Wir sind nackt und nennen uns Du (WELT)

Im Speckgürtel von Berlin wurde bereits um 1900 kräftig abgespeckt. Eine Potsdamer Ausstellung zeigt, wie die Lebensreform unsere Zivilisationsflucht vorwegnahm

Quelle: „Wir sind nackt und nennen uns Du“ – Nachrichten Print – DIE WELT – Kultur (Print DW) – DIE WELT

FKK in Bayern (Nacktbadeverbot)

Wenn ich es richtig verstehe, gab es eine „bayerische Badeverordnung“, die bis Ende 2013 Gültigkeit hatte. Zum bevorstehenden Sommer müssen die Kommunen nun neue Regeln aufstellen, so z.B. München, was die Isar angeht. Dort soll es künftig an 5 Orten erlaubt sein, nackt zu baden bzw. sich zu sonnen. Der FOCUS kennt und nennt hingegen 6 Bereiche: Flaucher, Isar südlich Marienklause (Brudermühlbrücke), Isarinsel Oberföhring, Eisbach hinter Haus der Kunst, Schwabinger Bucht im Nordteil des Englischen Gartens, Südufer des Feldmochinger Sees.

Nun fand ich weitere Infos:

Das Nacktbadeverbot im Freistaat Bayern ist Ende 2013 ausgelaufen, jetzt müssen die Kommunen dies selbst für ihre Badeseen und -flüsse regeln. Das ist in München geschehen, s.o.

Zum Wochenende nutzt die Augsburger Allgemeine das Thema für mehrere Artikel:

FKK-Verbot ausgelaufen: Droht die Anarchie der Nackten? Hier geht es um die mögliche Überforderung der Polizei, Nacktbadeverbote durchzusetzen, Zitat: „Das Problem läge eher bei den Ausweiskontrollen der Nackten. Wie diese ablaufen sollen, könnte in Zukunft ein Thema für die Ausbildung der Berufsanwärter bei der Bereitschaftspolizei sein.“  „FKK in Bayern (Nacktbadeverbot)“ weiterlesen

Neue Bücher

buch011Ein paar neue Bücher erweitern meine Bibliothek, über die ich gern kurz berichten möchte.

Da ist Arno Vossens „Sonnenmenschen“ mit dem Untertitel „Sechs Jahrzehnte Freikörperkultur in Deutschland“. Vossen ist ein Pseudonym von Hermann Wilke, der ein prominenter Vertreter einer „faschistischen Freikörperkultur“ gewesen sei, wie es in Möhrings „Marmorleiber“ (Böhlau, 2004) heißt. Sinnigerweise erwähnt „Vossen“ im o.g. Werk sein eigenes Buch „Dein Ja zum Leibe“, das 1939 erschienen ist und die Zustimmung des rassepolitischen Amtes der NSDAP fand (a.a.O.), ohne Nennung eines Autors. Grundsätzlich ist das DIN-A5-Heft mit gerade mal knapp 40 eng und klein bedruckten Seiten aber ein guter Überblick über das Thema. Ich habe es bislang nur auszugsweise gelesen, daher nur als Eindruck: Vossen geht stark auf die organisatorische Seite der FKK ein – wann welcher Verein auftauchte, sich teilte, wieder verschwand usw. „Neue Bücher“ weiterlesen

Vom Dissens zum Heilsversprechen

Ich habe Zieglers Einführung in die Nacktkultur in „Nackt unter Nackten“ zwar kritisiert, dennoch möchte ich zwei Sätze daraus zitieren, die recht treffend sind, was die Einbettung des Naturismus in die Lebensreform-Bewegung angeht (Dissens im Original als ‚Dissenz‘ geschrieben):

„Da verbindet sich also ein fundamentaler Dissens (alle leben falsch) mit einer sophistischen Kritik (wer sich kleidet, ist eigentlich lüstern), die ein pädagogisches Konzept hervorbringt (alle sollen nackt sein etc.), das ein Heilsversprechen mit sich trägt (ein Leben in Aussöhnung mit der Natur). Der Dissens war Zeitgeist: die Menschen fühlten sich durch die Beschleunigungsprozesse von Industrie und Kapital bedroht.“

Nackt unter Nackten (Buch)

buch052Ulf Erdmann Ziegler ist in den letzten Jahren durch seine Romane bekannt geworden, die er erst recht spät publiziert hat. Laut Wikipedia war „Nackt unter Nackten – Utopien der Nacktkultur 1906 – 1942“ seine erste Publikation. Das Buch besteht zu einem Drittel aus der von Ziegler verfaßten Einführung in die Nacktkultur und zu zwei Dritteln aus Schwarzweiß-Fotografien aus der „Sammlung Scheid“. Das mir vorliegende Buch ist die Lizenzausgabe für die Manfred-Pawlak-Verlagsgesellschaft von 1992.

Um es vorweg zu sagen: der Wert des Buches liegt in den Fotografien, die die Nacktkultur aus den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts zeigen. Zieglers Einführung hingegen ist so tendenziös geschrieben, daß man sie ganz klar nicht empfehlen kann. „Nackt unter Nackten (Buch)“ weiterlesen

FKK in der DDR (Buch)

buch21Das „Sommer Sonne Nackedeis“ untertitelte Buch aus dem Eulenspiegel-Verlag (Berlin, 2. A., 2008) will ein Porträt der Freikörperkultur in der ehemaligen DDR geben. Dazu hatte der Herausgeber Thomas Kupfermann auch in der BILD-Zeitung einen Aufruf geschaltet, FKK-Bilder aus der Zeit des Bestehens der DDR für das Buch zur Verfügung zu stellen. Es besteht, wie zu erwarten, aus einer Unmenge von Fotos, die v.a. das Strandleben dokumentieren; die meisten davon sind in schwarzweiß. Die eingestreuten, kurzen Texte thematisieren u.a. das ursprüngliche FKK-Verbot von 1954, das bereits 1956 in der ‚Anordnung zur Regelung des Freibadewesens‘ aufgehoben wurde. Weiterhin wird der Zingster Maler Kurt Klamann kurz vorgestellt (Bilder auf zwei Doppelseiten); interessant ist auch die „Mini-Studie“ zur FKK von 1966.

Ein solches Buch kommt (zwangsläufig?) nicht ohne ein bißchen „Ostalgie“ aus, so nach dem Motto: Früher war alles besser, wir haben uns – trotz ‚real existierendem Sozialismus‘ (oder gerade deswegen?) – gut eingerichtet, die prüden Wessis haben uns die FKK versaut. So auch Mathias Wedel in seinem süffisanten Beitrag ‚Das Telegramm‘: „Denn was richtige Freiheit ist, das haben wir erst nach der Befreiung von der sozialistischen Urlaubsdiktatur erfahren: 14 Tage Hotelanlage in Tunesien ist fast wie Moabit, nur wärmer und mit Pool.“

Das 160 Seiten umfassende Buch ist ansprechend gestaltet und bietet eine kurzweilige Einführung in das nackte Badeleben im „zweiten deutschen Staat“.
Und nicht vergessen: „Auch die Dauerwelle hielt – dank VEB Chemie, Berlin.“