Fasten 1 — Vorbemerkung

“Ver­zicht nimmt nicht. Ver­zicht gibt. Er gibt die uner­schöpf­li­che Kraft des Ein­fa­chen.”
Mar­tin Heid­eg­ger

Ich habe zwi­schen 2000 und ca. 2010 meh­re­re Male ein Fasten unter­nom­men, bei dem ich zusam­men­ge­rech­net gut andert­halb Mona­te ohne feste Nah­rung ver­bracht habe. Ich hat­te dazu auf frü­he­ren Sei­ten im Netz einen Info-Text, der aber allein des­halb schon über­holt ist, weil kei­ne der dar­in ver­link­ten Sei­ten noch online abruf­bar ist. Daher hier eine kur­ze Vor­be­mer­kung zu einem Fasten­vor­ha­ben in den zwei­ten August­wo­che. Ich will nicht viel mit Quel­len bele­gen, son­dern aus mei­ner per­sön­li­chen Erfah­rung wie­der­ge­ben, was das Fasten für mich bedeu­tet.

Zum Start doch ein Zitat vom Stern: Fasten heißt “lee­rer Bauch und sat­te See­le”. Das habe ich immer gern ver­wen­det, wenn ich Fasten erklä­ren soll­te. Ich selbst schrieb im alten Text: “Fasten ist ein her­vor­ra­gen­der Weg zu einem gesün­de­ren und spi­ri­tu­el­le­ren Leben. Es schärft die Sin­ne, klärt den Geist, hellt ihn auf und rei­nigt den Kör­per — es bie­tet eine neue Dimen­si­on der Kör­per­er­fah­rung.”
Fasten, so ein Arzt im Fern­se­hen, sei frü­her die “Volks­psy­cho­the­ra­pie” gewe­sen.
Fasten gilt dar­über hin­aus als “stärk­ster Sti­mu­lus, um Alte­rungs­pro­zes­se auf­zu­hal­ten”, wobei hier schon ein Inter­vall­fa­sten 16:8 reicht.

Als ich mit dem Fasten anfing, war das Buch von Hell­mut Lütz­ner “Wie neu­ge­bo­ren durch Fasten” das Stan­dard­werk. Fasten in die­sem Sin­ne meint Ver­zicht auf feste Nah­rung für einen bestimm­ten Zeit­raum bei gleich­zei­tig hoher Was­ser­zu­fuhr (wei­te­re Punk­te kon­kre­ti­sie­re ich in Fol­ge­bei­trä­gen). Wie­viel oder was man noch essen darf, dar­über gehen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Lütz­ner — wie vor ihm auch Dr. Buch­in­ger — erlaub­te eine Gemü­se­brü­he am Tag und m.W. auch ver­dünn­te Frucht­säf­te. Per­sön­lich habe ich damit schlech­te Erfah­run­gen gemacht, weil der Kör­per durch die weni­gen, dar­in ent­hal­te­nen Kalo­rien “ange­fixt” wur­de und unru­hig nach “mehr” ver­lang­te.

Für mich heißt die­ses Fasten also: kei­ne Kalo­rien­zu­fuhr, kei­ne feste Nah­rung, kei­ne Brü­hen oder Säf­te, kein Kaf­fee, kein schwar­zer Tee — und natür­lich für Rau­cher: Absti­nenz, was auch für Alko­hol gilt.
Statt­des­sen führt man viel Was­ser zu. Es gab sei­ner­zeit die Vor­stel­lung, man kön­ne den Kör­per so “ent­schlacken”. Vie­le Ärz­te bezwei­fel­ten das, weil der Kör­per in die­sem Sin­ne kei­ne “Schlacken” ansamm­le. Die­se Fra­ge hat mich wenig inter­es­siert.
Wich­ti­ger ist das The­ma Mus­kel­ab­bau, wenn der Kör­per beginnt, sich bei län­ge­rem Fasten von sei­nen Mus­keln “zu ernäh­ren”. Hier wie­sen Kri­ti­ker v.a. dar­auf hin, daß der Herz­mus­kel ange­grif­fen wer­den könn­te. Aus die­sem Grund wird bei allen mir bekann­ten Fasten­an­lei­tun­gen auf viel Sport und Bewe­gung an den Fasten­ta­gen hin­ge­wie­sen. Ein­mal am Tag an sei­ner kör­per­li­che Lei­stungs­gren­ze gehen, das brem­se den Mus­kel­ab­bau. Es wird von Leicht­ath­le­ten berich­tet, die fastend Best­zei­ten lie­fen. Es heißt, daß wäh­rend des Fastens ver­mehrt Glücks­hor­mo­ne aus­ge­sto­ßen, das Streß­hor­mon Kor­ti­sol aber redu­ziert wer­de.

