus-Bilder, darüber meine Jakobsweg-Urkunde, die „Compostela“ (rechts) und die Urkunde aus Fisterra (links).
Unten ist der auf Teresa von Avila zurückgehende Gebetstext „Nada te turbe“ zu sehen, rechts daneben ein Ausschnitt aus einer Spanienkarte, in die alle Jakobswege in diesem Land eingezeichnet sind.

Nada te turbe
Nada te espante
Todo se pasa  
Dios no se muda 
La paciencia todo lo alcanza
Quien a Dios tiene  
Nada le falta   
Solo Dios basta 

(Teresa de Jesús)

 

Zeit der Aussteiger (Buch)

Andreas Schwab ist kein unbekannter Name im Rahmen des Themas Lebensreform. Er war u.a. verantwortlich für die letztjährige Ausstellung „Lebe besser!“ in Bern, die von Corona in „Mitleidenschaft“ gezogen wurde. Von 2001 stammt das vom ihm mitherausgegebene Buch „Sinnsuche und Sonnenbad“, das sich mit „Experimenten in Kunst und Leben auf dem Monte Verità“ befaßt.

Neu erschienen ist im Sommer d.J. „Zeit der Aussteiger„, das ich noch nicht besitze bzw. gelesen habe. Hier eine Info aus der Beschreibung via Amazon:

„Elf Künstlerinnen und Schriftsteller, darunter Truman Capote und Arthur Schnitzler, die Tänzerin Charlotte Bara und Alma Mahler-Werfel, führen uns zu den zehn bedeutendsten Künstlerkolonien. Wir tauchen ein in die besondere Atmosphäre von Barbizon, Worpswede, Capri oder Taormina und ziehen mit einer dort lebenden Person dann weiter in die nächste Gegenwelt – bis wir am Schluss auf dem Monte Verità in Ascona angelangen. Der Schweizer Autor und Ausstellungsmacher Andreas Schwab zeigt in einem farbigen Reigen, wie sich fernab der Ballungszentren neue Lebensstile entwickelten, lange bevor sie sich in der Gesellschaft durchzusetzen begannen.“

Nachtrag: Artikel zum Buch bei Literaturkritik.de

Eventi Letterari 2021

Ich habe in den letzten Jahren auf das Literaturfestival auf dem Monte Verità hingewiesen, erstmalig wohl 2013. Da ich mich nie intensiver damit befaßt habe, auch heute nur kurz der Hinweis auf das aktuelle Festival ab 11.11.2021 mit dem Fokus auf dem Schriftsteller Dante Alighieri unter dem Titel „Another Life“, der auch auf das Leben „nach der Pandemie“ anspielt. Weitere Infos auf der Homepage.

Reisen in Zeiten von Corona

Im Frühjahr 2021 war es unklar, wie die Corona-Welle abebben würde. Wir hatten uns im Januar für einen Urlaub in Kroatien entschieden und dachten „im Mai ist das vorbei“. So war es nicht, aber wir blieben beim Plan – und reisten – ungeimpft – in ein „Hochrisikogebiet“ ein. Damit war ganz Kroatien gemeint, aber in Istrien war die Inzidenz niedrig. Es wurde ein herrlicher Urlaub! Fast immer warmes Wetter, aber noch recht kühles Meereswasser. Zum Teil war der abgebildete Meerwasser-Pool kälter als das Wasser am Strand nebenan. Für uns war wichtig: rauskommen, den „Corona-Winter“ hinter uns zu lassen. Während unseres Aufenthalts wurde Kroatien auf „Risikogebiet“ zurückgestuft, so daß wir auch keine Quarantäne einzuhalten hatten bei der Rückkehr. Und die Kroaten warteten auf die Touristen…
Ich plane für den Winter, hier noch einen längeren Bericht mit Fotos einzustellen.

Der Sommer mußte dann „durchgearbeitet“ werden, aber Pläne für den Spätsommer/Frühherbst reiften. Wir müssen nicht mehr auf Schulferien achten, so daß wir für Ende September etwas planten, an dem vor allem das Herz meiner Frau hängt: Stichwort „Van Life“ – mit einem umgebauten Van als „Mini-Wohnmobil“ soll es – jetzt eben geimpft –  Richtung Süden gehen.
Ich verrate hier noch nicht zuviel, werde aber auf Instagram (s. rechte Spalte für Link, auf Mobilgeräten unter dem Beitrag) Bilder posten. Aber… nach dem Besuch an der „nassen Wiege der Freikörperkultur“, dem Motzener See, könnte es passen, daß wir an einem anderen, bekannteren, wunderbaren Ort einen kurzen Zwischenstop machen werden. Mal schauen … 😉

Nachtrag 26.10.21: Der „bekanntere Ort“ war der Monte Verità, aber das mit dem Besuch hat nicht geklappt. Wir sind mit dem recht langen Camper-Van durch das Tal zum Parkplatz hochgefahren, aber es war viel los – sehr viel. Wir fanden keinerlei Möglichkeit, den großen Wagen zu parken, und mußten weiterfahren, zumal wir nicht ausreichend Zeit hatten, um ggf. weiter weg zu parken und dann eine längere Strecke zu laufen. Also war ich nun zumindest „auf dem Monte Verità“, aber gesehen habe ich nichts. Da aber der Lago Maggiore uns sehr gefallen hat, werden wir wohl noch mal wiederkommen „müssen“.

