Üb immer Treu und Redlichkeit – nicht

Schaut man sich den Umgang der Politik mit dem Ukraine-Krieg an, werden einem die Parallelen zu dem mit der Corona-Pandemie deutlich. Bei Corona war es von Anfang an Panikmache über jedes realistische Maß hinaus, bis man an einem Punkt war, an dem nur noch (gesichtswahrende?) „Flucht nach vorne“ möglich war. Anfang 2021 wußte kein Politiker, wie die Impfung wirken würde, trotzdem wurde der „kleine Pieks“, der die Freiheit zurückbringe, angepriesen, als wäre das der einzige Weg der MENSCHHEIT, um überleben zu können. Im Frühherbst wurde deutlich, daß die Impfung nicht vor eigener Ansteckung und Weitergabe des Virus schützt – trotzdem wurde das „Boostern“ zum bestimmenden Thema des Winters nach dem fraglichen Motto „viel hilft viel“. Menschen wie ich, also mit gerade erst durchgeführter Doppel-Gabe der Substanz aus der Goldgrube in Mainz, waren bald solche zweiter Klasse. Mit „Booster“ durfte man in meinem Fitnessstudio ohne Test und Maske trainieren, aber ohne diesen dritten „Schuß“ ging alles nur mit Test, also mit einer gewissen Hürde, die medizinisch in keiner Weise zu begründen war – es war eben einfach nur ein Druckmittel.

Ähnlich verlief es mit den anderen Maßnahmen, speziell vor Verfügbarkeit der sogenannten Impfstoffe. Masken, Abstand, Tests – aber als man dann merkte, daß eine wie auch immer gestaltete „Partyszene“ sich gerade am Abend davon nicht beeindrucken ließ, mußte die AUSGANGSSPERRE her – ein Wort, das ich im Grunde nur mit diktatorischen Systemen assoziiere, weil es sich auch von der Wirkung her so anfühlt: einige halten sich nicht an die Regeln, also werden alle bestraft! Hier wurde also von Seiten der Regierung immer weiter eskaliert, weil man die Fähigkeit verloren hatte, einen virtuellen Schritt zur Seite zu tun und sich die Sache mal in Ruhe anzuschauen, andere Experten anzuhören, mit Unwahrheiten aufzuräumen usw. Alles nicht erfolgt – und mit dem aktuellen Gesundheitsminister, der schon im April das „Killer-Virus“ von Oktober vorhersehen kann, wird sich daran nichts ändern.

Doch genauso geht die jetzige Ampelregierung mit dem Angriff Rußlands auf die Ukraine um. Auch hier das Vorpreschen, die deutsche Gründlichkeit gepaart mit dem Schuldkomplex: KEIN GAS, KEIN ÖL, NICHTS mehr aus Rußland. Moralisch schwächere Länder als Deutschland, ja, die dürfen bis 2024 russisches Gas importieren, aber doch nicht WIR!

Dann WAFFEN, SCHWERE WAFFEN an die Ukraine… „Frieden schaffen mit schweren Waffen! Die Grün:innen“. Alles unreflektiert, ein lockeres Spiel mit der Möglichkeit eines dritten Weltkrieges, in den Baerbock ohne etwas zu merken tapsen würde. („Der Flattimir hat mitte Atomraketen geschossen, das ist gegen die Regeln….“)

Es gibt kein Wenn oder Aber mehr, kein Innehalten beim Zudrehen der Daumenschrauben, keine Selbstreflektion. Kein Abwägen mehrerer Möglichkeiten, und insbesondere ist der Blick auf die Menschen, die „hier gut und gerne leben“ völlig verlorengegangen. Bei Corona interessierte es nicht, was die Maskenpflicht insbesondere mit (kleinen) Kindern machte, oder welche Ängste durch Lockdown und Ausgangssperren geschürt wurden. Jetzt interessiert es nicht, wie die Menschen ihre Wohnungen im Winter warm bekommen sollen, ja, es wird sogar zynisch zum „Frieren für den Frieden bzw. die Freiheit “ geworben, während sich rheinland-pfälzische Unternehmer fragen, wie man ohne russisches Gas die Produktion sicherstellen könne. Und der Multimillionär Merz stellt lakonisch fest, man habe den „Höhepunkt des Wohlstandes“ nun überschritten, während Lindner konkretisiert, der „Ukraine-Krieg macht uns alle ärmer“, und Habeck aufrichtig konstatiert: „Wir werden uns natürlich selbst schaden.“

