Den Affen vertreiben

Ich ler­ne ja nun erneut das Tai Chi Chu­an im Yang-Stil. Je nach Zähl­wei­se kommt man bei die­sem Stil auf eine unter­schied­li­che Anzahl von “Bil­dern”, damit ist nicht nur rei­ne Figu­ren­be­schrei­bung gemeint, son­dern auch eine bestimm­te Dar­stel­lungs­wei­se. So heißt etwa Bild 6 “Der wei­ße Kra­nich brei­tet sei­ne Schwin­gen aus”. Hier­bei stellt man sich eben nicht nur “wie ein Kra­nich” hin, son­dern bewegt sich, stellt das Bild durch Hal­tung und Bewe­gung dar.

85 Bil­der hat die “lan­ge Frei­hand­form” des Yang­stils nach der Zähl­wei­se mei­nes Leh­rers. Frei­hand­form heißt, es wer­den kei­ne Waf­fen wie Schwert oder Lang­stock ver­wen­det. “Lang” meint die unge­kürz­te Form, die sich durch vie­le Wie­der­ho­lun­gen ein­zel­ner Tei­le aus­zeich­net. Es gibt eine mit wei­te­ren Wie­der­ho­lun­gen ange­rei­cher­te 150er-Ver­si­on, wie auch eine Kurz­ver­si­on mit 38 Bil­dern. Die 85er-Form ist m.W. iden­tisch in den Bil­dern mit der eben­falls als “Ori­gi­nal” bezeich­ne­ten 108er-Form: die Abwei­chun­gen sol­len in der Num­me­rie­rung der Bil­der lie­gen. Mein Leh­rer sag­te ein­mal, er unter­rich­te im Grun­de die glei­chen Bil­der wie die ITC­CA, jedoch nur in einer Zähl­wei­se bis 85. (Infos zum Yang-Stil — Web­sei­te 2022 off­line)

Die besag­ten 85 Bil­der sind in drei Abschnit­te auf­ge­teilt, die mit “Erde”, “Him­mel” und “Mensch” (Link zu einer Über­sicht 2021 nicht mehr online) über­schrie­ben sind. Die Erde bil­det die Basis, d.h. spä­te­re Wie­der­ho­lun­gen bau­en auf Bil­dern aus dem Teil “Erde” auf. Wer nun glaubt, daß je ca. 28 Bil­der einen Teil aus­ma­chen, der irrt. Teil 1 (Erde) hat 14 Bil­der und nach Bild 39 ist mit dem zwei­ten Teil (Him­mel) Schluß, d.h. 50% der Gesamt­form fal­len in den drit­ten Teil (Mensch). Das mag auch damit zu tun haben, daß die­ser drit­te Teil ein inte­gra­ti­ver ist, der Yin-For­men (Erde) und Yang-For­men (Him­mel) auf­nimmt und in Ein­klang mit­ein­an­der bringt.

Die ersten 25 — 30 Bil­der habe ich sei­ner­zeit mal gekonnt, aber nicht wirk­lich sicher. Das hat­te damit zu tun, daß der Leh­rer damals in der Form unter­rich­te­te, daß er den gesam­ten Kurs auf einem Level hal­ten woll­te: jeder soll­te die Form bis zum glei­chen Punkt kön­nen, was auch bedeu­te­te, daß man gemein­sam die Form üben (“lau­fen”) konn­te, was einen schö­nen Grup­pen­ef­fekt bedeu­te­te.
Heu­te wird jeder Schü­ler an dem Punkt unter­rich­tet, an dem er ist. Jeder übt also unab­hän­gig von den ande­ren sei­ne Form bis zur Gren­ze sei­nes Kennt­nis­stan­des und erhält vom Leh­rer indi­vi­du­el­le Unter­wei­sung, wie es mit dem jeweils näch­sten Bild wei­ter­geht. Das ist für mich wesent­lich ange­neh­mer, weil selbst ein ver­paß­ter Kurs­ter­min nicht bedeu­tet, daß man hin­ter den ande­ren her hinkt. Ande­rer­seits gibt es außer den Sei­den­übun­gen, dem Auf­wär­men, dem abschlie­ßen­den “Sam­meln des Chi” und der kur­zen Stand­me­di­ta­ti­on nichts, was die Grup­pe gemein­sam macht.

Am Mitt­woch bin ich nach dem Bild “Den Affen ver­trei­ben” zum “flie­gen­den, dia­go­na­len Hand­schlag” gekom­men und danach kommt die erste län­ge­re Wie­der­ho­lung aus dem ersten Teil, näm­lich “Die Arme heben”, “Der wei­ße Kra­nich brei­tet sei­ne Schwin­gen aus” und “Das Knie strei­fen links”. Das Ver­trei­ben des Affen ist ein raum­grei­fen­des Bild, das aus fünf auf­ein­an­der fol­gen­den Ein­zel­se­quen­zen besteht, in denen man das erste Mal in der Form zurück­geht. Hier ver­steht man — neben den vor­her schon deut­lich groß­zü­gi­ge­ren Dre­hun­gen (um 135°, um 180°) — die Über­schrift ‘Him­mel’ über die­sem Teil. Daher folgt nun die erste Wie­der­ho­lung von drei Bil­dern aus “Erde”, was man viel­leicht auch als ‘Erdung’ bezeich­nen kann.

Mit die­sem Kennt­nis­stand bin ich also beim Bild 21 ange­kom­men — way to go

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