Monte Verità – Film von Stefan Jäger (2021)

(Dieser Kurzbeitrag entstand Anfang Juni 2021; neue Infos und Details werden nachträglich eingepflegt.)

Was: Vor den historischen Ereignissen im Jahr 1906, sechs Jahre nach Gründung der Kommune auf dem Monte Verità, wird die fiktive Hauptperson Hanna Leitner gezeigt, eine Wienerin, die sich zwischen bürgerlichem Leben (Ehemann Anton, zwei Kinder) und Tätigkeit als Künstlerin entscheiden muß. Über den Therapeuten Dr. Otto Groß kommt sie zum Monte Verità.
Hier ist der Trailer von Juni 2021 zu sehen.

Wer: Produziert wurde der Film von Katrin Renz und weiteren Personen, eine schweizerisch-österreichisch-deutsche Koproduktion.
Regisseur war Stefan Jäger, Drehbuch Kornelija Naraks, Kamera Daniela Knapp
Es spielen: Joel Basman – Hermann Hesse | Max Hubacher – Dr. Otto Groß | Maresi Riegner – Hanna Leitner | Julia Jentsch – Ida Hofmann | Michael Finger – Henri Oedenkoven | Hannah Herzsprung – Lotte Hattemer und weitere

Wann: Der Film startete am 26.8.21 in den Schweizer Kinos. Premiere war am 1. August 21 auf dem Filmfestival von Locarno (Salzburger Nachrichten). Gedreht wurde er von August bis Oktober 2020 mit Verzögerungen durch Covid-19.
Der Start in deutschen Kinos ist am 16. Dezember 2021 sein.

Wo: Drehort war unter anderem Cannobio am Westufer des Lago Maggiore sowie im Valle Maggia. Die „Casa Centrale“ wurde dort nachgebaut.

Weitere Infos: Wikipedia-Seite des Films | Monteverita.net |

Filmplakat: Monte Verità von Stefan Jäger

Die Presse: Nach der Premiere gab es am 1. Augustwochenende Berichte in schweizerischen Zeitungen, aber alle hinter Pay Wall oder nur mit Registrierung lesbar. Ich konnte erkennen, daß ein Kritikpunkt am Film war, daß er zu „schematisch“ bleibe. RemoNews schreibt, Jäger habe ein „großartiges historisierendes Tableau“ erschaffen. Die Kameraarbeit Knapps wird gelobt, ebenso bei der Neuen Zürcher Zeitung. Dort heißt es zur Figur der Hanna, daß man sich gewünscht habe, „sie dürfte Frauenschicksale ihrer Zeit weniger schablonenhaft repräsentieren“. Und: „Das Portrait dieser Lebensreformbewegung (…) bleibt Stückwerk samt den historischen Figuren, trotz starker Besetzung“. In der Süddeutschen heißt es, der Film erzäle die „reiche Geschichte“ des Monte Verità nur marginal, während die Figur der Hanna „manchmal nah am Kitsch“ im Vordergrund stehe. Es werde im Film „vor allem ein sinnliches Bild“ vermittelt.
Bei der Nachbetrachtung zu den Preisen beim Filmfestival von Locarno fällt auf, daß Monte Verità da nicht bedacht wurde. Zitat: „Der Schweizer Film «Monte Verità» von Stefan Jäger war hingegen eher ein Flopp. Zu viel Kitsch und zu wenig Zündstoff warf man dem Film vor.“

Es entsteht aus den Presseartikeln nach der Premiere das Bild eines opulenten, hervorragend gefilmten und mit eindringlicher Musik unterlegten Films, bei dem die Rolle der Hanna als künstlich implantiert scheint und auch die Dialoge etwas oberflächlich bleiben. Ich bin trotzdem gespannt…

