Playlist: Nude on the Beach

Ich nutze diverse Playlists, wovon ich eine hier vorstellen möchte. Es sind Lieder, die ich mit Sommer, Sonne, Wärme und Meeresrauschen verbinde. Zuletzt habe ich diese Playlist ganz bewußt gehört, als ich im Oktober 2018 auf Teneriffa die Playa de las Teresitas im Nordosten der Insel entlangging, den mit Saharasand aufgeschütteten Strand. Schön langsam bewegte ich mich und nahm die Wärme, das Wasser, die Bergkulisse neben mir in mich auf. Ich genoß den Moment und die Musik, wohlwissend, daß Anfang 2019 eine Operation (die gut verlaufen ist) bevorstehen würde. „Playlist: Nude on the Beach“ weiterlesen

1913 (F. Illies) – Kurzrezension

Illies zum Meißner-Treffen der deutschen Jugendbewegung im Oktober 1913: „Man beschließt, dass alle ‚Veranstaltungen der Freideutschen Jugend alkohol- und nikotinfrei‘ sind. Es ist kein Wunder, dass daraus keine Revolution wird. Alkohol- und nikotinfrei!“

Ich habe das Zitat herausgegriffen, weil es mich ein wenig ärgert, wenn Illies gerade zu diesem, von ihm stiefmütterlich behandelten Thema (Jugendbewegung, Lebensreform) eine flache Bemerkung macht und schon wieder beim nächsten Punkt angelangt ist.

Mit Blick auf die Kurzrezension zu 1900 bietet sich an, schnell ein paar Worte „zum Illies“ zu sagen, zum hochgelobten „Sommer des Jahrhunderts“. Beide Bücher sind ähnlich aufgebaut, schildern episodenhaft und aus verschiedenen Blickwinkeln ihr Thema. Der große Unterschied liegt darin, daß bei Michalzik ein tragender Ankerpunkt da ist, nämlich der Monte Verità: alle Erzählungen, alle Anekdoten und kolportierten Schrulligkeiten der Protagonisten werden zu diesem Berg hin rückgebunden. Bei Florian Illies ist das „nur“ eine Jahreszahl. Wir betreten das Jahr mit dem Thema Kafka und seiner Angebeteten Felice Bauer und verlassen es mit Arthur Schnitzler. Pro Monat werden etliche Namen ins Rennen geworfen, zu denen es keinen Hintergrund im Buch gibt. Personen treten auf, wieder ab, Beliebigkeit. Die Charaktere bleiben mir als Leser fremd, sie sind blaß. Viel wichtiger aber: ein Spannungsbogen fehlt gänzlich, was natürlich dem Thema Jahreslauf / 1913 geschuldet ist. Ich fand das Buch spätestens ab dem Monat Juli langweilig. Vielleicht spielt hier auch mit rein, daß sich das Buch fast ausschließlich mit der künstlerischen Avantgarde jener Zeit befaßt. Wer meint, der aufziehende 1. Weltkrieg sei hier vertieft Thema, der irrt.

Letztlich ist das Buch demjenigen zu empfehlen, der über die verschiedenen Kunstszenen jener Zeit bereits gut informiert ist und hier noch einmal ein Kondensat des Jahres 1913 lesen möchte. Ich konnte dem Buch nicht viel abgewinnen und habe die Monate ab August nur noch überflogen.