Der gleichen Bevölkerung, die man 2020 noch weggesperrt hatte, teilt man nun matter-of-factly mit, daß die Sanktionen und deren Folgen eben einfach hinzunehmen seien, als gäbe es keinerlei Handlungsalternativen. Dabei hat jeder Minister den Amtseid geschworen, „Schaden“ vom „deutschen Volk“ abzuwenden – ja, auch dieser Habeck, von dem im Netz ein Videoschnipsel kursiert, in dem er sagt, es gebe kein Volk, das sei ein Nazibegriff. Das „Nazi-Volk“ darf sich natürlich selbst schaden – lol.

Stattdessen verschwinden nun Unsummen in die Ukraine, wird Afghanistan mit weiteren 200 Millionen unterstützt, ebenso 100 Millionen für die Sahelzone, mit 10 Milliarden wird Indien gepampert, damit die es nicht so innig mit den Russen und Chinesen halten, – alles aktuelle Meldungen der u.a. Baerbockschen Freigebigkeit, während die „daheimgebliebenen“ Politiker das „deutsche Volk“ auf einen Kollateralschaden ihrer Politik vorbereiten.

Woran liegt das alles? Reitschuster meint, am Format der Politiker: „Politiker wie Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Franz Josef Strauß, die ich als junger Mann heftig kritisierte (was ihnen herzlich egal sein konnte), wirken vor dem Hintergrund unserer heutigen Politik-Pygmäen (sorry, das Wort ist heute auch schon politisch ungerecht) wie Giganten.“

Das mag ein Aspekt sein, der sich insbesondere dann erschließt, wenn man sich das Lebenslauf-Tuning von Frau Baerbock anschaut oder sich fragt, was Lang („7 Jahre in Jura“, aber ohne Abschluß) und Fester (Abi mit 19, mit 23 im Bundestag – mit ganz viel „Regieassistenz“ dazwischen) eigentlich vor der Politik so gemacht haben – und was das auf ihre Lebenserfahrung rückschließen läßt. Immerhin findet Fester, „Knutschen“ sei „wichtiger als Deutschland“. Wow, da kommen rosige, mithin bunte Zeiten auf uns zu.

Danisch formuliert das so: „Und dazu noch die Provokation, dass wir alle gerade Steuern, Energiekosten, Inflation zahlen wie blöde, und uns dann solche Eier, die noch nie ernstlich gearbeitet haben, als Politiker vor die Nase setzen, uns mit blödem Gerede überschütten, Spitzengehälter vom Steuerzahler bekommen, und sich dann auch noch selbst die Diäten erhöhen, um die Inflation auszugleichen, die sie durch dumme Politik selbst machen.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Artikel von Fabian Nicolay über „Redlichkeit und Korruption„.

Ein anderer Aspekt ist die zunehmende Komplexität der Welt und die daraus resultierende Gefahr, Sachverhalte auf Schwarz-Weiß-Denken zu reduzieren. Das Denken in Zwischenschritten, das Zulassen und Tolerieren von Grautönen, das erfordert eine feste Persönlichkeit und eine gewisse Freigeistigkeit, die ich im Schwinden sehe. Wir gehen gesamtgesellschaftlich so langsam wieder auf Sandkastenniveau zurück. Bei den bevorstehenden weltpolitischen Problemen erscheint mir das als die größte Gefahr: das Schubladendenken, das Zwei-Lager-Denken („dafür oder bäh“), die charakterlich wenig gefestigten Mensch:innen, die jetzt das politische Ruder übernehmen – in Verbindung mit den Profi-Agitatoren, wozu ich die mir gerade einfallende Person hier aus rechtlichen Gründen verschweige.
Und genau das ist ein weiterer Aspekt. Gestern sagte mir ein Freund: „Mit wem soll ich denn noch über kritische Themen reden? Die sind doch alle auf Linie…“ Wer nicht auf Linie ist, dazu gehören auch kritische Blogger/Vlogger, der wird wegen Nebensächlichkeiten verklagt, um so die Meinungsfreiheit einzuschränken. De-facto-Konsens bei den Menschen, die ich so privat treffe: bloß nicht über Politik reden, nicht über Corona oder Krieg.

Aber wenn WIR nicht mehr darüber reden, dann können DIE DA OBEN noch dreister ihre Agenda durchziehen, uns mit in den Untergang ziehen.

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