Zum Kinostart am 16.12.21 fand sich auch in den deutschen Medien der eine oder andere Artikel zum Film. Die RP kritisiert die ungelenken Zeitsprünge im langatmigen ersten Teil des Films, der zum Schluß hin dichter und stringenter werde. Schönes Zitat am Ende des Textes: „Auch Hanna zieht am Ende weiter, aber sie ist nicht mehr die gleiche wie zu Beginn des Films.“ 
Laut Tagesspiegel „wuchert“ Hannas Geschichte „mit Atmosphäre“, wo andere Bereiche des Films holzschnittartig wirken. Zitat: „Die Kamera hängt an den Gesichtern der drei Frauen Ida, Hanna und Lotte, schwelgt in flatternden Haaren, wogenden Grashalmen und rauschenden Blättern. Ein Zustand paradiesischen Einsseins.“
Die SZ ist (nun) voll des Lobes für die Darstellerin der Hannah: „Die Darstellerin von Hanna, Maresi Riegner, vermittelt die Gefühle ihrer Figur mit atemberaubender Präzision.“ Bis zum Ende des Films habe man zudem „begriffen, dass Autonomie nicht von selber kommt: Ein Wille muss erkennbar sein.“ 
Sehr interessant der Beitrag in der WELT, der auch auf die Widersprüche des Aussteigerprojektes eingeht. Matthias Heine resümiert: „… als psychologisches Kammerspiel, als eine Art Ibsen light mit Happy End, funktioniert der Film ja. Wer mehr wissen will, sollte das Monte-Veritá-Kapitel in Andreas Schwabs gerade erschienenem Buch „Zeit der Aussteiger“ lesen. Er mag sich dann fragen, ob die Geschichte im Kino nicht noch interessanter geworden wäre, wenn sie ein paar mehr Härten und Lügen aus der Wirklichkeit übernommen hätte.“
Portrait M. Riegner Wienerzeitung 

Persönliche Bemerkung (Juni 21): Allein der Trailer versetzt mich in große Spannung mit entsprechender Erwartungshaltung. Auch als Mann erkenne ich mich in der Protagonistin wieder, in ihrem Wunsch nach der anderen, der künstlerischen Welt, abseits vom Zwang des Alltags – und hier auch des Ehemannes. Ich habe selbst intensiv fotografiert, was mir Hanna Leitner sympathisch macht. Ich kann kaum erwarten, den Film zu sehen, auch wenn die Gesamtheit der gelesenen Rezensionen meine Spannung etwas gedämpft hat. 

Nachtrag 16.12.21 – Ja, ich lebe in der „Kino-Provinz“. Kein Kino der beiden größeren Städte hier zeigt den Film ab heute… 

Eventi Letterari

Ich habe in den letzten Jahren gelegentlich (Tag Eventi Letterari) auf das Literaturfestival auf dem Monte Verità hingewiesen (allgemeine Infos). Corona-bedingt ist bereits die 2020er Veranstaltung „Grosse Erwartungen“ als Video-Event durchgeführt worden. Die Videos sind online verfügbar.

„Mit dem diesjährigen Motto erweisen wir dem berühmten Roman von Charles Dickens eine Reverenz und erinnern an dessen 150. Todestag“, so Paolo Di Stefano, der künstlerische Leiter des Festivals. „Zusammen mit illustren Schweizer und internationalen Gästen wollen wir an den vier Festivaltagen über die derzeitigen gewaltigen sozialen und kulturellen Umbrüche und die damit verbundenen Herausforderungen diskutieren.“ (Webseite)

Für 2021 wurde das Festival vom Frühjahr auf den November verlegt. Es ist offenbar als Präsenzveranstaltung geplant, da Karten verkauft werden. Das Thema konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

1900 – P. Michalzik – Kurzrezension

Fangen wir zunächst damit an, daß Titel und Untertitel ein wenig irritieren: man geht davon aus, eine Beschreibung der aufkommenden Lebensreformbewegung um die vorletzte Jahrhundertwende vor sich zu haben, de facto ist das Buch aber auf die Kolonie auf dem Monte Verità am Lago Maggiore fokussiert. Dennoch ist der Titel nicht ganz abwegig, da viele Details rund um den Hauptstrang der Erzählung die Lebensreform allgemein beschreiben.

Auf den ersten ca. 30 Seiten fand ich es schwer, in einen Lesefluß zu kommen, da der Autor kollagenartig verschiedenste Personen und Orte verknüpft und ständig zwischen ihnen wechselt. Da springt man mit Gerhart Hauptmann von dessen Begegnung mit dem Wanderprediger Johannes Guttheil zu Nietzsches bevorzugter Schinkensorte… Doch Michalzik schafft es, die Stränge wieder zu bündeln, Beispiel von Seite 24: „Tolstoi, Nietzsche, Hauptmann, Guttzeit, sie alle berühren eine Idee (…), die größer ist als sie.“  „1900 – P. Michalzik – Kurzrezension“ weiterlesen