Deliberalisierung

Meh­re­re Medi­en­be­rich­te zitie­ren aktu­ell eine Stu­die mit dem Namen “The Naked Truth” der Lon­do­ner Golds­mit­hs Uni­ver­si­ty, ver­öf­fent­licht im Jour­nal of Hap­pi­ness. Laut die­ser Stu­die haben FKK-Anhän­ger mehr Selbst­be­wußt­sein und ein bes­se­res Kör­per­ge­fühl.

Den­noch ist FKK ziem­lich “out”. Hier­zu wird der Sexu­al­wis­sen­schaft­ler Kurt Star­ke zitiert, der der FKK “Unwe­sent­lich­keit” sowie ein neu­es “Nackt­heits­ta­bu” atte­stiert. Selbst in der ehe­ma­li­gen Hoch­burg der FKK, Pre­row auf dem Darß, sei der FKK-Bereich mas­siv redu­ziert und mit dem Hun­de­strand gekop­pelt wor­den. Star­ke sagt ja immer mal wie­der etwas zum The­ma Sexua­li­tät und FKK; hat­te ich hier auch schon erwähnt.
Er ver­weist zum einen dar­auf, daß die herr­schen­den Schön­heits­idea­le es man­chen Men­schen schwer machen, sich nackt zu zei­gen. Ande­rer­seits sei der (so ver­stan­den: trai­nier­te, gut pro­por­tio­nier­te) Kör­per ein so “kost­ba­res Instru­ment”, daß man ihn nicht ein­fach nackt zei­ge. Mög­li­cher­wei­se kommt auch die von Star­ke so bezeich­ne­te “Haar­furcht” hin­zu: wo man alle Haa­re abra­siert, da fühlt man sich “nack­ter” und läuft eben nicht nackt her­um.
Hin­zu kommt, so kann man ver­mu­ten, die Angst davor, mit Smart­phones foto­gra­fiert zu wer­den. All das führt zu “Deli­be­ra­li­sie­rung”, was man auch als neue Ver­klemmt­heit bezeich­nen könn­te. So gehen die Errun­gen­schaf­ten der histo­ri­schen Lebens­re­form in der “frei­sten aller Gesell­schaf­ten”, die wir so ken­nen, lang­sam den Bach run­ter.

Doch es sind nicht nur die eige­nen Beden­ken, die Men­schen von FKK Abstand neh­men las­sen: Danisch ver­weist auf einen Bericht des Ber­li­ner Kuriers, wonach einer Frau, die sich im Strand­bad Plöt­zen­see oben ohne sonn­te, dies vom Per­so­nal ver­bo­ten wur­de, nach­dem sich offen­bar eine Fami­lie “migran­ti­scher Her­kunft” beschwert hat­te. Das run­det den Trend ab, daß man sich in Sau­na­land­schaf­ten nicht mehr nackt bewe­gen darf, son­dern außer­halb der eigent­li­chen Sau­nen etwas über­zie­hen muß. Eine fata­le Ent­wick­lung: die eige­ne Scham und der Anstoß, den ande­ren am Nackt­sein neh­men.

Ähnliche Beiträge

  • FKK auf Fuerteventura

    Anläß­lich eines schö­nen Kurz­ur­laubs auf der Kana­ren­in­sel Fuer­te­ven­tura möch­te ich kurz auf das The­ma FKK / Natu­ris­mus dort ein­ge­hen. Der Meri­an-Rei­­se­­füh­­rer von Iza­bel­la Gawin kon­sta­tiert kurz: FKK ist ver­bo­ten, aber Nackt­ba­den wer­de tole­riert. Ver­bo­ten ist die Frei­kör­per­kul­tur (im Sin­ne eines Grund­rech­tes, sich über­all nackt auf­hal­ten zu dür­fen), nach­dem Spa­ni­ens ober­stes Gericht die Kla­ge des spa­ni­schen…

  • Vom Kaffee- zum Teetrinker

    Ich schrieb hier vor ziem­lich genau einem Jahr über eine Kon­troll­un­ter­su­chung bei mei­ner Haus­ärz­tin, bei der neben grenz­wer­ti­gen Cho­le­ste­rin­wer­ten auch ein etwas zu hoher Blut­druck (spe­zi­ell unter Bela­stung) fest­ge­stellt wur­de.  Da ich seit Anfang 2017 Kaf­fee in Unmen­gen ver­tilgt hat­te, stell­te ich das Kaf­fee­trin­ken kom­plett ein. Erst ein, zwei Mona­te spä­ter erlaub­te ich mir wie­der…

  • Jetzt heisst es nur noch: Haltung zeigen (Strittmatter)

    Jetzt heisst es nur noch: Hal­tung zei­gen. Aber wo neh­me ich sie her? Ich habe kei­ne Hal­tung. See­len­schwer Ich bin betrübt. Das Haupt zu nei­gen In Demut und um Gna­de fle­hen, Für­bit­tend knien, so ist mein Drang … Doch auf­recht geh ich mei­nen Gang Gewohn­te Wege. Die mich sehen, Las­sen sich täu­schen, und sie mei­nen: Du…

  • Instagram

    Beim Auf­räu­men habe ich die Kate­go­rie “Foto­im­pres­sio­nen” mit vier Bei­trä­gen gelöscht. Das Blog ist kein gutes Medi­um für Ein­zel­bil­der. Daher möch­te ich auf mei­nen Insta­­gram-Account ver­wei­sen, den ich in der Sei­ten­spal­te ver­linkt habe (auf Mobil­ge­rä­ten unter­halb der Bei­trä­ge zu fin­den).

  • Den Affen vertreiben

    Ich ler­ne ja nun erneut das Tai Chi Chu­an im Yang-Stil. Je nach Zähl­wei­se kommt man bei die­sem Stil auf eine unter­schied­li­che Anzahl von “Bil­dern”, damit ist nicht nur rei­ne Figu­ren­be­schrei­bung gemeint, son­dern auch eine bestimm­te Dar­stel­lungs­wei­se. So heißt etwa Bild 6 “Der wei­ße Kra­nich brei­tet sei­ne Schwin­gen aus”. Hier­bei stellt man sich eben nicht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert