Siedeln auf der Rosinkawiese – woran scheiterte es?

Die „Rosinenwiese“, so genannt weil sie in den Augen der umliegenden Dorfbewohner unergiebiges, sumpfiges Land, das einmal ein Hochmoor war, darstellte, war ein lebensreformerisches Siedlungsprojekt der Eltern der vor kurzem verstorbenen Schriftstellerin Gudrun Pausewang.

Sie lag in Ostböhmen, heute Tschechien, nahe des früheren Ortes Wichstadtl am östlichen Ausläufer des Adler-Gebirges. Der Ort gehörte zum deutschen Sprachgebiet; man sprach einen schlesischen Dialekt.

Pausewangs Eltern Siegfried und Elfriede kamen aus dem Wandervogel, lernten sich auf einer reformpädagogischen Schule kennen. Man badete nackt, verzichtete auf Alkohol und Nikotin. „Siedeln auf der Rosinkawiese – woran scheiterte es?“ weiterlesen

Offene Meißner-Fahrt 2013

Das Thema „Wandervogel“ interessiert mich am Rande. 2013 jährt sich das Meißnertreffen von 1913 zum 100sten Mal. Ich hatte in diesen Beiträgen bereits auf die Entwicklung hingewiesen, als rechts verstandene Jugendbünde von der offiziellen Planung auszuschließen. Meine Vermutung, daß es „Nebenlager“ geben wird, hat sich bewahrheitet: Der Ring junger Bünde Hessen ruft zu einer offenen Meißner-Fahrt „von Burg Hanstein über Burg Ludwigstein zum Hohen Meißner mit anschließendem Meißnerlager auf eigenem Platz (Gemarkung Hasselbach)“ auf (s. Ankündigung im Pfadfinder-Treffpunkt). Eingeladen sind alle Bünde, die sich der ursprünglichen „Meißnerformel“ verschrieben haben, wonach die Jugend unter allen Umständen geschlossen auftrete.
Vielleicht sollte ich die Zeitschrift Idee und Bewegung doch abonnieren und deren Sache unterstützen.

Wandervogel (Grundlagen)

Ich hatte auf dieser kurzen Hinweisseite zum Treffen auf dem Hohen Meißner 2013 bereits notiert, daß ich mir den Quellenband zum 1913er Treffen sowie die Aufsatzsammlung zur fünfzigsten Wiederkehr kaufen werde.

buch028Das habe ich getan, beide Bücher stehen im Regal, denn ich habe doch noch – einem guten Riecher folgend – das Buch von Ziemer und Wolf, Wandervogel und Freideutsche Jugend, vorgezogen. Ich glaube, jetzt schon nach ca. 170 Seiten sagen zu können, daß ich selten ein so gehaltvolles, schön aufbereitetes und inspirierendes wie auch Wissen vermittelndes Buch gelesen habe. Es befaßt sich mit dem kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende ins Leben gerufenen Wandervogel (in Steglitz und durch Hoffmann-Fölkersamb) und seinen Abspaltungen wie Einigungsbemühungen. Die Autoren schreiben, sie hätten die „Kantatenform“ für die Darstellung gewählt, das heißt nach einleitenden Texten folgen Originaltexte der betroffenen Personen oder von solchen, die über die gerade besprochenen Zeugnis ablegen können. Mit Geist, aber viel mehr noch mit dem Gemüt ist man „drin“ in der Zeit, sieht man die Horden durchs Land ziehen. Besonders angenehm: Es ist zum Glück keines der Bücher links-sozialisierter Historiker, die erstmal mit dem Begriff ‚völkisch‘ auf den Tisch hauen, damit man ja auch auf Distanz zu den fahrenden Scholaren und ihrer gelegentlich geäußerten Vaterlandsliebe gehe. „Wandervogel (Grundlagen)“ weiterlesen

Meißner 2013

Im Jahr 1913 traf sich die Jugend, d.h. zumeist die in Wandervogel-Bünden organisierte, wobei studentische dominierten, auf dem (später so genannten Hohen) Meißner in Nordhessen zu einem ersten Freideutschen Jugendtag. Ich hatte das in diesem Beitrag bereits kurz angeschnitten und auch darauf hingewiesen, daß es eine Diskussion darum gebe, ob auch als „rechts“ eingestufte Bünde teilnehmen dürfen. Seinerzeit erhielt ich inoffiziell die Info, daß z.B. Freibund oder Fahrende Gesellen nicht kommen „dürfen“. „Meißner 2013“ weiterlesen

Jugendbewegung

Im Rahmen der Lebensreform hat mich schon länger das Thema „Jugendbewegung“ interessiert, allerdings habe ich bis dato darüber kaum etwas gelesen. Zwar besitze ich zwei alte Wandervogel-Liederbücher, nämlich den Zupfgeigenhansl von Hans Breuer aus dem Jahre 1913 (und da vorne ein Besitzvermerk von Juli 1913 eingetragen ist, kann es durchaus sein, daß das Büchlein auch beim Ersten Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner mit im Gepäck war) sowie das Wandervogel-Liederbuch von Frank Fischer aus dem Jahre 1912 (für das gleiches gilt). Aber diese Büchlein entsprangen dem Interesse an Volks- und Wanderlied, also nicht dem an der Wandervogel-Bewegung als solcher. Aber doch sind sie ein Strang in diesem langsam sich formulierenden Wunsch nach weiterer Lektüre, weiterem Kennenlernen. Ein Meilenstein war für mich Der Wanderer zwischen beiden Welten von Walter Flex. Dieses Zitat ist mir seitdem immer präsent:
„Gelassenheit war eins seiner Lieblingsworte, in ihr sah er das Wesen menschlicher und männlicher Würde, heitere und lässige Sicherheit lag immer wie ein Glanz über seinem Wesen, und es war in ihr soviel menschliche Anmut wie männliche Würde.“
„Jugendbewegung“ weiterlesen