Meißner 2013

Im Jahr 1913 traf sich die Jugend, d.h. zumeist die in Wan­der­vo­gel-Bün­den orga­ni­sier­te, wobei stu­den­ti­sche domi­nier­ten, auf dem (spä­ter so genann­ten Hohen) Meiß­ner in Nord­hes­sen zu einem ersten Frei­deut­schen Jugend­tag. Ich hat­te das in die­sem Bei­trag bereits kurz ange­schnit­ten und auch dar­auf hin­ge­wie­sen, daß es eine Dis­kus­si­on dar­um gebe, ob auch als “rechts” ein­ge­stuf­te Bün­de teil­neh­men dür­fen. Sei­ner­zeit erhielt ich inof­fi­zi­ell die Info, daß z.B. Frei­bund oder Fah­ren­de Gesel­len nicht kom­men “dür­fen”. Zwi­schen­zeit­lich wur­de bei einem Vor­be­rei­tungs­tref­fen offi­zi­ell beschlos­sen, “rech­te” Bün­de aus­zu­schlie­ßen (Pro­to­koll: “Zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt schlie­ßen die anwe­sen­den Bun­des­füh­rer Frei­bund, Sturm­vo­gel, Fah­ren­de Gesel­len / DMWB und Deut­sche Gil­denschaft von den wei­te­ren Vor­be­rei­tun­gen und der Teil­nah­me des Jubi­lä­ums­la­gers zum Hohen Meiß­ner 2013 aus.”) Den aus­ge­schlos­se­nen Grup­pen wur­de net­ter­wei­se nach einem Pro­zeß der “inne­ren Klä­rung” die erneu­te “Vor­stel­lung” zur Teil­nah­me ange­bo­ten. Auf der lin­ken Sei­te “Rech­te-Jugend­bün­de” kann man die Erklä­run­gen der teil­neh­men­den Grup­pen gegen die soge­nann­ten “rech­ten” z.T. nach­le­sen.

Damit kommt man im Jahr 2013 nicht umhin, die ein­hun­dert Jah­re alte Meiß­ner-For­mel, wonach die Jugend “unter allen Umstän­den geschlos­sen” auf­tritt, in einem poli­tisch-kor­rek­ten Sinn zu “moder­ni­sie­ren”.

Nun gibt es eine Web­sei­te zu dem vom 1. bis 6.10.2013 statt­fin­den­den Tref­fen, die m.E. das offi­zi­el­le, um die “rech­ten” Grup­pen berei­nig­te Tref­fen ver­tritt. 24 Grup­pen sind der­zeit als Teil­neh­men­de und Mit­ge­stal­ten­de, die sich in meh­re­re regio­na­le Vor­be­rei­tungs-Foren geglie­dert haben, geli­stet. Das Wort “Pfad­fin­der” domi­niert die Namen der Grup­pen, “Wan­der­vo­gel” kommt gan­ze zwei­mal vor. Est nomen omen?

Auch der Ring frei­er Bün­de Hes­sen e.V. betreibt eine Sei­te: “meissner2013-jugendinbewegung.de” (2020: Link tot). In einer Erklä­rung befür­wor­tet man jedoch ein “offe­nes Tref­fen für alle Bün­de”. Man darf also gespannt sein, wel­che “Neben­la­ger” es noch geben wird. Ich kann mir nicht vor­stel­len, daß alle kri­ti­sier­ten, aus­ge­schlos­se­nen Bün­de über­haupt nicht zum Meiß­ner kom­men. So auch zu lesen bei der Bün­di­schen Viel­falt.

Es sei noch ein­mal betont, daß ich von außen auf die­se Ent­wick­lun­gen schaue, inter­es­siert, aber nicht invol­viert. Zum Hin­ter­grund habe ich mir nun zwei Bücher bestellt, die sowohl das erste Tref­fen wie auch das von 1963 zum The­ma haben:

  • Win­fried Mog­ge u. Jür­gen Reulecke: Hoher Meiß­ner 1913 — Der Erste Frei­deut­sche Jugend­tag in Doku­men­ten, Deu­tun­gen und Bil­dern. Edi­ti­on Archiv der deut­schen Jugend­be­we­gung. Bd 5. Ver­lag Wis­sen­schaft und Poli­tik, Köln 1988
  • Eli­sa­beth Korn, Otto Sup­pert und Karl Vogt (Hrsg.): Die Jugend­be­we­gung: Welt und Wir­kung. Zur 50. Wie­der­kehr des frei­deut­schen Jugend­ta­ges auf dem Hohen Meiß­ner. Düsseldorf/Köln: 1963.

Ich wer­de mich also ein wenig ein­le­sen und ver­fol­gen, wie das Tref­fen in einem Jahr Gestalt annimmt.

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