Obanos bis Estella (CF12)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Einer der schönsten Momente des Tages ist der, wenn man morgens den Rucksack auf den Rücken schwingt, im Wissen darum, alle seine Habe nun auf dem Rücken zu tragen; sich wie jeden Tag nach Westen wendet und einfach nur loslaufen kann. Das ist im übrigen auch das, was mir nach der Heimkehr am meisten gefehlt hat, das Aufbrechen und das monotone Gehen, jeden Morgen von neuem. Stattdessen saß ich wieder im Büro.

Wir waren heute wieder früh dran, auch wenn das Frühstück in der Herberge ein gewisses Flair hatte: wir saßen mit den anderen Pilgern in einem großen Raum mit antiken Möbeln und Kaminfeuer in so einer Art spanischem Landhaus-Stil. Ein Kilometerstein auf dem Weg aus Obanos heraus zeigte 665 Kilometer als Distanz bis nach Santiago. Die Sonne ging hinter uns auf, während wir kurz einer Landstraße folgten. „Obanos bis Estella (CF12)“ weiterlesen

Pamplona bis Obanos (CF11)

[Die Seite ist Teil des Berichts über meinen Camino Francés 2015.]

Es gibt Bilder vom Jakobsweg in Spanien, die hat man etliche Male während der Planung gesehen: die Weite der Meseta kurz vor einem steilen Abstieg hinter Castrojeríz, den Stausee von Portomarín, das Kirchlein von Eunate, vielleicht auch den Speichersee bei Logroño – und eben das Pilgerdenkmal auf dem Alto del Perdón, dem Berg der Vergebung. Heute würde ich beides sehen: Alto del Perdón und Eunate, aber es war ein langer Tag und Weg. Und an diesem Tag habe ich Peter aus Belgien kennengelernt, zu dem ich heute noch Kontakt habe, ja, der für mich ein Freund geworden ist.

Nur die Müllabfuhr war auf den Straßen, als wir beim typischen intensiv-gelben Licht der spanischen Straßenlaternen unseren Weg aus Pamplona heraus begannen. Am Morgen hatten wir wieder einen dieser „Rücksichtslos-Pilger“ erleben dürfen, der kurz nach 5 Uhr bereits laut mit dem Packen anfing. Gut, ich hatte ihn am Vortag gesprochen und war davon überzeugt, daß er psychisch angeschlagen war, so daß wir es ihm nachsahen. Burns (2013) spricht von den „predawn evacuees“: „These predawn evacuees are usually a select mix of those with a deadline for St. James and plain avid walkers, decked out in serious boots or European sandals and socks. Let no man interfere with their military regimen of miles.” So ein bißchen passe ich ja auch in dieses Bild: Morgens meist früh auf den Beinen, am frühen Nachmittag am Ziel. „Pamplona bis Obanos (CF11)“ weiterlesen

Abenteuer Spiritualität (2)

buch003Auch vom Tonfall her anders ist ein weiteres Buch über diese Pyrenäenregion: „Im Zeichen des Grals – Erlebnisse in Nordspanien und den Pyrenäen“ von Oliver Ritter. Der Autor, den ich vorher von seinen Arbeiten über Geschlechteridentität und -rollen her kannte (Magische Männlichkeit / Mysterium Weib), nimmt den Leser hier mit auf eine Reise zu den Gralsmythen – bei denen es, wie auch bei Terhart, ebenfalls um die Katharer geht. Ritter startete seine achtwöchige Reise auf dem nordöstlichen Teil des Jakobsweges (konkret in Roncesvalles, dem Endpunkt der ersten Etappe für die Pilger, die vom südfranzösischen St.-Jean-Pied-de-Port gestartet sind), von wo er sich mit einigen Abstechern in Richtung Norden weiterbewegt, über die Pyrenäen hinweg. Der Klappentext verspricht: „In diesem Buch verschränkt sich die Darstellung der Mysterienstätten mit Meditationen, kulturellen Betrachtungen, Schilderungen von Bergabenteuern und der Begegnung mit ungewöhnlichen Menschen.“ „Abenteuer Spiritualität (2)“ weiterlesen