Eine Rück­mel­dung auf Insta­gram hat mir gezeigt, daß ich das noch­mal kon­kre­ti­sie­ren soll­te: ich spre­che hier von rei­nem Was­ser­fa­sten. Das mag für einen “Erst­fa­ster” nicht pas­send sein. Also even­tu­ell vor dem ersten Fasten wei­te­re Quel­len im Netz lesen und über ver­dünn­te Frucht­säf­te oder Gemü­se­brü­hen nach­den­ken…

Der Kör­per zehrt von sei­nen Eiweiß­re­ser­ven (Mus­keln), er kann über­säu­ern, was zu Gicht­an­fäl­len füh­ren kann. Fasten ist nicht zu 100% gesund­heits­för­dernd, das muß jedem klar sein. Wenn man es den­noch unter­nimmt, müs­sen Moti­va­ti­on und Ziel klar sein.

Bei mir ist es so, daß ich seit gut zwei Jah­ren ein Über­ge­wicht von 7–10kg mit mir her­um­tra­ge. Ich habe es frü­her oft geschafft, mit dem Fasten das Gewicht um eini­ge Kilo her­un­ter­zu­drücken, was ich mit Sport und redu­zier­ter Ernäh­rung hal­ten oder sogar noch ver­bes­sern konn­te. Mein Ziel ist es, wie­der in den zwei­stel­li­gen Gewichts­be­reich zu kom­men. Ich möch­te ins­be­son­de­re was das Wan­dern / Pil­gern angeht, wie­der fit­ter wer­den. Das Fasten zeigt mir immer, mit wie wenig Nah­rung der Kör­per tat­säch­lich aus­kommt. Nach dem Fasten gehe ich zurück zur Inter­vall­di­ät, die ich nun schon gut zwei Jah­re lebe.

Dann ist es so, daß bei mir vor gut andert­halb Jah­ren ein sehr hoher Fer­ri­tin-Wert (Eisen­spei­cher) fest­ge­stellt wur­de. Die erb­li­che Erkran­kung Hämochro­ma­to­se ist aus­ge­schlos­sen wor­den. Eine Ursa­che für den hohen Wert konn­te nicht gefun­den wer­den. Einen vom Onko­lo­gen vor­ge­schla­ge­nen “Dia­gno­se-Mara­thon” (“Sie sind ja pri­vat ver­si­chert…”) habe ich abge­lehnt. Der Wert lag maxi­mal bei 720µg/l, sank auf ca. 560 — bis ich kei­ne Kon­trol­len mehr habe machen las­sen. Ich pla­ne, im spä­te­ren Herbst noch mal einen “Check-up” bei mei­ner Haus­ärz­tin machen zu las­sen. Das Fasten inkl. Reduk­ti­on von Alko­hol, ver­mehr­tem Sport soll mir auch zei­gen, ob ich den Wert so beein­flus­sen kann.

Spi­ri­tu­ell habe ich auch Wün­sche, die ich aber hier und zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht kon­kret benen­nen möch­te.

Zum Abschluß noch ein­mal die fünf Punk­te, die der Autor Lütz­ner als essen­ti­ell für das Fasten angibt:
Nichts essen — nur trin­ken
Weg­las­sen, was nicht not­wen­dig ist (Alko­hol, Niko­tin, Kaf­fee…)
Sich vom All­tag lösen (kei­ne Reiz­über­flu­tung; die Begeg­nung mit sich selbst suchen)
Sich natür­lich ver­hal­ten und das tun, was dem Kör­per gut­tut
Aus­schei­dun­gen för­dern (Darm ent­lee­ren, Nie­ren “spü­len”, schwit­zen)

Wei­ter zu Fasten 2… 

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