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Von „Wander-Penissen“ und dem „Chillen am See“

Das „Y-Kollektiv“ ist ein öffentlich-rechtliches Youtube-Angebot mit zum Teil recht spannenden Dokumentationen. Aktuell hat sich die Moderatorin Antonia Lilly Schanze mit dem Thema Nudismus, Naturismus und FKK befaßt, das knapp 18-minütige Video findet sich hier.

Vorgestellt werden: eine Nacktwanderung im Rahmen der Thüringer Nudistentage, eine selbsternannte FKK-Botschafterin, die Mitglied im tradittionsreichen FKK-Verein „Adolf Koch“ in Berlin ist, sowie Nackt-Yoga.

Zunächst muß ich die Moderatorin loben, die angezogen neben im Video verpixelten „Wander-Penissen“ läuft und mit ruhiger Stimme Gespräche führt oder erklärt. Wirklich nett ihr kurzer Abstecher zum Thema Lebensreform um 1900 mit der (sinngemäßen) Feststellung, daß in der Kaiserzeit „nackt am See chillen“ ein „revolutionärer Akt“ gewesen sei. Das kann man wohl so stehenlassen.

Spannend wird es, wenn es z.B. darum geht, warum sich die ganz jungen Leute heute nicht mehr gern ausziehen, also wieso FKK auf dem absteigenden Ast ist. Richtig wird festgestellt, daß das Internet ein „prüder Ort“ ist, in dem man nackte Körper in Dokus verpixeln muß, während der nächste Porno nur einen Klick entfernt ist. Gestern hörte ich noch in einem Podcast, daß 1/3 des gesamten Internet-Traffics für pornographisches Material draufgeht.
Auch in den Kommentaren wird auf die Hürden hingewiesen: Junge Leute haben Angst, sie könnten fotografiert und nackt ins Netz gestellt werden. Oder sie schämen sich, weil ihr Körper nicht so aussieht wie der der Instagram-Models. Generell sind die nackten Männer in der Mehrheit.

Wo ist man heute noch nackt? Frau Schanze faßt knapp zusammen: Arzt, Sex, Waschen … 😉

Alle Befragten sind sich einig, daß es bei der Nacktheit darum gehe, man selbst zu sein, ein gutes Körpergefühl zu haben, sich nicht an gesellschaftlichen Normen stören zu müssen, mit sich selbst in Frieden zu leben, natürlich zu leben usw. Hinzu komme eine gewisse Abhärtung, verbunden mit weniger Erkältungen.

Spannend war für mich, daß ich mich wieder in meinen bisherigen Ausführungen zum Thema FKK, Naturismus, Sex bestätigt gefühlt habe. Ein Wanderer gibt etwas umständlich formuliert an, Kleidung mache den erotischen Reiz aus, während der nackte Körper natürlich wirke. Das ist ja auch meine Auffassung – und der Film beweist dies auf nette Art: Die Moderatorin wird an einer Stelle beim Wandern von vorne gezeigt – man erkennt, daß sie keinen BH unter dem T-Shirt trägt, und das „Nipple Gate“ zieht die Blicke auf sich. Das wäre bei Nacktheit nicht der Fall. Sinnigerweise erzählt sie dann etwas später, daß sie das Shirt zwecks Wechsel zum Bikini ausgezogen habe und sofort sei sie oben ohne fotografiert worden. Das sei ja so üblich, daß man sich gegenseitig beim Wandern fotografiere, wurde ihr gesagt… An anderer Stelle erwähnt sie, daß viele der Wanderer im Intimbereich rasiert sind bzw. dort Schmuck tragen. Das ist für mich etwas, das ich speziell mit der Nudistenszene assoziiere, bei der ich den Schritt zur Sexualisierung der Nacktheit als etwas kürzer einschätze.

Die Naturisten hingegen, naturverbunden wie sie sind, retten dann in der Doku mal eben ein Lamm, das sich in einem Netz verheddert hatte. Und die Welt war wieder gut… 🙂
Insgesamt eine lohnende Doku.

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